Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA GRENADA - Erledigt

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GEIER ÜBER GRENADA

Es konnte nicht ausbleiben, daß der US-Überfall auf Grenada zum gefundenen Fressen für die bundesdeutschen Politgeier wird. Den Tenor einer Kontroverse, mit der das alte Spiel um die Macht in- nerhalb und quer durch die Parteien einem neuen Gegenstand aufge- führt wird, gleitet von den "sachkundigen" Journalist gab Kanzler Kohl vor: "In unserer Amerikafreundlichkeit lassen wir uns von niemandem übertreffen!" In die Mikrophone der gleichen ARD-Tages- schau gesprochen, die Bilder von den gefangenen grenadischen Po- litikern Austin und Coard brachte, an denen sich betrachten ließ, was die "Menschenwürde" von Leuten wert ist, die der Freie Westen zum "Problemfeld des internationalen Terrorismus" zählt. Eben dieses und erklärtermaßen nur dieses besichtigte Innen- staatssekretär Spranger (CSU) auf Einladung des CIA: "Es wäre un- höflich gewesen, die Einladung abzulehnen." Besagter Spranger, der bisweilen öffentlich darüber räsonniert, daß die Demokratie schließlich nicht für Penner und Asoziale da sei, erhielt in der Karibik Augenschein darüber, wie man mit "gewissen Elementen" um- springt, so die Demokratie sie in die Finger kriegt. Ein Mann wie er, der für seine Überzeugung glatt ins KZ ginge, zur Inspektion versteht sich, "mußte" da natürlich hin. "Desavouiert" hat er da- mit ausgerechnet Außenminister Genscher und der Kanzler selbst, die in Maßen b e l e i d i g t bleiben wollen, weil sie, Führer und Raketenrepublik BRD, nicht entsprechend zu Rate gezogen wor- den sind. M i t m a c h e r w o l l e n a u c h m i t m a- c h e n! Schon ganz Feldherr auf dem NATO-Hügel, "verrät" Kohl treuherzig, er hätte den Amerikanern "geraten, wie man es anders machen kann". Vielleicht mit GSG9? Strauß in seiner Rolle als morali- scher Kanzler des Frontstaats entdeckt V e r r a t und Z e r s e t z u n g an der Spitze, wenn in dieser Zeit das na- tionale Hurra noch mit einem Adjektiv daherkommt; und Innenmini- ster Zimmermann schwört jeden Eid darauf, daß Cubaner und sowje- tische Waffen auf Grenada "auch eine innenpolitische Frage" nicht nur der USA, sondern auch unseres liebenswerten Gemeinwesen sind, das schließlich seit jeher in vorderster Front "den Terrorismus" bekämpft. Und in der "Süddeutschen Zeitung" schwingt sich der blanke Zynismus zum aufgeklärten Imperialismus"kritiker" auf. Carlos Widmann, falls man ihn gefragt hätte, empfiehlt den USA mit dem bombardierten Irrenhaus in die Offensive zu gehen: "Warum diese Scheu, die Wahrheit zu sagen? Der Bombenangriff war Ja insofern keine Tragödie, als die Irrenanstalt von Richmond Hin einer jener Orte auf der Welt sein dürfte, wo die Überlebenden die Toten beneiden." (Süddeutsche Zeitung vom 9. November) Dokumentiert durch eine Zigarette, die Don Carlos höchstpersön- lich in "gierige, irgendwie lepröse (Finger-)Stummel" gedrückt hat. In der Tat: Um diese Republik mit solchen Politikern und derartigen Journalisten dürften wirklich nur noch die Toten die in ihr Lebenden beneiden... *** Wer hätte das gedacht? ---------------------- DIE BUNDESREGIERUNG erwägt nicht, dem Nationalen Olympischen Ko- mitee für Deutschland zu empfehlen, die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles zu boykottieren, antwortete die Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage des SPD-Bundestagsabgeordneten Fred Zander, der wissen wollte, ob die Regierung mit einer solchen Empfehlung gegen die militärische Intervention der USA auf der Karibik-Insel Grenada zu protestieren gedenke. (Süddeutsche Zei- tung vom 9. November) zurück