Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA BRASILIEN - Krise mit Zukunft
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 37, 01.06.1981
Wochenschau
DER BRASILIANISCHE STAATSPRÄSIDENT
Joao Baptista de Oliveira Figueiredo machte letzte Woche Visite
in Bonn. Für das pragmatische Verhältnis, das der Freie Westen
und vorbildlich hierin auch die Saubermänner, die dem Modell
Deutschland vorstehen, zur Militärjunta in Brasilien pflegt,
spricht nicht nur die Würdigung, die Carstens dem obersten Go-
rilla aus Rio, der vor Amtsantritt die Geheimpolizei seines Lan-
des dirigierte und das Repertoire an Foltertechniken um einige
exquisite Grausamkeiten bereicherte, zuteil werden ließ, - auch
nicht allein die übereinstimmende Laudatio der freien Presse, die
im General a.D., den ein gleichgeschaltetes Parlament mit seiner
Amtswürde ausstattete, einen Garant der "Demokratischen Entwick-
lung" Brasiliens entdeckt hat, sondern vielmehr noch eine
Depesche des IG-Metall-Vorsitzenden Loderer an seinen
Außenminister, in der dieser Arbeiterdiplomat sehr schön
zusammenfaßt, wie, die Willkür einer Diktatur zum Mittel seines
guten Willens werden kann. Loderer "forderte Genscher auf", dem
Figueiredo "deutlich zu machen, daß die Verurteilung der
(brasilianischen) Gewerkschaftler bei den deutschen
Gewerkschaften kein Verständnis findet". Und "bat" flugs den bei
uns zu Gast weilenden Serenissimus, "die ausgesprochenen Strafen
in den Revisionsverhandlungen nicht zu bestätigen". Wenn man
schon einen Diktator vor sich hat, dann soll er wenigstens
zeigen, was er kann, dachte sich der oberste westdeutsche Metal-
ler, und seiner Gerichtsbarkeit die passende Order erteilen. Das
kann man doch von einem Staat verlangen, der "einer der
bedeutendsten Partner der Bundesrepublik in der Dritten Welt" ist
(Zitate aus "Süddeutsche Zeitung" vom 19. Mai). Ob dem
weithergereisten Joao Baptista die Fortsetzung der "traditionell
guten Beziehungen" neben der Äußerung von "Verständnis für den
Wunsch nach Wiedervereinigung" auch die Reduzierung des Straf-
maßes für ein paar lästige Oppositionelle zuhause wert ist, wird
sich zeigen. Es wäre auf jeden Fall ein netter Zug des Henkers,
der den "weiteren Möglichkeiten bilateraler Zusammenarbeit"
(Schmidt) etwas Menschenrechtsflair verleihen würde. Und dar, ist
doch immer einen - kostenlosen - Versuch wert.
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