Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA EL-SALVADOR - Mittelamerika
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Marxistische Schulzeitung Bremen, 13.03.1981
Wochenschau
IN EL SALVADOR
verteidigt der Freie Westen gegenwärtig ein ganzes Volk gegen den
Kommunismus. Dabei setzen die USA unter ihrem schneidigen neuen
Präsidenten auf ein todsicheres Immunisierungsmittel: Jeder tote
Salvadorianer ist dem Einfluß Breschnews wirkungsvoll entzogen.
Im Zuge dieser "Zurückweisung einer sowjetischen Aggression" in
Mittelamerika wird die regierende christdemokratische Junta mit
den militärischen Mitteln ausgestattet, die es ihr erlauben, die
eigene Bevölkerung so weit zu dezimieren, bis die übrigbleibenden
endlich einsehen, daß man nur ihr Bestes im Sinn hat. An dem Ge-
rücht, die Sowjetunion und Cuba wurden die Aufständischen mit
Waffen versorgen ist zwar - leider - nichts dran, nichtsdestowe-
niger leistet es gute Dienste für eine Diskussion, wie sie zwi-
schen den demokratischen Politikern hierzulande geführt wird Da
gibt es natürlich keinen einzigen, der sich um 3,5 Mio. Salva-
dorianer scheren würde und um d e r e n G r ü n d e, sich ge-
gen das Regime des Napoleon Duarte zur Wehr zu setzen. Diese
Gründe, Hunger, Elend und Terror existierten nämlich längst vor
Ausbruch des "Bürgerkriegs" und da wußte niemand, wo El Salvador
überhaupt liegt. Diskutiert wird lediglich, wie man am Besten da
unten wieder Ruhe einkehren läßt und d.h. stabile Verhältnisse in
einem prowestlichen Land. Darum bieten hiesige SPD-ler eilfertig
ihre Dienste an und sie dürfen neben der amerikanischen Zuschlag-
Strategie von den Vorteilen einer friedlichen Lösung erzählen:
Sie setzen auf ein Arrangement der Untergrundpolitiker mit den
Regierenden zur g e m e i n s a m e n Machtausübung, während
die Christdemokraten an ihrem Napoleon festhalten und die salva-
dorianische Schlächterei als Exempel für unverbrüchliche Bünd-
nistreue zu den USA gewertet sehen wollen. Auf beiden Seiten hat
man jedoch volles Verständnis dafür, daß die USA das letzte Wort
darüber haben, wer in El Salvador regiert und daß es sich hierbei
keineswegs um eine "Einmischung in die inneren Angelegenheiten"
eines fremden Staates handelt, sondern um eine weltpolitische
Maßnahme im Rahmen des Kampfes gegen den Kommunismus. Das Volk
hierzulande darf im Fernsehen zuschauen und - falls daran über-
haupt Interesse besteht - in der Zeitung die neuste Mordstatistik
nachlesen. Warum sollte es sich auch ausgerechnet über die Ma-
chenschaften seiner Herren in Südamerika aufregen?
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