Quelle: Archiv MG - NAHOST ALLGEMEIN - Schalom aleikum
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Der Nahe Osten
SCHALOM, EIN FLÜCHTIGER GRUSS
Welche Position hat die UdSSR im Nahen Osten eigentlich noch: In
Syrien ist sie engagiert. Aber der syrische Präsident scheint
sich mit Franz Josef Strauß auch ganz gut zu verstehen. Die deut-
sche DEMINEX ist im Ölgeschäft, und gerade haben sich Syrien und
die USA auf einen Präsidenten für den Libanon geeinigt. Libyen.
Den dortigen Revolutionsführer hält man für so "verrückt", daß
man die Russen schon fast wieder bedauert, mit einem solchen
Bündnispartner auskommen zu müssen. Allerdings wieder nicht für
so verrückt, daß die BRD nicht mit ihm all die Jahre trotz ameri-
kanischem Embargo gute Geschäfte gepflegt hat und deswegen jetzt
wieder einen Botschafter hinsendet. Süd-Jemen. Einen Hafen soll
es in Aden geben, den sowjetische Schiffe benützen dürfen, anson-
sten ist nicht recht zu ersehen, wozu das Land mit seinen
hübschen mittelalterlichen Städtchen noch gut sein soll.
Dafür gibt es eine Liste von Ex-Freunden, die heutzutage wieder
ins Lager des Westens gezählt werden. Ägypten. Dieses Land hat
1972 die russischen Berater hinausgeworfen, um einen Krieg mit
Israel zu beginnen, hat den Friedensnobelpreis erhalten und er-
freut sich amerikanischer Lebensmittel- und Waffenhilfe. Irak.
Diese Nation zählte bis zum Krieg mit Iran zur russischen Ein-
flußsphäre, obwohl Mercedes und MAN schon damals nicht schlecht
im Geschäft waren. Inzwischen ist sie von der US-Liste der
"Staatsterroristen" gestrichen und bezieht wie zuvor Waffen aus
allen imperialistischen Ländern sowie aus der Sowjetunion.
Die Stützen des Westens scheinen etwas zuverlässiger zu sein. Is-
rael macht sein ausgreifendes "Sicherheitsinteresse" zwischen
Bagdad und Tripolis zu einem sicheren Vorposten freiheitlichen
Ordnungsstiftens. Daß die Israelis mit den Palästinensern nicht
ganz fein verfahren und die USA in der Region auch noch andere
Freunde pflegen, nehmen sich beide Seiten offensichtlich nicht
übel. Saudi-Arabien und die übrigen Golf-Emirate liefern brav ihr
Öl ab und wissen, daß sie ihre eingenommenen Öldollars allein im
esten "recyclen" können. Nur manchmal sind sie der Meinung, daß
ihnen mehr US-Waffen gut anstünden, überwinden ihre antikommuni-
stischen Gefühle und probieren es einmal mit guten Beziehungen
zum Kreml. Selbst Ägypten läßt es sich wieder gefallen, daß die
alten Fabriken und Waffen, die die Sowjetunion unter Nasser ins
Land brachte, vom Erzeuger überholt und rehabilitiert werden. Der
Iran wiederum war einmal der wichtigste westliche Horchposten ge-
gen die Sowjetunion und auch sonst nicht schlecht ausgestattet.
Bei der Ausgestaltung seiner Macht hat der Schah es jedoch ver-
säumt, sich um die Moral seines Volkes zu kümmern, und feststel-
len müssen, daß diese auch eine Macht ist. Deswegen ist der schi-
itische Klerus aber auch nicht zum Kommunismus übergelaufen. Er
hat sich um die Liquidierung der KP-Anhänger im Land verdient ge-
macht, andererseits aber auch die Zusammenarbeit mit der SU ge-
pflegt, so er sich etwas davon versprach.
Eine ausgeglichene Bilanz der Weltmächte? Oder was?
"Unsere Interessen " vs. sowjetischer "Einfluß"
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Im Nahen Osten geht es um "unser Öl". "Wir sind erpreßbar", und
haben deshalb in der Region "vitale Interessen zu verteidigen".
Daß sich dieses "Sicherheitsbedürfnis" gegen finstere Machen-
schaften der Sowjetunion richtet, versteht sich von selbst.
Nur - wo kommt die SU dem Westen überhaupt in die Quere, so daß
er gleich eine ganze Region einschließlich des Staatenmaterials
zu seiner Sicherheitszone erklärt?
Konkurrent auf dem wirtschaftlichen Feld ist die UdSSR nicht. Das
Öl fließt ziemlich ausschließlich in die westlichen Industrielän-
der. Zwar gibt es von der UdSSR Bestrebungen, mit den Staaten des
Nahen Ostens Wirtschaftskontakte zu knüpfen und einen wechselsei-
tigen Handel einzurichten, worunter dann auch Öllieferungen fal-
len. Die entsprechenden (Geheimdienst-)Spekulationen, die UdSSR
stelle sich damit langfristig auf eine Ölknappheit im eigenen
Land ein, gehören allerdings unter die psychologische Kategorie
der Projektion. Mit irgendetwas will sich auch die SU ihre Waren-
lieferungen, Waffen oder Kredite bezahlen bzw. abgelten lassen.
Darüber hinaus schweben ihr dauerhafte wirtschaftliche Beziehun-
gen vor, die die Partnerländer an ein gemeinsames ökonomisches
Interesse binden. Das alles sind ziemlich unschuldige Veranstal-
tungen, verglichen mit "unserem" Ölbedarf. Mit diesen Geschäften
hat die SU noch nicht einmal marginal den Ölpreis beeinflußt.
Für die kaptitalistischen Nationen ist Öl kein "Handelsartikel",
sondern ein Rohstoff für ihre Volkswirtschaft. Die damit ausge-
sprochene D r o h u n g, wir seien a b h ä n g i g, ist ober-
deutlich. Die "Beziehung", die sich daraus zu den betroffenen Na-
tionen ergibt, in denen der Treibstoff unserer Reichtumsvermeh-
rung unter der Erde entdeckt wurde, ist daher mit einer handels-
mäßigen Charakterisierung als "wechselseitiger Nutzen" auch nicht
ganz passend beschrieben.
Die Staaten, auf deren Grund und Boden es gefördert wird, erhal-
ten für das abtransportierte Öl einen Preis. Eine Zeitlang sah es
so aus, als ob die "Scheichs" uns diesen Preis diktieren; zu der
Zeit nämlich, als die westliche Geschäftswelt durch die Bank be-
reit war, auch mit gestiegenen Rohstoffkosten ihre Unternehmen
weiterzuführen, weil sie sich einen Gewinn davon versprachen.
Weltwirtschaftlich gesehen hat die Erhöhung des Ölpreises zur Er-
schließung jeder Menge neuer Ölquellen als auch alternativer
Energieträger geführt, so daß es inzwischen wieder offensichtlich
ist, daß beim Öl die Abnehmer den Markt bestimmen. Die Weltmarkt-
preise sind um einiges gesunken.
Was diese Staaten mit dem Geld aus den Ölverkäufen anstellen, hat
bei dieser Transaktion nicht interessiert. Sobald sie mit ihren
Öleinkommen nationale Projekte in Angriff nahmen, war ohnehin
klar, daß die Dollarmilliarden dahin zurückfließen, woher sie ge-
kommen waren.
So gibt es "low absorbers" - Staaten mit wenig Bevölkerung -, die
ihren verdienten Reichtum an den Finanzplätzen der Welt inve-
stierten. Moskau kam für diese Operation naturgemäß nicht in Be-
tracht. Auf diese Weise waren die kostbaren Dollars, Pfunde und
später auch D-Marks nicht aus der Welt, und Banken und Unterneh-
men konnten weiterhin mit ihnen Geschäfte machen.
Auch die Produktion von Luxusgütern erhielt wertvolle Impulse.
Die "high absorbers" Staaten mit Bevölkerung - dagegen verfügten
nicht nur über eine Palastgarde, sondern über ein eigenes Mili-
tär, das für die Nation größere Aufgaben entdeckte, als bloß
einen Klüngel von Reichen zu schützen. Für sie stellen die Gelder
aus dem Ölgeschäft notwendige Staatseinnahmen dar. Damit ist aber
auch ihre Abhängigkeit von diesem Geschäft perfekt; nicht "wir"
sind "erpreßbar", sondern der Rohstofflieferant ist es, weil es
genügend Anbieter wie ihn gibt, die ihren Haushalt über vermehrte
Förderung steigern können.
Die Sowjetunion bleibt bei diesem äußerst stabilen wirtschaftli-
chen Abhängigkeitsverhältnis zunächst einmal außen vor. Und zwar
aus zwei Gründen. Einmal stellt sie gar keinen Markt für diesen
Rohstoff dar; sie hat selber genug von dem Zeug und ihren Laden
auch anders organisiert. Zum anderen produziert ihre Wirtschaft
nicht für den Export in alle Welt, wo sich gerade eine zahlungs-
fähige Nachfrage auftut. Das liegt wiederum nicht an der
"Schwerfälligkeit" ihres Planes, sondern an anderen Zielsetzun-
gen. Ein Stahlwerk oder eine Aluminiumfabrik kann man auch von
der SU haben, nur tritt ihre Volkswirtschaft gar nicht an, Coca
Cola mit Kefir in der Oase Palmira Konkurrenz machen zu wollen.
Die SU betrachtet eben auch nicht diese Staaten als Markt, den es
zu erobern gelte. Aber selbst wenn diese einmal Interesse am rus-
sischen "know how" haben, sorgen die Eigentümlichkeiten des Ölge-
schäfts dafür, daß die Freiheit der Wahl doch etwas eingeschränkt
ist. Geschäfte "auf Gegenseitigkeit" zwischen Rohstoffproduzenten
und verarbeitender Industrienation auf Basis eines Überangebots
koppelt die Abnahme von Öl an einen Auftrag in der anderen Rich-
tung.
Ökonomisch sind diese Staaten durch ihre Abhängigkeit vom Welt-
markt bestimmt. Bei einigen Staaten gesellen sich zum Öl noch ein
paar andere Rohstoffe, Baumwolle in Syrien und Ägypten z.B., bei
denen sich die gleiche Abhängigkeit wiederholt. Für jeden auf-
rechten Nationalisten in diesen Staaten war es daher klar, daß es
aus der eigenen Nation mehr zu machen gelte. Wie man an den ent-
sprechenden Projekten heute sieht, hätte es die Russen dafür
nicht gebraucht. Staudämme werden auch im Westen gebaut. Aber wie
die Geschichte so spielt, ist die Sowjetunion auch wieder nicht
ganz zufällig ins Geschäft gekommen. Entsprechend den tatsächli-
chen Machtverhältnissen haben die Staaten, die am längeren Hebel
saßen, nie darauf verzichtet, die bestehende Abhängigkeit der
Rohstoffländer als Erpressungsmittel einzusetzen. Ölembargo gegen
Libyen, Handelsembargo gegen Iran, die amerikanischen Drohungen
seinerzeit gegen Nasser, Ägyptens Baumwollexport zu ruinieren und
die Rückziehung der für den Bau des Assuan-Hochdammes bereits zu-
gesagten Gelder sind Erpressungsmaßnahmen gegen die betreffenden
Länder, die diese sich nicht gefallen lassen wollten. Für die
Nah-Ost-Staaten war dies die Gelegenheit, sich von der So-
wjetunion Staudämme finanzieren zu lassen, Aufbauhilfe zu holen
oder auch nur den iranischen Warentransport über die transsibiri-
sche Eisenbahn abwickeln zu lassen.
Bei all diesen Staaten hat es die UdSSR mit erklärten Antikommu-
nisten zu tun. Nichts lag diesen Regierungen ferner, als aus ih-
rer Bevölkerung einen kommunistischen Haufen zu machen
"Arabischer Sozialismus" betitelten sich die jeweiligen nationa-
len Aufbauprogramme, von denen die SU immer feststellen mußte,
daß sie von ihren eigenen Vorstellungen über den Aufbau des So-
zialismus ziemlich weit entfernt waren. "Vergesellschaftung erst
im Verteilungsbereich, noch nicht in der Produktion", lautete die
höfliche Diagnose des Sachverhalts, daß der Koran anscheinend die
Organisation der Landwirtschaft in Kleinbauern mit einem dazuge-
hörigen Genossenschaftswesen vorschreibt, das jeder Beobachter
weniger höflich einfach als unproduktiv bezeichnet. Staatlich
festgelegte Anbauvorschriften, Produktpreise etc., womöglich noch
durch ein eigens dafür zuständiges Planungsministerium, das oben-
drein 5-Jahres-Pläne unter Anleitung sowjetischer Berater heraus-
gibt, sind aber weniger der Beweis, daß die Nation sich auf der
Etappe zur sozialistischen Produktionsweise befindet, sondern mit
welchen Schwierigkeiten die Regierungen im Verhältnis zum Welt-
markt zu kämpfen haben. Ein Staudamm am Nil oder Euphrat kann
noch so schön, zweckmäßig und "gesellschaftlich" sein, wie mit
seinem Wasser dann Landwirtschaft getrieben wird, entscheidet
sich daran nicht. So zeichnet die UdSSR auch noch für verschie-
dene andere industrielle Projekte in der Region verantwortlich,
da die arabischen Nationen eine Zeitlang mit dem politischen auch
den ökonomischen Kredit verloren hatten. Lediglich unter den po-
litischen Vorzeichen der Freundschaft mit der Sowjetunion er-
scheint mancher Institution als typisch realsozialistisch, die
jedoch einem Geschäftsinteresse, wird es an der einen oder ande-
ren Stelle wirklich geltend gemacht - und nicht nur in der ideel-
len Beurteilung, was alles in einem Land freiem Unternehmertum
nicht entspricht -, nicht entgegensteht.
Zu größerer "U n a b h ä n g i g k e i t" vom Weltmarkt und
seinen Mechanismen haben die von der SU initiierten Projekte of-
fensichtlich auch nicht beigetragen. Sie passen in den Rahmen der
jeweiligen Industrialisierungsprojekte, mit denen sich Nationen
eine bessere Ausgangsbedingung für die Teilnahme am internationa-
len Geschäft verschaffen wollen. Wenn ein Stahlwerk von der SU
hochgezogen wird, ist es eben überhaupt kein Einspruch gegen die
Gesetze des Weltmarkts, der im übrigen auch seine politischen Be-
dingungen hat, sondern verschafft den involvierten Nationen des
Nahen Ostens allenfalls eine Erleichterung im Bestreben, an ihm
teilnehmen zu wollen. Und rein wirtschaftlich betrachtet, nimmt
sich da manches Geschäft günstiger aus als die Fähigkeit, im Land
selbst Stahl zu sieden.
Was die UdSSR davon hat, wenn sie in westliche Entwicklungspro-
jekte einsteigt, ist die politische Tat, die Erpressung von Roh-
stoffländern durch die westlichen Nationen ein wenig durchbrochen
zu haben. Daß daraus keine dauerhafte Freundschaft und Zusam-
menarbeit wurde, hat gute Gründe. Einerseits mußten sich die Rus-
sen mit ihrem Angebot zu intensiveren Beziehungen mit den nach
wie vor interessanten Offerten des Westens messen. Andererseits
standen den westlichen Interessenten in den längst etablierten
Beziehungen wirksame Mittel zur Verfügung, ihre Rohstofflieferan-
ten und Absatzmärkte überzeugend zu sichern.
So sehr die Sowjetunion auch mit diesem Engagement gescheitert
ist - der Westen hat es allemal als erhebliche Störung seiner
Rechte in dieser Region empfunden.
Kampf gegen "Staatsterrorismus " vs.
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die Rechte arabischer Nationen
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Stiftet die UdSSR im Nahen Osten Unfrieden? Dieser Eindruck wird
ja gerne in der Öffentlichkeit des Westens erzeugt.
Eines ist natürlich richtig. Sowjetische Waffen gibt es in der
Region jede Menge. Aber, was soll man dagegen einwenden, wenn's
für die richtige Sache ist: Die Aufpasser für eine freiheitliche
Weltordnung jedenfalls kennen keine moralischen Skrupel, wenn es
um i h r e n guten Zweck geht. So ist auch dieser Abschnitt des
Globus nicht arm an freiheitlichem Kriegsgerät. Und wie überall
auf der Welt fangen auch dort die Kanonen nicht von selbst zu
schießen an, sondern sind ein gar nicht anderes Mittel der Poli-
tik.
Wenn im Nahen Osten sowjetische Waffen bekämpft werden, liegt das
daran, daß die heimischen Staaten Probleme kennen, für die Gewalt
die passende Lösung ist. Z.B. hatten verschiedene arabische Na-
tionen einen Einwand gegen die Existenz eines Staates Israel auf
ihrem "historisch angestammten Boden"; zumindest hatte sich die-
ser Stamm längere Zeit nicht mit Ansprüchen auf einen eigenen
Staat zu Wort gemeldet. Im Verlauf der Auseinandersetzungen, die
die Geburt einer neuen Nation begleiten, stellte sich für die um-
liegenden Staaten heraus, daß sie sich gegen den "tapferen klei-
nen David" ihrerseits verteidigen und Gebietsverluste hinnehmen
mußten. Darüber hinaus mußten sie erkennen, daß den Ländern des
Westens doch erheblich an einem Staat Israel gelegen war. So ver-
fielen sie auf einen Hilfeantrag an die Sowjetunion, dem entspro-
chen wurde.
In eine Sache, die irgendwie mit Kommunismus zu tun hat, ist die
UdSSR da nicht eingestiegen. Ganz recht war ihr das nationale
Projekt, das sie förderte, schließlich auch nicht. Immerhin hatte
auch sie die Gründung Israels befürwortet und drängte auf eine
"politische Lösung" des Konflikts; dieser mangelnde Kriegswille
wurde ihr als Verrat an der arabischen Sache angekreidet. Die SU
hat auch in diesem Fall ihr massives Eingreifen als Hebel ver-
standen, auf eine gerechte Beilegung des Konflikts hinzuwirken.
Auch um die "Befreiung unterdrückter Völker" geht es im Nahen
Osten nicht. Zwar kann man jeden Tag in der Zeitung nachlesen,
wie Israel mit den Palästinensern inner- und außerhalb der von
ihm besetzten Gebiete verfährt. Sooft sich die Anrainer aber um
die vertriebenen und geflohenen Nicht-Juden aus Palästina
"gekümmert" haben, passierte das immer unter dem Gesichtspunkt,
wie sie sie als Position gegen einen Staat Israel in Anschlag
bringen können. Rund um Israel wurden die entsprechenden Flücht-
lingslager aufgemacht und aufrechterhalten und, wenn es der na-
tionalen Sicherheit diente, niedergemacht, wie z.B. im "Schwarzen
September" in Jordanien. Und wenn sich eine politische Vertretung
für irgendeine Sorte Autonomieregelung im Gaza-Streifen und West-
jordanien in Gestalt der PLO etabliert, ist das auch nicht um der
Leute willen, die sich wegen des Terrors des israelischen Staats
Sorgen machen müssen, sondern wegen des Kalküls darauf, wie eine
Regelung zwischen den Staaten aussehen könnte - unabhängig davon,
ob sie tatsächlich einmal durchgesetzt wird.
Staaten sind hier zu Anti-Imperialisten geworden darüber, daß die
Aufsichtsmächte mit ihnen nicht so verfahren sind, wie sie sich
das vorgestellt haben. Bei der Entlassung aus dem Kolonialstatus
hatten England und Frankreich darauf bestanden, die Landkarte in
lauter kleine Fleckchen einzuteilen, die für sich keine Macht,
dafür aber jede Menge Streit ergeben. Deshalb gibt es sowohl das
Ideal des Zusammenschlusses zu einer gesamtarabischen Nation als
auch das beständige Scheitern der betreffe den Projekte, wenn
sich die Lokalmannschaft darauf besinnt, daß sie schließlich über
eigene Grenzen verfügt. Den Verlust der Golan-Höhen will Syrien
ja nicht wettmachen, weil ihm das Landwirtschaftsgebiet abgeht.
In diesem inner-imperialistischen Hick-Hack hat die Sowjetunion
Fuß gefaßt. Überall da, wo Staaten aneinandergeraten sind, hat
sich für sie ein Ansatzpunkt ergeben, mit ins Spiel zu kommen.
Allerdings hat sie dann auch nur diesen Streit bedient. Ihren
Freunden vor Ort, die es wegen des enttäuschten Entwicklungside-
als dieser Nationen immer gibt, hat das regelmäßig geschadet, da
deren Teilnahme an der Politik als Gefahr der Unterwanderung von
außen beurteilt wurde. Und weil die UdSSR nie so konsequent als
Ordnungsmacht Einmischung betreibt und ihre Vorstellungen von Ge-
rechtigkeit in benachbarten Staaten durchsetzt, sind auch ihre
Vorstöße für Minderheiten und unterdrückte Volksgruppen nie wir-
kungsvoll gewesen - wie z.B. im Fall der Kurden.
Und die russischen Waffen, die den abhängigen Nationen zu echter
Unabhängigkeit verhelfen sollten, fanden schließlich doch nur
eine Verwendung im Rahmen der Abhängigkeiten, mit denen sich die
Nationalisten vor Ort arrangierten. Die militärischen Hilfsmittel
erwiesen sich als ziemlich untauglich, für die Überwindung impe-
rialistischer Ungerechtigkeiten.
Umgekehrt bekämpfen die USA im Nahen Osten "Staatsterrorismus" in
Gestalt von Libyen und Syrien, und nicht einmal ein Politbüromit-
glied im Kreml kann übersehen, daß die Sowjetunion und ihr Ein-
fluß gemeint ist. Verboten und verhindert wird die Freiheit sol-
cher Staaten, sich mit Hilfe der SU einen Aktionsspielraum zu
schaffen, den ihr der imperialistische Verein der Kontrollmächte
nicht zugesteht. Gemeint ist ein Weltfrieden ohne Sowjetunion.
Eine Zone "strategischen Konsenses" vs. Zone des Friedens
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Israel hat sich eine für den Westen unentbehrliche Funktion er-
kämpft. Es stutzt alle Machtansprüche der arabischen Staaten ge-
mäß seinem "Sicherheitsinteresse" zurecht. Ob es sich um eine
Kernforschungsanlage im Irak oder ein PLO-Büro in Tunis handelt,
um die Stellungen syrischer Abwehrraketen im Libanon oder die
letzten Lager der Palästinenser dort, die einen staatlichen An-
spruch begründen könnten, stets bombt und schießt der israelische
Staat im Dienste seiner "Verteidigung" und wird dafür von den
zahlungskräftigeren Nationen des Westens finanziell und mit Waf-
fen unterstützt. So geht die Existenz dieser Nation ganz im
Dienst für die Sache der Freiheit auf. Friedenszeiten sind für
sie schlechte Zeiten. Dieser Staat sieht in einem befriedeten Na-
hen Osten, in dem Versöhnung und Verständigung einreißen, eine
Gefährdung der Grundlage seiner staatlichen Existenz.
Die Rechnung mit der Gewalt zahlt sich für den Westen aus. Einer-
seits bildet Israel den Stein arabischen Anstoßes und damit den
Grund, sich an die Sowjetunion um Unterstützung zu wenden. Dafür
mußten diese Staaten in ihrem Kampf gegen Israel erkennen, daß
sie damit gegen die USA selbst stehen und in ihrem Bestreben um
nationalen Erfolg an dieser Weltmacht nicht vorbeikommen. So
wandte sich Ägypten, nachdem ihm die SU zwar Schutz vor israeli-
schen Übergriffen bot, nicht aber die imperialistische Alterna-
tive, sich in einem Krieg die Sinai-Wüste zurückzuerobern, an die
USA als obersten israelischen Dienstherren. Und die USA nutzten
die Gelegenheit, sich als mäßigender Schutzherr gegen den eigenen
Schlägertrupp einzuführen. Seither werden im Nahen Osten von den
USA ein Friede nach dem anderen "vermittelt". Israel muß es sich
gefallen lassen, daß es Konkurrenten um amerikanische Wirt-
schafts- und Militärhilfe gibt. Die exklusive Stellung in der
Kalkulation des Westens hat es damit nicht verloren. Immerhin
harren noch einige "Probleme" der "Lösung".
Auf diese Weise ist die Blockbildung gegen die UdSSR wieder vor-
angekommen, gegen die diese angetreten war. Ihr Bestreben,
E i n f l u ß in den diversen Nationen zu bekommen, richtet sich
gegen den M o n o p o l anspruch des Westens, der in allen For-
mulierungen und Aktionen zum Ausdruck kommt. Sie tritt an, die
Einheitsfront gegen sie, die der Westen zu schmieden bestrebt ist
- vom damaligen Bagdad-Pakt bis zur heutigen "Friedensmission"
mit verteilten Rollen -, zu durchbrechen. Damit ist ihr Konzept
aber auch nur negativ gegen die strategischen Pläne der vereinig-
ten Westler. Ihre Freundschaften sind laufend Notgemeinschaften,
in die der Westen die betreffenden Nationen getrieben hat. Ebenso
unzuverlässig sind dann die Partner, weil die praktischen Fragen
von den kapitalistischen Staaten diktiert werden. Die Vorstellung
der SU von einer gemeinsamen weltpolitischen Regelung der Region,
eine "Zone des Friedens" solle entstehen, für die irgendwelche
UNO-Resolutionen Nr. sowieso die Grundlage bilden sollen, werden
von der Gegenseite - der zuständigen - abschlägig beschieden. Wo-
für braucht man für eine "Friedensregelung" denn die UdSSR? Die
soll doch gerade draußen gehalten werden.
Eine b l e i b e n d e A l t e r n a t i v e für die z u
k u r z g e k o m m e n e n N a t i o a l i s m e n stellt die
Sowjetunion allerdings dar. Das geht aber nicht zum Nulltarif.
Als Weltfriedensmacht muß auch sie antreten und aus ihrem strate-
gischen Interesse heraus, sich nicht von einer imperialistischen
Region einzingeln zu lassen, kennt sie eine Interventions-
schwelle. Weil eben die Frage, ob Syrien die Ordnungsmacht im Li-
banon sein darf, oder ob Israel dort Sicherheitsinteressen hat,
wie im Libanonfeldzug geltend gemacht, nicht einfach eine Frage
zwischen Nachbarn ist, sondern die weltpolitische Bedeutung hat,
daß die USA einen Angriff auf einen sowjetischen Verbündeten gut-
heißen und ausstatten, haben die beiden Kriegsverbündeten USA und
Israel das damalige Ultimatum an Syrien, den Libanon zu verlas-
sen, ohne Konsequenzen verstreichen lassen...
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