Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA PARAGUAY - Noch ein Hinterhof
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STROESSNER, WO IST DEIN MENGELE
Zur Zeit geben sich alle politisch Sachverständigen große Mühe
zur Erzeugung des Gerüchts, die BRD tue sich sehr schwer im Um-
gang mit Militärdiktatoren. Dabei sind 1. schon wirklich genug
solche hier gewesen, und 2. macht es nun auch keinen allzu großen
Unterschied, ob man sie bei sich zu Hause besucht, mit ihnen per
Botschafter verkehrt oder ob sie hier aufkreuzen. Und es gibt
auch am Verhältnis BRD/Paraguay nicht das geringste auszusetzen.
Alles läuft prächtig, und es treffen keine Meldungen von dort
ein, die die Stabilität des Regimes zweifelhaft und die Änderung
der Regierungsformalitäten zweckmäßig erscheinen lassen könnten.
Aber gerade deshalb läßt sich am bevorstehenden Staatsbesuch
Stroessners so unbeschwert die Frage aufmachen, ob die weiße We-
ste der BRD drunter leidet oder umgekehrt.
SPD/CDU/FDP benützen die Gelegenheit, allesamt ihr feines Stil-
empfinden zu dokumentieren; im Rahmen ihrer PR-Kampagne, "wie
sorgen wir in Lateinamerika überall für Demokratien", figuriert
der alte Stroessner jetzt auf einmal als "einer der letzten Mili-
tärdiktatoren", und es tobt ein lebhafter Parteienstreit über die
Frage, wer sich wann getraut hat, aber ganz schön unhöflich zu so
einer Kreatur gewesen zu sein: Die SPD hat ihren Heinemann damals
ganz einfach auf Reisen geschickt, Goppel hat ihn schier bloß in
Bayern herumkutschiert, Genscher will jetzt wieder auf Reise ge-
hen, Weizsäcker hat vor, den General unendlich zu tunken, indem
er bloß seine Pflicht tut, wenn er ihn empfängt, und Kohl erin-
nert an seinen wundervollen Einfall, das Sofa für den südafrika-
nischen Außenminister für die Presse rausräumen zu lassen.
So w i r d Stroessner dann empfangen, und ausgerechnet der
Chef-Nazijäger Simon Wiesenthal hat dem Bundeskanzler dafür fol-
genden guten Grund genannt: Dann könnte man ihn viel besser nach
Mengele fragen. So soll man das also jetzt sehen: Mindestens 3
Staaten, die USA, die BRD und Israel suchen Mengele und können
und können ihn nicht finden. Gleichzeitig wird in "Monitor" aus-
führlich über die Nachkriegskarriere Mengeles berichtet: Unter
Protektion der CIA erst in Argentinien, dann in Paraguay depo-
niert, dort als nützlicher Gehilfe der Generale eingebürgert, für
den er einen Geheimdienst aufgezogen hat. Die deutsche Botschaft
dort verfügt über die Einbürgerungsurkunde, hat sie für ihr Aus-
lieferungsbegehren vorgelegt und sich mit der Auskunft zufrieden-
gegeben, der dort aufgeführte Jose Mengele sei ein anderer.
Gleichzeitig hätten alle Auslandsbotschafter nicht nur Mengele,
sondern auch andere Ex-Nazis, z.B. Oberst Rudel, damals als Sie-
mens-Vertreter in Paraguay tätig, bestens gekannt, weil sie sich
allesamt in den höheren Kreisen bewegten. Der israelische Bot-
schafter berichtet, sein damaliger Geheimdienstchef hätte eine
Entführung Mengeles à la Eichmann abgelehnt, denn die Beziehungen
zwischen Israel und Paraguay seien so großartig, daß man den al-
ten Stroessner nicht mit einer solchen Aktion verärgern wolle.
Aber jetzt ist auf einmal wieder "Mengele-Suchen" auf der Tages-
ordnung. Und was ist, wenn Stroessner hier ist und wieder nicht
weiß, wo er ist? Die letzte amtliche Auskunft aus Paraguay von
Anfang März heißt "nicht mehr in Paraguay". Eigentlich sollte der
72jährige Mengele sich noch ein letztes Mal seinen diversen Auf-
traggebern gegenüber dankbar zeigen und absterben. Dann braucht
Stroessner sich nicht immer blöd fragen zu lassen, die CIA sich
nicht mehr von einheimischen Saubermännern nachsagen zu lassen,
Nazi-Verbrecher zu decken, die BRD nicht, daß sie nicht energisch
genug sucht, und zwischen Israel und seinen ausländischen Gene-
ralsfreunden stehen auch keine solchen Schandflecke mehr herum.
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