Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA GRENADA - Erledigt
zurück
LIEBE FREUNDE GRENADAS, LIEBE KUBANER!
Anläßlich der Solidaritätsveranstaltung mit Grenada (von Lust und
ila) gegen die US-Invasion:
Wir halten gar nichts davon, die Anklage gegen den NATO-Krieg in
der Karibik ausgerechnet dadurch erhärten zu wollen, daß die ex-
treme Friedlichkeit Grenadas in den schillerndsten Farben ausge-
malt wird, so wie Ihr das auf Euren Veranstaltungen tut.
Fünf Argumente dazu:
1. Der Erfolg von freedom and democracy muß weltweit gesichert
werden, und rechtfertigt jedes Mittel - sagen Reagan, Kohl und
Thatcher und handeln danach. Der Erfolg von westlicher Ruhe und
Ordnung geht ohne zeitweilige kleinere und größere Gemetzel nicht
ab - demonstrieren die Führer des Freiheitslagers und verlangen,
den geballten Einsatz ihrer staatlichen Gewalt als eine fraglos
gebongte Sache hinzunehmen. Wem diese Politik nicht paßt, wer
sich dagegen wehrt, ist ein "Strolch", letztendlich sowieso ein
"Russenfreund" - sortieren die Akteure des Weltgeschehens ihre
Opfer und setzen damit nicht nur blutige Fakten, sondern auch
noch moralische Maßstäbe: Gewalt i s t, j e n a c h d e m wer
sie ausübt, gut oder schlecht, "legitim" oder "verbrecherisch".
2. K r i t i k e r dieser Politik haben deswegen keine Chance,
jemanden dagegen aufzubringen, wenn diese Maßstäbe selber nicht
geknackt werden.
3. Es ist doch kein Zufall, daß der bloße Hinweis auf
G r e n a d a nicht dieselbe durchschlagende Empörung, nicht -
denselben angeblich für sich selbst sprechenden "Beweis" hergibt
wie weiland und immer noch das "Afghanistan, Afghanistan"-Ge-
plärre. Die Krokodilstränen über den Einmarsch der SU in Afghani-
stan galten eben immer nur der Tatsache, daß es die
f a l s c h e Herrschaft war, die ihre Interessen an einem ande-
ren Land militärisch durchsetzte, also nie dem Mittel selber,
ganz im Gegenteil: a u s s c h l i e ß l i c h der NATO soll es
zustehen, die Welt mit Krieg zu überziehen! Das pure D e u t e n
auf Gewalt hat deshalb überhaupt nichts "Entlarvendes" an sich,
bzw. nur dann, wenn die Vor-Verurteilung schon feststeht. Der
kleine Unterschied dabei: NATO-Jubler können sich auf die ver-
breitete Schlagkraft ihrer prowestlichen Dummheit des Systemver-
gleichs voll und ganz verlassen, Kritiker bringen mit einer ange-
strengten "Afghanistan"-Parallele schlimmstenfalls das fatale Ar-
gument zustande, die Yankees hätten sich in Grenada unbilliger-
weise r u s s i s c h e r Methoden bedient.
4. Wer den US-Krieg in der Karibik damit kritisieren will, daß er
alles Leben auf Grenada mit dem Attribut 'äußerst friedlich' ver-
sieht, der bedient sich einer ganz eigenartigen Ü b e r s e t-
z u n g: "Schulen, Krankenhäuser, Alphabetisierung, das angst-
freie Leben der Inselbewohner", all' diese "Errungenschaften der
grenadinischen Revolution" sollen sich plötzlich dadurch
auszeichnen, daß sie enorm f r i e d l i c h e Einrichtungen,
gewesen seien und d a d u r c h Reagan (der so etwas überhaupt
nicht mitansehen könne, der alte Cowboy!) zur Invasion provoziert
hätten. Sicher: diese Lebensverhältnisse s i n d keine
Bedrohung für die USA, sondern w u r d e n durch diese als
solche d e f i n i e r t; aber: gerade deshalb ist es so
idealistisch und verkehrt, mit der Bebilderung einer durch und
durch friedlichen Idylle - auf eine s o l c h e Betonung kommt
man nämlich nur angesichts des durchgezogenen K r i e g e s! -
die G r u n d l o s i g k e i t der US-amerikanischen Okkupa-
tion anprangern zu wollen! Dann will man gar nichts mehr davon
wissen, geschweige denn darüber aufklären, w e l c h e unge-
heuer anspruchsvollen Gründe die Politik des "Freiheitsexports"
kennt und entsprechend handhabt, Länder wie Grenada wieder auf
den Pfad der Tugend zivilisierten, also westlichen Terrors und
Elends zurückzubomben. Dann will man viel lieber mit dem wirklich
weltfremden Standpunkt an die Öffentlichkeit treten,
h a r m l o s e Inselchen hätten es n i c h t v e r d i e n t,
wehrlos überfallen zu werden.
5. Nicht nur, daß man damit den zahllosen "Gegen"rechnungen die
offene Flanke bietet, die mit Bildern von 2 Sowjets und 80 Ka-
laschnikoffs den "doch" gar nicht so "harmlosen" Charakter der
romantischen Touristenoase "beweisen"; es ist schlicht und ein-
fach ein Unding, die durchgesetzte kriegsgemäße Sortierungslogik
des politischen Gegners, also der NATO, daran b l a m i e r e n
zu wollen, daß sie ihre eigenen ritterlichen Grundsätze von
Friede, Freiheit, Völkerrecht verletzte.
Nehmt's doch mal umgekehrt: Genau diese Prinzipien sind es, die
so ungeheuer kriegsträchtig sind! Dann seid Ihr mit einem Schlag
alle "Glaubwürdigkeitsprobleme" (bei wem wohl?) los!
zurück