Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-1 - Iran gegen Irak
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Iran/Irak
EIN KRIEG, MIT DEM SICH LEBEN LÄSST
Zwischen Iran und Irak findet seit 3 Jahren ein Krieg statt, über
den der Westen einmal nicht das Urteil gefällt hat, er müsse un-
bedingt hin und "Frieden stiften". Dem allein könnte man schon
entnehmen, daß die Kalkulationen der Weltpolitik ganz andere
sind, als sich von Ehrentiteln der eigenen Politik verpflichten
zu lassen.
Aufgepaßt wird auf den Krieg natürlich schon - von der NATO und
in deren Interesse. Die USA warnen den Iran vor einer "Schließung
der Straße von Hormuz", da die Ölzufuhr auf dem Wege durch den
Golf auf jeden Fall gesichert bleiben muß Ganz praktisch hat der
Krieg denn auch zu keinem Zeitpunkt die "Weltölzufuhr" beein-
trächtigt; die Ausfälle der Öllieferungen durch den Iran nach der
"islamischen Revolution" und durch den Irak infolge des Krieges
haben sich nicht einmal auf den Ölpreis ausgewirkt. Das ist aber
auch die unerläßliche Voraussetzung, unter der sich die USA im
Krieg zwischen Irak und Iran "neutral" (US-Außenminister Shultz)
verhalten.
Westliche "Duldung" des Krieges heißt aber nicht einfach, daß er
nicht ausufern dürfe. Ohne aktive Förderung wäre dieser Krieg
längst im Sand versiegt. So achtet nicht nur Frankreich auf das
"Gleichgewicht" zwischen beiden Staaten und sorgt mit Waffenge-
schäften im Umfang von 6 Mrd. Dollar dafür, daß der Irak militä-
risch auf dem Laufenden bleibt. Vor allem "unsere Freunde", die
Scheichs, lassen für diesen guten Zweck monatlich eine Milliarde
Dollar springen, teils in Form von guten US-Kreditzetteln, teils
als Öllieferungen, die vom Irak "vermarktet" werden, wegen der
Opec-Quoten für Ölförderhöchstmengen der einzelnen Ölstaaten.
Aber auch der Iran wird in seiner Kriegsführung nicht gerade be-
hindert. Ungestört kann er sein Öl exportieren und darf allen
Zahlungsverpflichtungen nachkommen. Und die Lieferung von
Bohrausrüstungen für die Erdölförderung wird zwar regierungsamt-
lich nicht unterstützt, bei allen ideologischen Differenzen aber
auch nicht unterbunden. Jedenfalls hat es dafür gereicht, daß der
Iran unter der Herrschaft der Mullahs fast so viel Erdöl fördert
wie zu Zeiten des Schah. Und die Ersatzteile für die amerikani-
sche Militärausstattung Persiens gelangen sowieso nicht ohne Re-
gierungskenntnis ins Land. Die Vertriebswege sind bekannt: Südko-
rea, Israel, Großbritannien, Kanada - die "Schwarz"handelswege
über die Türkei noch gar nicht einbezogen. Schließlich ist der
Iran Barzahler; und die etwas überhöhten Preise, die er für alles
zahlen muß, erhöhen noch das Handelsvolumen, insbesondere, wenn
die Mullahs ihr Öl etwas billiger anbieten, um es an den Mann zu
bringen.
Ein Geschäft, das blendend läuft, und ein Krieg, der damit am
Laufen gehalten wird: Das erlaubt dem Westen die Spekulation auf
ein willkommenes Ergebnis. Das schwächt nämlich zwei lokale
Mächte, die, so wie sie waren, der freien Welt beide nicht so
recht in ihre Weltordnung gepaßt haben.
Der Irak
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hat sich jahrelang arabisch-national, "sozialistisch", sogar rus-
senfreundlich aufgeführt. Seine Ambitionen gingen dahin,
"Führungsmacht" unter den arabischen Ölländern am Golf zu werden;
die Rangordnung der souveränen Staaten zu v e r ä n d e r n,
die die westlichen Führungsmächte mit ihrer Interessenpolitik ge-
schaffen haben. Die "Wirren" der "islamischen Revolution" beim
nächstgrößeren Nachbarn im Osten hat der Staat Sadam Husseins als
Gelegenheit ergriffen, gegen die "Ungerechtigkeit" der Weltord-
nung in seiner Region mit Gewalt anzutreten. Der "ungelöste Kon-
flikt", an dem dieses Exempel statuiert werden sollte, war
schnell gefunden: Persien hatte die Waffen, die ihm von, den USA
verliehen worden waren, dazu benutzt, die Grenze zum Irak vom
Ostufer des Grenzflusses Schatt-el-Arab in die Flußmitte zu ver-
legen. Diese "Demütigung" seiner Souveränität gedachte das iraki-
sche Militär mit einem glanzvollen Blitzkrieg auszubügeln. - Nach
3 Jahren Krieg sind die Finanzen des Irak am Ende; und von der
angestrebten Rolle einer Führungsmacht ist er weiter denn je ent-
fernt. 3 Kriegsjahre haben bewiesen: Das Vorhaben eines be-
schränkten Ölsouveräns, ein Staat mit Geltung und Einfluß zu wer-
den, läuft ohne äußere Unterstützung aus eigener Machtvollkommen-
heit nicht; und das heißt: Es läuft nicht ohne eine ordentliche
Aufgabe des Imperialismus für diesen Staat; einen Auftrag, der
ihn unentbehrlich und der westlichen Waffenhilfe würdig macht.
Und dazu hat der Westen sich nicht verstanden.
Der Iran
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hat sich mit dem Volksaufstand gegen den Schah von seiner Rolle
als prominenter Stützpunkt und Geschäftsfreund des Westens losge-
sagt und das Ideal eines islamischen Antiimperialismus ins Welt-
geschehen eingebracht. Der Überfall des Irak kam den regierenden
Mullahs so, zumindest im Nachhinein besehen, durchaus nicht unge-
legen: Sie nahmen ihn als Chance, ihrerseits unter Einsatz sämt-
licher einschlägiger mohammedanischer Phrasen - "Heiliger Krieg
gegen die Ungläubigen und Abtrünnigen" usw. - den Anspruch auf
eine regionale Führungsrolle praktisch anzumelden. Deshalb haben
sie nach der Zurückschlagung der irakischen Truppen nicht Schluß
gemacht, sondern den Krieg zur Dauerbeschäftigung ihrer
"revolutionierten" gläubigen Massen ausgestaltet. Nach dreijähri-
ger Schlächterei - irgendwas muß an den aberwitzigen Erfolgsmel-
dungen über feindliche Menschenverluste ja dran sein - ist der
Iran zwar nicht pleite; gemessen an dem Projekt eines antiimpe-
rialistischen islamischen Staatenblocks sind die hunderte Öl-Mil-
liarden für den Krieg gegen den "Teufel" in Bagdad allerdings
wirkungslos verpulvert. Selbst für den Iran liegt eine erfolgrei-
che Beendigung des Krieges nicht im Rahmen seiner souveränen Mög-
lichkeiten - da brauchen noch nicht einmal die westlichen Aufpas-
ser eine Kapitulation des Irak abzuwenden.
Der Krieg
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geht also mit wechselseitiger Schädigung der feindlichen Nachbarn
Monat für Monat seinen Gang - und gerade das, sein Stattfinden,
nicht sein abschließendes Ergebnis, findet die Freie Welt ganz
offenkundig n i c h t s c h l e c h t. Zwei im Westen wenig
beliebte Mitglieder der Völkerfamilie arbeiten sich da blutig und
kostspielig aneinander ab und räumen so gegeneinander jede Stö-
rung aus, die von ihnen für die Weltordnung hätte ausgehen können
und sollen. Dem Irak ist jede Aussicht zerstört, zu einer dank
sowjetischer Unterstützung autonomen Vormacht am Golf zu werden.
Die "islamische Revolution" ist mit ihrem kämpferischen Elan in
der glücklichsten Weise kanalisiert und eingedämmt: Statt zerset-
zend auf die Golfstaaten einzuwirken, steht sie am Schatt-el-Arab
an der Front. Ein paar begeisterte Schiiten, die mit etlichen
Zentnern Sprengstoff und einem Lastwagen selbstmörderische An-
schläge verüben: Darauf hat die "Sprengkraft" der islamischen Um-
wälzung und ihres "Heiligen Kriegs" sich außerhalb der iranischen
Landesgrenzen reduziert.
Das Kriegsergebnis
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darf deswegen noch auf sich warten lassen; denn in einer Hinsicht
steht es jetzt schon fest: Für die imperialistischen Ordnungsin-
teressen der Freien Welt wird die Lage auf alle Fälle bequemer zu
handhaben und unter Kontrolle zu halten sein als vorher. Schon
kommen ja die traditionsreichen Geschäftsbeziehungen der BRD zum
Land der "fanatischen Mullahs" wieder in Schwung; und die Aus-
sichten sind rosig, seit ein strenggläubiger Handelsausschuß aus-
gerechnet die Bonner Republik auf die Liste der "uneigennützigen
Länder" gesetzt hat, die man durch Großaufträge und Ölmilliarden
beglücken will. Die USA knüpfen auf ihre Weise - Denunziation
noch unerledigter kommunistischer Funktionäre durch amerikanische
Geheimdienstbehörden bei den persischen Kollegen - produktiv an
die gemeinsame christlich-mohammedanische Gottgläubigkeit an und
restaurieren stückchenweise die antisowjetische Front. Frankreich
nimmt sich derweil in schöner innerwestlicher Arbeitsteilung des
Öls, der Schulden und des Waffenbedarfs des Irak an; und in Sy-
rien verfügen USA und Irak schon mal über einen gemeinsamen Feind
- so was ist doch ausbaufähig.
Auf diese Weise werden bereits für die Zeit nach einem Friedens-
schluß die dann maßgeblichen Frontlinien festgelegt.
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