Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA EL-SALVADOR - Mittelamerika
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Wochenschau
BEI DEN WAHLEN IN EL SALVADOR
ist nun doch endgültig raus, wer gewonnen hat. Das Interesse
daran hält sich auch in sehr gemäßigten Grenzen: Es steht nämlich
keineswegs eindeutig fest, wer denn nun "unser" Mann in dieser
Republik ist, denn das bestimmt trotz aller Sympathie der bundes-
deutschen Christdemokraten für den Ex-Präsidenten der Militär-
junta, Napoleon Duarte, in letzter Instanz immer noch Washington.
Und dort hat man schon erklärt, daß sich auch mit dem
"Rechtsextremisten" (eine fast schon wieder liberale Standortbe-
stimmung) D'Aubuisson den "Weg El Salvadors zur Demokratie" recht
gut vorstellen läßt. Den einander widerstreitenden "Enthüllun-
gen", wer denn nun der Chef jener "Todesschwadronen" sei, der
Major oder sein ehemaliger und wahrscheinlich künftiger
politischer Chef, hat die jüngste die Spitze aufgesetzt, ohne daß
sich wenigstens darüber noch irgendjemand groß aufregen würde:
Der US-Geheimdienst CIA hat laut der amerikanischen Zeitung
"Christian Science Monitor" in eigener Regie "Spezialeinheiten
der Streitkräfte von El Salvador ausgebildet, die später mit Wis-
sen ihrer US-Ausbilder als 'Todesschwadronen' agiert haben." In-
zwischen hat "der Geheimdienstausschuß des US-Senats eine Unter-
suchung eingeleitet." Wenn die US-Regierung jetzt in San Salvador
anmahnt, die "Ermordung von Zivilisten, die mit linksgerichteten
Rebellen in Verbindung gebracht werden", unter Kontrolle zu brin-
gen, so zeugt das vom Erfolg der "US-Berater" bei ihrer Ausbil-
dungstätigkeit. Deren Aufgabe ist nämlich die Formierung der ge-
samten salvadorianischen Armee zu einer "modernen" Todesschwa-
dron, die naturgemäß bei ihrem Demokratisierungswerk zwischen Zi-
vilisten und linksgerichteten Rebellen keinen Unterschied macht.
Jüngster Erfolg: Die hohe Wahlbeteiligung, der mit Massenver-
schleppungen von Leuten, die dem ersten Wahlgang ferngeblieben
waren, auf die Sprünge geholfen wurde. Die hiesige Presse wälzt
nun das sinnige Problem, ob der neue Präsident El Salvadors nicht
"ein Gefangener der Militärs" bleiben würde - eben jener Truppe,
die ihm seine demokratische Legitimation verschafft hat.
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