Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA EL-SALVADOR - Mittelamerika


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       Wochenschau
       

"MAN REDET WENIGSTENS" (FR)

Dies der einhellige Tenor der hiesigen Berichterstattung über die Gespräche zwischen El Salvadors Präsident Napoleon Duarte und seinen politischen Gegnern von der FMLN und FDR. Allerdings, was Shultz, Genscher und die westliche Presse als einen "mutigen Schritt Duartes zum Frieden" hochjubeln, war nichts anderes als eine kurze Waffenpause, in der der Mann des Westens in El Salva- dor seinen erklärten Gegnern eine umfangreiche Kapitulationsof- ferte unterbreitete. Immerhin führt Duarte vor und nach der Be- gegnung in der Kirche von La Palma einen Krieg, in dem er seit seiner Wahl im Frühjahr dieses Jahres als oberster loka- ler Kriegsherr anerkannt ist und entsprechend Hilfe aus Washing- ton, Bonn usw. erhält; - er sich mit den "Todesschwadronen" seiner rechten Konkurrenten das Geschäft der Liquidation der Befreiungsbewegungen teilt; - honduranische und US-Militäreinheiten von jenseits der Grenze Schützenhilfe leisten; - ganze Landstriche von den Guerilleros "gesäubert" worden sind. "Auf US-amerikanische Initiative hin kombinierte man in verschie- denen Departements Säuberungskampagnen mit sogenannten Bürgerak- tionsprogrammen, durch die das Leben in Zonen mit starkem Gue- rilla-Einfluß normalisiert werden sollte." (FR, 18.10.) In der Tat, günstige Umstände für den Präsidenten, eine "Friedensinitiative" in die Wege zu leiten, die die Widerständler vor die Wahl stellt, entweder über kurz oder lang erschossen zu werden (das letzte Gespräch mit der Regierung im November 1980 hatten die FDR-Vertreter nicht überlebt), oder jetzt ihren Wider- stand aufzugeben, und dafür einer Behandlung als Kriegsverbrecher zu entgehen "zugunsten" einer Behandlung als ganz zivile Staats- gegner. "Duarte erklärte, die Rebellen verlangten soziale und wirtschaft- liche Reformen sowie Änderungen in der Außenpolitik, vor allem was die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten betreffe. Er be- zeichnete die Aufständischen als Terroristen, die keinen rechtli- chen Status beanspruchen könnten. Ihre politische Organisation, die FDR, könne sich jedoch beim zentralen Wahlrat registrieren lassen, wenn sie die gesetzlichen Bestimmungen für Parteien aner- kenne." (SZ, 18.10.) Weder ist also an eine amtliche Anerkennung der FMLN/FDR als po- litische Macht in El Salvador gedacht, noch gar an eine Regie- rungsbeteiligune - Duarte hat die Waffen erfolgreich hinter sich gebracht. Das Zehn-Punkte-Programm Duartes garantiert seinen Geg- nern nur eines: daß sie ihren Widerstand, also ihre politischen Forderungen, geordnet und kontrolliert a u f g e b e n dürfen, ohne gleich als Kriegs-Verbrecher behandelt zu werden. Von wegen "Aussöhnung", von wegen "Abkehr von der Gewalt". Duarte setzt mit allen Mitteln seiner Gewalt auf Ü b e r l ä u f e r aus den gegnerischen Reihen: "Die Sicherheitskräfte und der Zivilschutz sollen durch die er- forderlichen Maßnahmen die Bewegungsfreiheit der Aufständischen garantieren, die sich in die Gesellschaft, in ihre Familie oder ihren Arbeitsplatz eingliedern." (Duarte-Vorschlag, Punkt 2) So werden - laut Abschlußkommunique - "alle Bevölkerungskreise an der Suche nach Frieden beteiligt" - der Suche nach dem Frieden des Westens. Das nennt man dann in Bonn "den richtigen, weil ein- zig realistischen Weg zur friedlichen Beilegung des Konflikts" (FAZ, 17.10.). zurück