Quelle: Archiv MG - NAHOST ALLGEMEIN - Schalom aleikum
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DER NAHE OSTEN ZWISCHEN DEN KRIEGEN
"Als Aufmarschplatz gegen die Sowjetunion ist der gesamte Nahe
Osten gerade groß genug - ihn dazu bereit zu machen, das ist der
imperialistische Endzweck der neuesten israelischen Kriegspoli-
tik." (H.L. Fertl, Abweichende Meinungen zu Israel, München 1982)
Ist der Krieg Unterbrechung des politischen Verkehrs zwischen
Staaten, die Ersetzung diplomatischer Drohung mit der Gewalt
durch ihren Einsatz, so schafft er, zumal wenn erfolgreich abge-
schlossen, neue F a k t e n, mit denen die Politik die gleichen
Interessen weiterverfolgt, für die die Waffen gesprochen haben.
Im Falle des israelischen Libanon-Feldzugs läßt sich in diesen
Tagen studieren, wie die USA die Ernte einfahren - und dabei von
ihrer distanzierten Beurteilung der Kriegs f ü h r u n g Israels
schon allein deshalb um kein Jota abrücken, weil dies den Reiz-
wert ihrer arabischen Karte erhöht und gleichzeitig die
m i l i t ä r i s c h e n Aktivitäten der zionistischen Armee
als großes Manöver für NATO-Waffen unter realistischen Bedingun-
gen auswerten. So traf der Nahostunterhändler Philip Habib am
gleichen Tag in Sachen Libanon-Friedensregelung in Beirut ein, an
dem eine hochkarätige Delegation des Pentagon in Tel Aviv begrüßt
wurde,
"um sich über die israelischen Erfahrungen mit in der Sowjetunion
hergestellten Waffen im Libanon-Krieg zu informieren... Die Ame-
rikaner sind. auch im Sinne ihrer NATO-Partner, vor allem inter-
essiert an den Luftabwehrraketen der Typen SAM 6, 7, 8 und 9 so-
wie an den Kampfflugzeugen MiG 23 und 25, vor allem aber an dem
modernsten sowjetischen Panzer T 72.11 (FAZ, 22. November)
Daß im Verlaufe dieses von "Verteidigungsminister Scharon vorge-
schlagenen Informationsaustauschs" letzte von den USA offiziell
vermeldete "Vorbehalte" gegen israelische Waffenwünsche (F-15-
Kampfbomber und Splitterbomben "Cluster") entfallen dürften, ist
vorprogrammiert: Für den nächsten möglichst realistischen Test
modernsten sowjetischen Kriegsgeräts sind die w a f f e n-
t e c h n i s c h e n Antworten der NATO erforderlich. Das hört
sich dann p o l i t i s c h so an, daß Israel in die Lage
versetzt werden muß, der "Bedrohung" durch sowjetische Waffen auf
gleichem Niveau "Widerstand" leisten zu können. Das ist
ausreichend, um die immer wieder beschworenen "Spannungen
zwischen Jerusalem und Washington zu dämpfen". Habib "sondiert"
inzwischen in Beirut die Konditionen für einen künftigen Libanon,
der gleichzeitig souverän sein soll und ein "Homeland" des Juden-
staates und ein US-Stützpunkt. Zu den feststehenden Resultaten
des Libanon-Kriegs zählt, daß die Syrer irgendwann und in
irgendeiner Form a b z i e h e n müssen, daß Israel bis auf
weiteres in einer noch zu klärenden Form die Kontrolle über den
Libanon behält. Und d a s Resultat des Palästinensermassakers
ist die Präsenz von US-Marines, die nach einer Absichtserklärung
Reagans "aufgestockt" und zeitlich nicht mehr begrenzt werden
soll. Die "Erfolgsaussichten" Habibs haben es in sich: Israel
erklärt sich "prinzipiell" bereit zum Truppenabzug und will
"nur":
"Die Errichtung eines ständigen Beobachtungspostens auf dem Berg
Baruk" (mit Blick auf Syrien!), zwei Grenzdörfer mit dem Recht
auf freie Zufahrt", eine "israelische Vertretung in Beirut" (also
die diplomatische Anerkennung durch einen weiteren arabischen
Staat) und die "Kontrolle über den Luft- und Seeverkehr des Liba-
non" (also die strategische Herrschaft über das libanesische
Staatsterritorium!).
Die Syrer möchten zunächst nichts weiter, als
"daß ihre militärische Präsenz im Nachbarland... nicht mit der
israelischen Besatzung verglichen wird."
Das wird sich doch noch machen lassen. Und auch die befürchtete
"Bedrohung ihrer Westflanke" nach einem Truppenabzug paßt im Ti-
ming haarscharf zur amerikanischen "Bereitschaftserklärung", im
Libanon auf Dauer "Verantwortung wahrzunehmen". Bleibt noch
"das Verlangen der PLO nach Sicherheitsgarantien für die Hundert-
tausende von Palästinensern im Libanon."
Hier stützt sich der lokale Staatspräsident Amin Dschemejil auf
israelische Erfahrungen bei der zionistischen Staatsgründung. Dem
Massenmord in den Palästinenserlagern folgen täglich vereinzelte
"Übergriffe", der Staatsrundfunk berichtet ausführlich über "1200
verschollene Palästinenser", und die "Gefahr" erneuter Massaker
durch die nicht entwaffneten Christenmilizen wird von keiner
Seite dementiert. Soweit sich die Palästinenserpräsenz im Libanon
nicht durch einen Massenexodus erledigt (der im übrigen bereits
angefangen hat, wie Meldungen aus Jordanien, Saudi-Arabien, den
Golfstaaten und eine vorsorgliche Warnung der FAZ bezüglich eines
"Palästinenseransturms" auf die BRD bestätigen), plant die Regie-
rung in Beirut einen "Sonderstatus" für Palästinenser mit libane-
sischem Paß (Vorbild hierbei auch die Araberregelung in Israel)
und die zwangsweise Verfrachtung in die zerstörten und neu zu er-
richtenden Lager.
Was die Sowjetunion betrifft, so sieht es aktuell so aus, daß sie
gute Chancen hat, ihre Botschaft in Beirut nicht schließen zu
müssen.
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