Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA EL-SALVADOR - Mittelamerika


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DER FREIE WESTEN IN EL SALVADOR

hat dort einen Präsidenten mit dem schönen Namen Cristiani, der von einer faschistischen, pardon: "rechtsextremen" Partei aufge- stellt worden ist. Der kommandiert eine Armee, deren Offiziere nach Dienstschluß als "T o d e s s c h w a d r o n" tätig wer- den und auch mal vergessen, die Uniform auszuziehen, wenn sie Ge- werkschaftler in die Luft sprengen oder Jesuiten-Lehrer zu Tode foltern. Präsident und Armee haben einen mächtigen Paten, die USA, von denen sie mit Dollars und modernen Waffen ausrüstet wer- den. Und sie haben gute Freunde in Europa, vor allem die Bundes- regierung, die in El Salvador ein "demokratisches Vorbild" für Nicaragua sieht. Der Freie Westen tut also alles Nötige und noch mehr dafür, daß in El Salvador die Befreiungsbewegung FMLN die regierenden Fa- schisten und die herrschende Klasse der Großgrundbesitzer nicht in ihrer Freiheit entscheidend behindert. Wenn jetzt die Gue- rilla, ganz offensichtlich mit Unterstützung beträchtlicher Teile des einfaches Volkes, gegen die in letzter Zeit immer hemmungslo- ser waltenden Killerkommandos der Armee und die Weigerung der Re- gierung, ernsthaft über einen Waffenstillstand zu verhandeln, losschlägt und Teile des Landes unter ihre Kontrolle bringt, dann wird das im Freien Westen als S t ö r u n g v o n R u h e u n d O r d n u n g betrachtet. Die Kriegsführung der salva- dorianischen Armee, die Wohnviertel in der Hauptstadt bombardiert und in entlegenen Provinzen auf alles schießt, was sich bewegt, wird bezüglich der E r f o l g s a u s s i c h t e n beurteilt. Kriegt sie "die Lage" wieder unter Kontrolle? Wenn Salvadorianer angesichts einer "Lage", in der die Regierung das Volk als Geisel gegen die Guerilla hernimmt - die eigene Hauptstadt wird solange bombardiert, bis die bewaffneten Kämpfer abziehen -, aus dem Lande fliehen und es schaffen, in die USA zu kommen, dann kriegen sie selbstverständlich kein Begrüßungsgeld. Sie werden in Lager gesperrt und nach Verbüßung einer Haftstrafe wegen unerlaubter Einwanderung abgeschoben - zurück nach El Sal- vador. Dort hat nämlich nicht das "Regime abgewirtschaftet", wenn das Volk "kein Vertrauen" mehr hat in die Herrschaft. Im Gegenteil: Die Freiheit in El Salvador sorgt für ein Gemetzel, damit die Leute einsehen, daß sie ohne ihre Regierung nicht (über-)leben können. zurück