Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA ARGENTINIEN - Zinstragend, zur Zeit demokratisch
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Wochenschau
DEN "SCHMUTZIGEN KRIEG GEGEN DEN KOMMUNISMUS"
hat die a r g e n t i n i s c h e M i l i t ä r j u n t a
durch die Veröffentlichung der Verlustziffern auf der gegneri-
schen Seite offiziell für beendet erklärt. Zwar enthält das
"Schlußdokument über den Krieg gegen die Subversion und den Ter-
rorismus" weder Anzahl von Namen der Ermordeten, was Hauptgegen-
stand der "Empörung über den offiziellen Bericht" ist, "da er
über das Verschwinden von bis zu 30.000 Menschen keine
a u s r e i c h e n d e E r k l ä r u n g liefere". Dennoch
verraten die Militärs in Form einer Siegesmeldung, daß sie selbst
1975 von "15.000 aktiven Guerillas der Montoneros und des ERP"
ausgingen, die es "zu eliminieren" galt. Das Regime argumentiert
in ehrlichem Zynismus, daß "Menschenrechtsverletzungen schon bei
einem orthodoxen Krieg nicht vermieden werden könnten" und deswe-
gen "erst recht nicht im Kampf gegen irreguläre Kräfte." So etwas
läßt man natürlich einer drittrangigen Macht im westlichen Lager
nur mit scharfer moralischer Verurtilung durchgehen.
"Menschenrechtler werden sich kaum damit abfinden" (Frankfurter
Rundschau vom 2. Mai), daß argentinische Gorillas Rechte für sich
in Anspruch nehmen, die nur den Führungsmächten der Freien Welt
zustehen. Immerhin haben die USA einen "orthodoxen Krieg" in
Vietnam bei voller Beachtung der "Menschenrechte" geführt; und
ihre zur Zeit laufenden Metzeleien in El Salvador und Nicaragua
dienen explizit der "Wahrung und Wiederherstellung" dieses famo-
sen humanitären Titels. Insbesondere erregt namentlich europäi-
sche Menschenfreunde in führenden Staatsämtern wie Italiens Prä-
sident Pertini die Ungeheuerlichkeit, daß sich das argentinische
Militär bei der Ausrottung aller potentiellen Terroristen nicht
vorher den Paß zeigen ließ und sich auch an italienischen, fran-
zösischen und deutschen Staatsbürgern vergriff. Zumindest darüber
fordert man "lückenlose Auskunft". Den toten echten und deshalb
auch nach menschenrechtlicher Sichtweise keineswegs
"unschuldigen" Guerilleros - weint außer den "Müttern der Plaza
de Mayo" niemand eine Träne nach. Ihre "Ausschaltung" aus dem po-
litischen Leben Argentiniens ist schließlich die Voraussetzung
für die jetzt vom Militär genehmigte "Rückkehr" zur Demokratie.
So können sich auch die verhafteten und gefolterten Mitglieder
der kommunistischen Tudeh-Partei im Iran keine Hoffnungen machen,
Gegenstand menschenrechtlicher Anteilnahme zu werden. Der
"heilige Krieg", dem sie zum Opfer fallen, ist zwar nicht derje-
nige der NATO, aber den hiesigen Kommentaren ist durchaus
(Schaden-)Freude darüber anzumerken, daß die "islamische Revolu-
tion" auch einmal die Richtigen trifft.
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