Quelle: Archiv MG - NAHOST AEGYPTEN - Staat am Nil


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       Münchner Hochschulzeitung, 20.10.1981
       Sonderausgabe Sozialwesen
       

DEIN FREUND SADAT IST TOT

Nicht gewußt, daß er Dein Freund war? Bundespräsident CARSTENS hat das gleich nach dem Tode SADAT's im Fernsehen für uns alle festgestellt: SADAT sei ein ganz großer Politiker gewesen und ein von allen Deutschen "hoch verehrter Freund". Ganz viel für die Freiheit und den Frieden im Allgemeinen und im Nahen Osten im Be- sonderen habe er getan. Und nun habe er auch noch sein Leben für die Freiheit Ägyptens hingegeben. Seine Friedens- und Freiheitstaten sind in der Tat erstaunlich: 1973 hat er mal eben einen weiteren Krieg gegen Israel angefan- gen, um die "arabische Ehre" wiederherzustellen. Dann hat er be- schlossen, daß ab sofort seine russischen Freunde seine Feinde sind, - hat sie aus dem Lande geworfen und wurde so beinahe über Nacht "unser Freund". Anschließend hat er dann ein paar Mal den "arabischen Erzfeind" BEGIN abgeknutscht und sich mit ihm darüber verständigt, daß in Zukunft Israel und Ägypten gemeinsam für den weiteren Durchmarsch des "freien Westens" im Nahen Osten sorgen wollen. Das war der "Friede von Camp David" und der wurde merkür- digerweise in den USA geschlossen. Dadurch wurde SADAT "unser verehrter Freund". Und weil er schließlich Land und Leute für westliches Kapital freigab, war er "unser hoch verehrter Freund". Für die Ägypter hatte sich unter SADAT nicht viel geändert: Für einige gab's todsichere Arbeitsplätze in der Armee, andere durf- ten für Daimler-Benz und Siemens das Arbeitsvieh abgeben, der Rest hatte ja den Nil und die Müllhalden am Rande von Kairo. Der Ausnahmezustand sorgte bis 1980 dafür, daß SADAT sein Frie- dens- und Freiheitswerk auch fortsetzen konnte. Wenn jemand in seinem Lande anderer Meinung war als er, wurde er eingesperrt oder ganz legal umgebracht. Jede Opposition im Lande war natür- lich das Werk russischer und lybischer Verschwörer. Wozu hat man schließlich Feinde! Denn "seine Ägypter" haben natürlich nie im Leben Gründe gehabt, ihrem Führer ans Leder zu gehen. So wurden die Ägypter für die "Demokratie reif gemacht". SADAT bekam einen halben Friedensnobelpreis und küßte immer häufiger amerikanische und westeuropäische Präsidenten. Mal sehen, welchen neuen Freund wir jetzt bekommen. Daß er wieder ein "Freund" ist, dafür wird bereits jetzt gesorgt. zurück