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Irak-Iran
EIN KRIEG DER DRITTEN ART
Es hatte am Schatt-el-Arab noch kaum die ersten Toten gegeben, da
war der irakische Angriff auf den ungeliebten persischen Nachbarn
vom Westen bereits fest politisch eingeordnet:
- Auf keinen Fall war das der Krieg, der den "Weltfrieden"
b e e n d e t. Der Weltfriede ist nämlich ein Ding, um das man
zwar immerzu "besorgt" ist, das aber keineswegs durch jede grö-
ßere Schießerei und ein paar Bombardierungen außer Kraft gesetzt
wird. Es handelt sich dabei im Gegenteil um den Normalzustand der
Welt, in dem die tödlich ernst gemeinte Gegnerschaft zwischen
lauter friedliebenden Staaten zum Alltag gehört. Seinen schönen
Namen: "Weltfrieden" hat dieser Zustand davon, daß gerade
n i c h t der Weltkrieg auf der Tagesordnung steht. Und dafür
muß man offenbar schon dankbar sein und alles, was tatsächlich
passiert, für nicht so schlimm befinden: Schließlich herrscht im-
mer noch der "Weltfriede".
- Es handelt sich auch noch nicht einmal um die Sorte Krieg,
durch die der Weltfriede akut g e f ä h r d e t wird. Wann das
der Fall ist, das entscheidet sich nämlich nicht nach solchen
Lappalien wie der Anzahl der täglich produzierten Leichen; und
das muß noch nicht einmal der Fall sein, wenn orientalische Öl-
felder brennen - vor kurzem noch das Szenarium, vor dem deutsche
Politiker sich gern und leicht das segensreiche Wirken einer Ein-
greiftruppe der neuen deutschen Wehrmacht vorstellten. Gefährdet
ist der Weltfriede dann und nur dann, wenn der freie Westen so
frei ist, zu dem Schluß zu gelangen, daß irgendwo auf der Welt
das östliche Reich der Unfreiheit sich einen Vorteil gegen den
Westen verschafft. Da mag die Frage, ob es sich bei einer russi-
schen Brigade auf Kuba um Ausbilder oder um eine Kampftruppe han-
delt, oder auch ein unfreundlicher sowjetischer Kommentar zu den
polnischen Gewerkschaften eine viel schlimmere Gefährdung des
Weltfriedens sein als ein Krieg zwischen "dritten" Ländern; und
an die Gefährdung des Weltfriedens durch Rotarmisten in Afghani-
stan reicht der Krieg zwischen Irak und Iran schon gar nicht
heran. Denn die Bedingung des Weltfriedens ist eben, daß der We-
sten die Sowjetunion unter Kontrolle behält - schließlich ist
diese Bedingung der Z w e c k des Friedens.
- Von dem in der Welt maßgeblichen Standpunkt aus eingeordnet ist
der iranisch-irakische Krieg vielmehr bloß ein solcher, bei dem
darauf zu achten ist, daß keine Gefährdung des Weltfriedens dar-
aus wird. Seine Abwicklung wird den kriegführenden Souveränen
selber überlassen - innerhalb exakt bestimmter Grenzen, versteht
sich, die der Westen auch eigenhändig schärfstens überwacht.
Der Westen gewährt einen souveränen Krieg Schranke Nr. 1 heißt:
Der Krieg darf sich nicht zu einem ernsten ökonomischen Ärgernis
auswachsen; die Versorgung der Freiheit mit Erdöl muß unbehindert
weitergehen. Die Freiheit zu seiner Angriffsaktion kam für den
Irak also mit dem seit Monaten anhaltenden weltweiten Überangebot
an Erdöl ungefähr in der Menge, mit deren längerfristigem Ausfall
infolge des irakisch-iranischen Krieges zu rechnen war und ist -
wie fix wären sonst UNO und USA mit einem Ultimatum an den
"Aggressor" zur Stelle gewesen! Und die Freiheit zur Gegenwehr
endet für den Iran an der Straße von Hormuz und deutlich vor den
Ölfeldern Saudi-Arabiens - dort sind die USA und ihre Verbünde-
ten, die gloire francaise in vorderster Front, sehr fix mit dem
größten Flottenverband, den der Indische Ozean je gesehen hat,
und mit ihren als Frühwarnsystem und fliegende Einsatzzentrale
gleichermaßen geeigneten AWACS-Flugzeugen zur Stelle gewesen und
schaffen vorsorglich einen schwimmenden Stützpunkt nach dem ande-
ren heran. Beides ist nämlich auch wichtig, um der Schranke Nr. 2
für die autonome Kriegsführung der lokalen Gegner Respekt zu ver-
schaffen: Die Sowjetunion soll gar nicht erst auf die Idee kom-
men, sich zu einem irgendwie gearteten Eingreifen animiert zu
fühlen, das die mit den westlichen Flottenverbänden unübersehbar
demonstrierte Herrschaft des Westens über diese Region auch nur
entfernt in Frage stellen könnte.
Innerhalb dieser Schranken läßt der freie Westen die verfeindeten
Souveräne ganz souverän gewähren - auch wenn sie sich wechselsei-
tig ein so kostbares Ding wie Erdöl anzünden.
Ohne Schuld und Zweck?
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Und nicht nur das. Es mag dahingestellt bleiben, ob tatsächlich,
wie der persische Präsident behauptet (und was auch einige Wahr-
scheinlichkeit für sich hat), nicht bloß iranische Exilpolitiker,
sondern auch die USA und womöglich auch Israel an der Planung und
Vorbereitung des irakischen Angriffs maßgeblich beteiligt waren.
Auffällig ist in jedem Fall, daß die verbale Verurteilung des
Irak 14 Tage gebraucht hat; die Weltmacht Nr. 1 nimmt Partei für
einen durch irakische Bombardements zurechtgewiesenen Iran,
"begrüßt" das Erscheinen des iranischen Premiers vor dem UN-Si-
cherheitsrat als
"ersten Schritt zur Rückkehr des Iran in den Kreis der Völkerfa-
milie",
und bietet ihm mit dem deal Geiseln gegen Waffen den nächsten
an.
Dabei wäre die sonst so faszinierende Kriegsschuldfrage nach dem
Kriterium "Wer hat angefangen?" so eindeutig wie selten zu beant-
worten gewesen - dennoch keine Blamage all der moralischen Ge-
sichtspunkte, unter denen üblicherweise der freie Westen den
"Aggressor" verurteilt: nämlich immer dann, wenn der sowjetische
Hauptfeind irgendwie verwickelt ist oder sein könnte. Nun hat
Brzezinski bedauerlicherweise herausgefunden, daß die Russen auf
beiden Seiten ihre Munition im Spiel haben, also am "Anhalten der
Kämpfe" interessiert sind. Das geht nicht, und erklärt im Nach-
hinein höchstens der Vorwurf, der Irak habe den "langsamsten
Blitzkrieg der Militärgeschichte" ins Werk gesetzt.
So allerdings wirft die Uneindeutigkeit des irakischen Erfolges,
bei aller geradezu obszönen Sympathie des Westens mit der Aktion
als solcher, auch im Westen eine Frage auf, die ein gewonnener
Blitzkrieg gar nicht erst hätte aufkommen lassen: Was für einen
Erfolg will der Irak denn eigentlich? Und da machen die berufenen
Gutachter des Weltgeschehens aus einer gewissen Ratlosigkeit kei-
nen Hehl. Die starken Sprüche des Saddam Hussein, er sei die
"schlagende Hand der arabischen Völkerfamilie" und am Schatt-el-
Arab letztendlich gegen den Zionismus zu Felde gezogen, durch-
schaut ein westlicher Kriegsberichterstatter leicht - anders als
die starken Sprüche über einen "Kreuzzug für die Menschenrechte"
von seiten westlicher Friedens- und Freiheitskrieger - als bloße
Ideologie. Ein handfestes materielles, ökonomisches oder politi-
sches Interesse des Irak bei der ganzen Aktion ist aber auch
nicht recht auszumachen: Die Annexion der Ölprovinz Khusistan sei
nicht beabsichtigt, heißt es; und der militärische Vorrang am
Golf wird durch den Krieg ebenso eher gefährdet als gefördert wie
der Aufstieg des Saddam Hussein zum Sprecher der "Blockfreien-Be-
wegung".
Die Frage nach dem Cui bono
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Die Ratlosigkeit westlicher Beobachter ist kein Zufall. Denn zwar
- um das einmal festzuhalten - unterscheidet das Eine diesen
Krieg nicht von solchen Kriegen, bei denen sie Rat wissen: Wie
immer in solchen Fällen tritt hinter dem Zweck der Zerstörung des
Gegners jede Rücksichtnahme zurück, vor allem und zu allererst
die Rücksicht auf das eigene Land und Volk; die wechselseitige
Bombardierung von Großstädten haben Iraker wie Iraner nicht er-
funden. Allerdings: Sogar noch darin, wie da die Zerstörung zum
alleinigen Zweck kriegerischer Aktionen wird, macht sich die Ab-
sonderlichkeit des iranischen Krieges geltend: nicht einmal die
wechselseitige Bombardierung ihrer Großstädte spielt dieselbe
Rolle wie in einem nach westlichen Maßstäben geführten Krieg -
entsprechend ungelenk geht sie ja auch vonstatten. Denn im Unter-
schied zu jedem Krieg, in dem ein Land des freien Westens Partei
ist, sind im Falle des irakischen Angriffs gar keine wirklichen,
auf den Globus oder auch nur auf den Nachbarn ausgreifenden In-
teressen der irakischen Gesellschaft erkennbar, als deren dienst-
fertiger Sachwalter die zuständige Staatsgewalt mit ihrer Mili-
tärmacht agiert. Es handelt sich eben nicht um einen
"Verteidigungskrieg" in dem erzdemokratisch-imperialistischen
Sinn, daß der Staat die ehrenwerten Anstrengungen der Macher sei-
ner Gesellschaft, den gesamten Rest des Globus ihren Zwecken
dienstbar zu machen, mit allen Konsequenzen für das Ausland auch
im Ausland schützt; und daß umgekehrt die nationale Gesellschaft
sich für die "Verteidigungsinteressen" ihrer Staatsgewalt opfert,
weil sie diese als Sachwalter der in ihr herrschenden gesell-
schaftlichen Zwecke anerkennt. Im Hinblick auf dieses Verhältnis
zwischen Volk und Staat, als urdemokratisches Kriegsmittel, wurde
der Bombenkrieg erfunden! Er beruht auf der Einsicht, daß man
einen demokratischen Staat - und einen mit Zustimmung des Volkes
faschistischen Staat - dadurch in die Knie zwingt, daß man seine
Grundlage, das Volk, vernichtet.
Der Grund für die irakische Art der Kriegsführung ist einfach.
Der Irak ist keine bürgerliche Nation, in der die Staatsgewalt
die sorgfältige Sortierung und Ordnung ihrer Klassengesellschaft
bewerkstelligt und umgekehrt die so geordneten Untertanen für die
Verfolgung ihrer Klasseninteressen einem politischen Gewaltappa-
rat verpflichtet sind - er ist das im übrigen so wenig wie seine
Nachbarstaaten. Ihre ökonomische Grundlage hat die Staatsgewalt
eines solchen "Ölförderlandes" - das deswegen auch gerechterweise
so heißt! - nicht in den ökonomischen Aktivitäten ihrer Unterta-
nen, sondern in dem Rohstoff des ihrer Souveränität unterstehen-
den Landes; genauer: in dem glücklichen Umstand, daß die Produk-
tion wirklichen kapitalistischen Reichtums in an deren Ländern
diesen Rohstoff als überaus nützliches stoffliches Mittel für
sich entdeckt hat und in großen Mengen verwertet. Und wie ökono-
misch, so existiert die souveräne Gewalt in solchen Staaten auch
politisch völlig getrennt von den Interessen und Vorstellungen
des beherrschten Volkes. Ihre politische Grundlage ist nicht die
staatsbürgerliche Linientreue von Nutznießern wie Opfern der von
ihr garantierten Ordnung, sondern - s i e s e l b s t als Herr-
schaftsinstanz über die fürs kapitalistische Ausland so interes-
santen Ölquellen. Der staatliche Gewaltapparat existiert demgemäß
nicht als Instrument eines nach allen Regeln der parlamentari-
schen Kunst zustandegebrachten nationalen Interesses, sondern
i s t selbst schon der ganze Staat, sein Egoismus schon das
ganze nationale Interesse. Neben und getrennt von den im Staats-
gebiet vorfindlichen Menschenscharen und ihrer Wirtschafts- und
Lebensweise baut sich von der souveränen Staatsgewalt her eine
"Gesellschaft" der Funktionäre und Diener dieser Gewalt auf: eine
M i l i t ä r g e s e l l s c h a f t im strengsten Sinn, die
nichts mit einer faschistischen Militarisierung einer bürgerli-
chen Klassengesellschaft zu tun hat. Deren innerer Zusammenhalt
verdankt sich einzig den Reichtümern kapitalistischen Ursprungs,
die das Ausland sich sein Interesse an den Naturschätzen des Lan-
des kosten läßt; dementsprechend stellt er sich dar in Ideolo-
gien, die im Gegensatz zu allen Produkten des staatsbürgerlichen
Verstandes nicht den vorhandenen Zusammenhang einer nationalen
Gesellschaft idealisieren, sondern die Existenz einer Nation
selbst als Ideal aussprechen: als "arabische Wiedergeburt" mit
dem Irak als berufenem Geburtshelfer und dem "Zionismus" als na-
türlichem Gegner - im Iran des Schah hatte die Idee der Wieder-
herstellung des alten persischen Großreiches exakt dieselbe Rolle
gespielt. Und Ideologien dieser Art, die sich stets fehlschlagen-
den nationalen Entwicklungsprogrammen und in einer wohlgelingen-
den nationalen Aufrüstung zu konkretisieren pflegen, sind mehr
oder weniger die einzige positive Leistung, die in diesen Staaten
die oberste Gewalt für das Volk erbringt, auf das sie für ihren
Bestand nicht angewiesen ist.
Ein blutiger Beweis
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Aus der Eigenart der irakischen Staatsgewalt ergibt sich die Ei-
gentümlichkeit ihres Kriegszwecks. Die Grenze zum Iran auf das
Ostufer des Schatt-el-Arab zu verschieben, drei strategisch in-
teressante Felseninseln für die "arabische Sache" zurückzugewin-
nen und den Feind überhaupt und grundsätzlich aufs Haupt zu
schlagen - das könnten alles auch für einen imperialistischen
Staat lohnende Ziele sein. Im Falle des Irak ist aber gar nicht
abzusehen, inwiefern diese Ziele sich lohnen könnten - außer eben
in einer einzigen, merkwürdig abstrakten Hinsicht: daß da eine
souveräne Militärmacht sich an einem von ihr erwählten Gegner als
souveräne Militärmacht beweist. Mit seinem "Grenzkrieg" wirkt der
Irak gar nicht auf die Beseitigung einer materiellen Schranke
seiner ökonomischen oder politischen Macht hin. Er praktiziert
vielmehr die eigentümliche Freiheit einer politisch nur auf sich
selbst gegründeten Staatsgewalt, sich zum Zwecke demonstrativer
Selbstbehauptung aggressive Ziele zu setzen, also den Nachbarn
zum Feind zu erklären und Schlachten gegen ihn anzuzetteln, die
den irakischen Souverän nicht einmal im Falle glorreicher Siege
in irgendeiner Hinsicht zum wirklichen Gebieter über die Mittel
seiner Macht machen würden.
Irakische Kriegsgrunderklärung...
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An den im Westen angestellten Spekulationen um Saddam Husseins
Kriegsgründe - er hätte losgeschlagen, weil der Iran gerade ge-
schwächt und daher die Gelegenheit günstig war; um die Vorherr-
schaft in der Region zu erringen; um ein "Übergreifen" der isla-
mischen Revolution auf sein der Baath-Ideologie verpflichtetes
Reich zu verhindern - ist also etwas dran; bloß die
Kriegs g r ü n d e sind damit nicht genannt: Eine günstige Gele-
genheit macht schließlich noch keinen Grund; die berühmten iraki-
schen Schiiten werden von der irakischen Diplomatie selbst so
heftig als Argument strapaziert, daß schon allein dadurch die
Vorstellung zweifelhaft werden sollte, die würden für ihren Auf-
stand nur noch auf weitere sieben Aufrufe eines persischen Aja-
tollah warten - ganz davon abgesehen, daß der Einmarsch nach Iran
ja wohl das verrückteste Mittel wäre, einem Volksaufstand zugun-
sten der dort herrschenden Theokratie vorzubeugen; und worin eine
irakische "Vorherrschaft am Golf" eigentlich bestehen könnte,
weiß niemand zu sagen - im Unterschied zu einer so klaren Sache,
wie etwa der "Vorherrschaft der BRD in Europa", von der daher
auch seltener die Rede ist. A r g u m e n t e für eine nur sich
selbst verpflichtete Militärmacht, um gerade jetzt gegen den Iran
loszuschlagen, sind das aber durchaus - bloß: Es gehört eben ein
Souverän dazu, der, vom Idealismus einer irakischen Nation beflü-
gelt, den Iran für den Hauptfeind, den Golf für arabisch, die
schiitische Volkserhebung für eine Gefahr, Khomeini für seinen
Erzrivalen und die Gelegenheit für günstig e r k l ä r t, damit
aus dem Lauf der Dinge lauter Kriegsanlässe werden.
...und die Grundlage dieses Kriegs
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Gerade weil der irakisch-iranische Krieg etwas so unübersehbar
Selbstzweckhaftes an sich hat, und weil der Westen zudem seine
Abwicklung innerhalb fester Schranken den beteiligten Souveränen
selbst überlassen hat, ist für den westlichen Beobachter nichts
selbstverständlicher, als daß das endlich mal ein Krieg ist, mit
dem die westlichen Staaten nun wirklich nichts zu tun haben; und
der landläufige Antiimperialismus muß hier schon besonders dicke
Verschwörergeschichten auftischen, um seinem moralischen Urteil
über den Weltlauf Geltung zu verschaffen. Dabei bräuchte man sich
gerade angesichts dieses so "exotischen" Krieges bloß daran zu
erinnern, daß die irakische und die von der neuen Republik
geerbte iranische Staatsgewalt genauso wenig wie ihr Waffeninven-
tar aus dem Wüstenboden oder dem Koran herausgewachsen sind und
nie das Licht der Welt erblickt hätten, wenn die ortsansässigen
Völkerschaften sich selbst überlassen geblieben wären. Staaten im
modernen Sinne, also mit sämtlichen, vor allem den militärischen
Attributen zeitgenössischer Souveränität ausgestattet, sind Irak
und Iran nur, weil sie im Interesse der freien Welt an den Boden-
schätzen ihres Landes eine von ihrem Volk unabhängige, für den
Unterhalt ihres Gewaltapparates ausreichende ökonomische Grund-
lage besitzen. Produkt des Westens sind und bleiben diese Staaten
auch dann, wenn sie ihre Souveränität dazu "mißbrauchen", die
Konkurrenz zwischen Imperialismus und sozialistischem "Lager" di-
plomatisch und militärisch für sich auszunutzen - ehe sie
tatsächlich ins feindliche Lager abschwimmen, erinnert ihr Ölge-
schäft sie meist zuverlässig daran, wo ihre "wahren Freunde" sit-
zen, und im übrigen haben die USA gerade im jetzigen Fall dagegen
die erwähnten deutlichen militärischen Vorkehrungen getroffen.
Wenn also ein Staat wie der Irak mit einem Überfall auf seinen
Nachbarn den militanten Beweis seiner Souveränität antritt, dann
ist es diese im Rahmen der demokratischen Weltordnung eingerich-
tete Souveränität, die sich da ganz ihrer Logik gemäß betätigt.
Womit jenseits aller Schuldfragen die Frage nach dem Grund dieser
orientalischen Schlächterei beantwortet wäre!.
Erfreuliche Lektion für eine störrische Ölquelle
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Geklärt ist damit auch, inwiefern sich eigentlich der Iran, ob-
wohl doch alles andere als ein sowjetischer Satellit, seinen
westlichen Gönnern so gründlich entfremdet hat, daß im Westen
niemand lange gezögert, geschweige denn besondere Skrupel hat,
mit dem Herzen auf der Seite des irakischen "Aggressors" zu ste-
hen. Das Störende an der neuen Islamischen Republik ist nämlich
keineswegs, daß dort islamische Henker am Werk sind und das Volk
hungert und für seine fromme Obrigkeit blutet - all das hat auch
der Irak zu bieten und auch sonst so mancher Staat, an dem der
Imperialismus seine ungetrübte Freude hat. Das große, unverdauli-
che Ärgernis ist hier, daß das Volk, auf das es bei dieser Sorte
Staat ja in so praktischer Weise nie ankommt, seine dank fremder
Reichtums existierende Herrschaft abgeschafft hat und noch immer
keine Anstalten macht, in die Normalität einer souveränen Öl-
quelle mit wirksam kaltgestellten Volksmassen zurückzukehren.
Nirgends beweist sich deutlicher als am Iran die gemeine Wahr-
heit, daß für die Interessen der imperialistischen Welt in ihren
Hinterländern H e r r s c h a f t ü b e r h a u p t das aller-
wichtigste ist: Wenn d i e ihrem Egoismus nachgeht, im Namen
der zu schaffenden Nation ihre Souveränität zum höchsten Zweck
erklärt und demgemäß handelt - kleinere Kriege eingeschlossen! -,
und sich nicht auf das "verrückte" Vorhaben kapriziert, auch un-
ter Verzicht auf weltliche Macht eine fromme Volksbewegung zu or-
ganisieren, dann kann sie ihre F u n k t i o n a l i t ä t für
die demokratische Weltordnung überhaupt nur noch dann verfehlen,
wenn sie sich zum völligen Satelliten der Sowjetunion macht.
Und wenn der Irak es sich von seinem Standpunkt aus zu einem An-
liegen seiner souveränen Herrschaft macht, dieses Ärgernis aus
der Welt zu schaffen, ja auch wenn er im Endeffekt mangels Blitz-
kriegerfolg nur dazu beiträgt, die islamische Republik mit der
nötigen Härte auf die harten Überlebensgesetze der imperialisti-
schen Welt zu stoßen, in der für religiöse Experimente dieser Art
kein Platz ist, - wieso sollte man sich daran nicht freuen? Bloß,
weil einige tausend Tonnen Öl verbrennen, die man gerade nicht
braucht, und etliche Tausend Menschen, die man schon überhaupt
nicht braucht? Wofür hat denn der Imperialismus das Gesetz der
nationalen Souveränität über die ganze Welt verbreitet?!
Welches Glück, auf der richtigen Seite der demokratisch-imperia-
listischen Weltordnung zu stehen, die im Krieg eine ganz andere
Souveränität zu verteidigen hat und ihn deshalb auch ganz anders
führt. Auf der man sich sogar einbilden kann, der eigene Staat,
Mit-M a c h e r dieser Weltordnung, hätte mit deren notwendigen
Wirkungen natürlich nichts zu schaffen!
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