Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-1 - Iran gegen Irak
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Iran/Irak
EIN KRIEG SOLL "SINNLOS" SEIN?
Seit fast 4 Jahren bekriegen sich die beiden Staaten "da unten".
Zig-Milliarden Dollars werden von beiden Seiten für den Sieg hin-
gegeben, und natürlich werden auch noch Hunderttausende an Men-
schen für den Erfolg des Vaterlandes zum Krepieren abkommandiert.
Der Iran will seine Macht mehren oder was dasselbe ist - die is-
lamische Revolution mit dem Schwerte ausbreiten und zunächst ein-
mal "das wilde Tier Saddam Hussein erwürgen". Der Irak hat den
Iran angegriffen und kämpft darum, sich eine Vormachtstellung in
der Region dort zu ersiegen. Ein "sinnloser" Krieg? Weiß jemand
einen besseren oder anderen Grund, weshalb Staaten aufeinander
losschlagen? Weil keine Seite bisher Erfolg gehabt hat und ein
solcher auch nicht abzusehen ist, deshalb doch wohl winkt man so
besserwissend ab. Eine Meisterleistung des bürgerlichen Ver-
stands, einen Krieg "unsinnig" zu nennen.
Ein "vergessener Krieg"
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soll dort toben. Und wenn das fehlende brennende Interesse des
Westens an einer Wiederherstellung des Friedens in seinem Sinne
durch diesen Krieg befriedigt wird? Sein Hauptergebnis hat dieser
Krieg nämlich, noch bevor entschieden ist, wer als Sieger aus
dieser Schlächterei hervorgeht. Die "Islamische Revolution" im
Iran war, ist und bleibt eine Schädigung westlicher Interessen
und eine Gefahr für die politische Zuständigkeit des Westens im
Nahen und Mittleren Osten. Deswegen war, ist und bleibt es grund-
sätzlich gut und nicht schlecht, daß der Irak den Krieg gegen das
iranische Revolutionsregime eröffnet hat. Denn dadurch hindert er
den "Ayatollah", sich um die Ausbreitung seiner "islamischen Re-
volution" in anderen Richtungen zu kümmern. Der Störung, die von
ihm für die imperialistische Weltordnung ausgeht, sind so ihre
Grenzen gezogen. Die "gläubigen, fanatischen Massen" verbluten in
diesem Krieg und können andernorts kein Unheil stiften. Die
"islamische Revolution" findet nur noch als Krieg gegen den Irak
statt.
Umgekehrt ist durch iranische Kriegserfolge ebenso sicherge-
stellt, daß die Berechnungen der irakischen Führung, durch einen
Sieg zur Vormacht in der arabischen Welt zu werden, nicht aufge-
hen. Auch dies ein für den Westen durchaus günstiges Ergebnis: In
seinen Kriegsanstrengungen wird der Irak immer abhängiger vom We-
sten und seinen prowestlichen Nachbarn, für die er einstmals eine
"sozialistische" Gefahr gewesen sein soll. So binden sich zwei
für die imperialistischen Staaten unbequeme Mächte gegenseitig in
dem zermürbenden Gemetzel; und genau diesen Charakter soll der
Krieg behalten.
Dafür zu sorgen, vergißt der Westen nicht; er tut es vor allem
mit
Nützlichen Waffengeschäften
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Erst einmal hat er sich von dem Öl dieser beiden Länder ziemlich
unabhängig gemacht. Die Zufuhr des Öls der Staaten der arabischen
Halbinsel ist gesichert: Vorräte sind angelegt, volle Tanker
schwimmen in gesicherten Meeren, Pipelines brauchen keine
Schiffsstraße. Dann liegen amerikanische und britische Seestreit-
kräfte vor Ort oder anderswo abrufbereit. Für den Fall, daß der
Iran seine Drohung wahrmachen sollte, die Straße von Hormuz zu
sperren, stellen sie klar, daß der Westen seine Seewege nicht
sperren läßt. Auf der Grundlage dieser Sicherheiten hält die
friedliebende westliche Welt den Krieg geschäftstüchtig am Lau-
fen. An die 40 Staaten versorgen die beiden Gegner mit Waffen,
dieselben oder noch andere liefern Geld und Kredit. Die Geschäfte
mit dem Iran haben in den Auftragsbüchern westlicher Unternehmen
mittlerweile wieder die Größenordnung wie zu den besten Zeiten
des Schah Resa Pahlewi erreicht. Ungehindert können die Perser
ihr Öl exportieren, im Westen Ersatzteile für ihre Bohranlagen
kaufen, und auch mit dem Waffennachschub haben sie allem Augen-
schein nach keine Schwierigkeiten. Die nehmen zwar nicht den of-
fiziellen, direkten Weg, aber Geschäfte dieser Art lassen sich ja
bekanntlich auch über Drittländer zur Zufriedenheit aller Betei-
ligten abwickeln. Selbst das vom Iran zum Erzfeind erklärte Is-
rael darf seine Waffen an die Perser verkaufen.
Dem Irak werden schon gar keine Hindernisse in den Weg gelegt. In
schöner westlicher Arbeitsteilung sorgt hier Frankreich für den
Einsatz westlichen Kriegsgeräts, Saudi-Arabien und die Ölscheich-
tümer für die Bezahlung. Damit dem Iran auf keinen Fall ein
kriegsentscheidender Durchbruch gelingt, bereiten die USA den
Irak per Aufklärungssatelliten auf iranische Offensiven vor. Daß
der Freie Westen, der vorgibt, überall den Frieden sichern zu
wollen, einmal seine militärische und wirtschaftliche Macht ein-
setzen könnte, einen Krieg zu b e e n d e n, wird nicht ernst-
haft erwogen.
Wenn überhaupt solche Erwägungen angestellt werden, dann werden
sie mit der Lüge von der Ohnmacht der Großmächte zurückgewiesen:
Man könne auf das "mittelalterliche" Regime in Teheran keinen
Einfluß nehmen, und die Einstellung der Waffenlieferung würde
nichts bewirken, da irgendein Waffenhändler doch weiter sein Ge-
schäft machen werde. Mit dieser Rechtfertigung geht die Versor-
gung der Kriegsgegner, also die tatkräftige Förderung des Kriegs,
ohne die er längst zu Ende wäre, munter weiter. Daneben wird frei
spekuliert, daß vielleicht die fortschreitende "Abnutzung" der
beiden kriegführenden Staaten die Auseinandersetzung beenden
werde.
Nachdem feststeht, was man von der Schlacht am Golf zu halten
hat, erfindet der Zynismus von Frieden und Freiheit erlesene Be-
obachtungsgesichtspunkte.
Kriegsberichterstattung: schlechte Kriegsführung?
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Korrespondenten, die an der Front waren, wollen dort festgestellt
haben, daß "der ganz gewöhnliche Krieg der Perser und Iraker" ei-
ner zwischen "Mensch und Material" sei. Man sieht: Für keine der
beiden Seiten wird Partei ergriffen. Ohne Vorbehalt kann man sich
so richtig dem Idealismus effektiver Kriegsführung widmen. Das
Ergebnis ist eindeutig: Der Krieg dort wird von beiden Seiten
s c h l e c h t geführt: Der Iran verpulvert sinnlos Menschen-
massen, weil der ausgiebige Einsatz von Menschenmaterial kaum Ge-
ländegewinne, einen kriegsentscheidenden Durchbruch sowieso nicht
erzwingt. Der Irak massakriert zwar mit seiner Überlegenheit der
Waffen 100.000 angreifende Perser, ist aber nicht in der Lage,
seine Waffentechnik noch effektiver einzusetzen. Geschütze schie-
ßen "oft ziellos ins Blaue, weil die Artilleristen nicht mit den
Feuerleitsystemen umgehen können" (Spiegel). Piloten "irren wie
blinde Hühner umher", fliegen lieber nach Sicht, "weil sie mit
dem komplizierten elektronischen Apparat nichts anzufangen wis-
sen" (Spiegel). Überhaupt "fehle die Fähigkeit zur großangelegten
Bewegungsschlacht" auf beiden Seiten - wie im ersten Weltkrieg an
der Westfront. Und wie teuer der Krieg jeden Tag ist, obwohl kein
Erfolg abzusehen ist, Wahnsinn! Wie schön kann man doch seine
kriegsstrategische Kennerschaft zur Anwendung bringen bei einem
Krieg, dessen brutale Menschenschlächtereien einem ziemlich
wurscht sind. Erstens weil Krieg eben Krieg ist, und zweitens,
weil man über das erfolglose Treiben der Iraker und Perser dort
unten nur den Kopf schütteln kann.
Ein "schmutziger Krieg"?
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Viel interessanter aber ist es offenbar für die freie Weltöffent-
lichkeit, die ungerührt die Todeszahlen der soundsovielten
"Morgenröte" zur Kenntnis nimmt, Vergehen gegen die "Genfer Kon-
vention" aufzudecken und sich geheuchelt darüber zu entrüsten.
Seit Wochen scheint das Bemerkenswerteste am Golfkrieg in der
Frage zu bestehen, ob die Iraker Giftgas einsetzen oder nicht.
Zwar ist allgemein bekannt, daß so gut wie alle Unterzeichner der
Genfer Konvention, in der sie sich zur Nichtanwendung chemischer
und biologischer Waffen verpflichten, solche Waffen lagern, ja,
die USA ihre Vorräte gegenwärtig noch vergrößern, nicht zuletzt
auch noch mit dem Hinweis auf deren Einsatz im irakisch-irani-
schen Krieg. Aber sich über "unmenschliche Kriegsführung" entrü-
sten möchte man schon. Da macht es gar nichts, daß durchsickert,
der Irak habe chemische Waffen von den Engländern gekauft, eine
andere westliche Nation habe ihm eine Fabrik zur Produktion sol-
cher Dinger hingestellt. In der Verrücktheit, für die ultima ra-
tio, den Krieg, Regeln des menschenwürdigen Mordens aufzustellen,
und Regelverletzungen aufzudecken und anzuprangern, hält man sich
seinen kriegsmoralischen Schlager. Aber klar, echt splitterbom-
benzerfetzte Leichen, Tote mit glattem Durchschuß oder von einer
Brandbombe verkohlt, sind besser als solche, denen ein Gas die
Lunge zerfressen hat. Da werden doch tatsächlich halbe Leichen
nach Genf, Wien und München geschafft, um ein derartiges
"Kriegsverbrechen" nachzuweisen. Ausgerechnet im Krieg soll es
eine Moral geben, der sich die Kriegslogik hier und da unterzu-
ordnen hätte, heuchelt sich die Menschheit vor. Dabei weiß jeder,
daß im Krieg nur das Gesetz des Sieges gilt, für den alle Mittel
recht sind. Handelt nicht der Irak kriegstechnisch ganz richtig,
wenn er gegen die anstürmenden persischen Menschenmassen das Waf-
fenmittel wählt, das die meisten Feinde auf einen Schlag umlegt?
War nicht eben noch die schlechte Kriegsführung des Irak das Pro-
blem?
Ach, und die Kinder und Greise, die der Iran fast unbewaffnet,
unausgebildet auf die Minen und direkt in Allahs Himmel jagt.
Schrecklich, furchtbar! Wenn sie doch nicht mehr so klein, son-
dern schon 15 wären, wie ein Abkommen der UNO verlangt, und nicht
schon so alt - vielleicht bis 60? Wenn sie doch wenigstens ausge-
bildet und gescheit bewaffnet wären! Bei "unschuldigen Kindern"
steigt der bürgerliche Verstand ein wenig auf seine moralischen
Barrikaden. Bloß: Wo bleibt eigentlich die Kriegslogik? Wenn der
Iran relativ weniger Waffen, dafür aber viele viele idiotische
gläubige Menschen hat, die sich als lebendige Minenräumer einset-
zen lassen, dann entspricht das doch wohl dem Kriegszweck. Ein
"Volkssturm", der tatsächlich zum Endsieg führt, wären das dann
nicht sinnvolle Opfer und Märtyrer des Vaterlandes?
Also mal hergehört, ihr Gegner von Senfgas und Liebhaber der ganz
Kleinen! Wenn ihr schon so viele gute Gründe für Vaterlandsver-
teidigung und Krieg wißt, auch keine Skrupel habt, das laufende
Kriegsgeschehen am Ideal der besten Kriegsführung zu messen, dann
laßt auch eure Empörung über gewisse "Unmenschlichkeiten". Solche
Dinge sind notwendig, wenn Krieg ist, also sehr menschlich. Ka-
piert?
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Krieg unter US-Kontrolle
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