Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA ALLGEMEIN - Amerika den Amerikanern
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Teach-In
ZENTRALAMERIKA
- ein zweites Vietnam?
- eine revolutionäre Hoffnung?
- ein Stück Flurbereinigung des Imperialismus?
In der bundesrepublikanischen öffentlichkeit werden die Länder
Zentralamerikas mit dem Urteil belegt, sie seien "ein Hinterhof
der USA". Man teilt also die a b s o l u t e Z u s t ä n d i g-
k e i t der USA für diese Region, hält es für ganz natürlich
(liegt ja vor der Haustür Amerikas), daß der nordamerikanische
Imperialismus sich dieser Staaten als ihm gehöriger Abteilungen
bedient, die es bei der Eliminierung jedweden Einflusses der
UdSSR auf der Welt einzusetzen gilt. Ist es in Zentralamerika
also ganz logisch, ein "natürlicher Verbündeter" der USA zu sein?
2.
Die Kritik an der Reagan-Politik, sie hätte mit diesem
"Hinterhof" lauter "Probleme", würde auf ein "zweites Vietnam"
zusteuern etc., gibt diesem Anspruch erst einmal prinzipiell
recht, um die Mittel, mit denen dieser Anspruch praktisch durch-
gesetzt wird, als u n n ö t i g für die imperialistischen Ab-
sichten zu behaupten. Ein sehr gewissenhaftes Bedenken, das sich
hier anmeldet und den amerikanisch beratenen und bezahlten Mas-
senschlächtereien ihre Nützlichkeit und Notwendigkeit abspricht,
für das als selbstverständlich erachtete Ansinnen, "die Krise in
Zentralamerika zu stabilisieren". Werden dort also Leichen ohne
Sinn produziert?
3.
Die Vorstellung, die USA sollten "aus dem Hinterhof einen blühen-
den Vorgarten" machen, ist ein ziemlich albernes Ideal von der
Gewalt des Imperialismus, die dort herrscht. Nicht nur, daß der
Abtransport der wenigen natürlichen Reichtümer dieser Länder an
einige Lebensmittelkonzerne in Amerika genau diese Weise ökonomi-
scher Beziehung ist, die für den Westen als gedeihlich gilt.
Wieso sollte sich eigentlich ausgerechnet ein amerikanischer Prä-
sident, der dafür sorgt, daß dieses einträgliche Abhängigkeits-
verhältnis noch zugunsten der "freien Marktwirtschaft" verbessert
wird, ein Gewissen aus dem Elend der Bevölkerung dieser Länder
machen?
4.
So sehr durchaus linke Meinungen laut werden, die den USA in Zen-
tralamerika so ziemlich alles zutrauen und das Wort Imperialismus
verwenden, so wenig will man dies den europäischen Regierungen
unterstellen. Manche hoffen sogar auf einen "mäßigenden" Einfluß,
den Europa, die SPD oder wenigstens die Sozialistische Interna-
tionale in Richtung "Reagan-Administration" ausüben könnten. Wie
aber sollte ausgerechnet dadurch etwas für irgendjemanden in Zen-
tralamerika herausspringen, daß eine neue Mannschaft an Benutzern
dieser Region für genau die gleichen Zwecke ins politische Ge-
schäft käme?
5.
Die USA machen diesen Staaten gegenüber praktisch geltend, daß
ihre nationale Unabhängigkeit darin besteht, Mittel amerikani-
scher Interessen zu sein, und zwar ihnen dies abwechselnd bedeu-
tet durch den Entzug wirtschaftlicher "Hilfe", durch militärische
Drohungen oder durch die Ausstattung ihres Gewaltapparates, mit
dessen Hilfe die Guerilla mitsamt der Bevölkerung zur Strecke ge-
bracht werden soll. Wie kommt man angesichts dieses harten Zu-
griffs des Imperialismus auf die Staaten der Karibik auf die
Hoffnung, ein wirkliches "Selbstbestimmungsrecht der Nation"
könnte Land und Leute aus dem Schlamassel führen? Hilft denn eine
"echte Souveränität", wenn einem jegliche ökonomische Mittel und
auch die Erlaubnis, den politischen Kurs frei zu bestimmen, nicht
nur von den USA bestritten werden? Was nützt ein echt nationaler
Staatschef den Campesinos und ihren Familien?
6.
Alle diese Urteile zeugen von einer ziemlichen Unkenntnis dar-
über, wie diese Länder politisch und ökonomisch organisiert sind
anders käme man nicht auf die Vorstellung eines gemäßigten Impe-
rialistischen Umgangs mit Zentralamerika oder auf den Glauben,
dem Imperialismus gehöre justament per Solidarität mit den Sandi-
nistas oder der FDR eine Niederlage bereitet.
Vielleicht läßt sich ja auf dem Teach-In mit der Aufklärung über
die Beschaffenheit der zentralamerikanischen Nationen am Beispiel
von El Salvador und Nicaragua auch einmal die Frage beantworten,
weshalb gerade Slumbewohner oder indianische Bergbauern aus die-
sen Ländern - mit Spenden von westdeutschen Solidarität-Fans un-
terstützt den US-Imperialismus besiegen sollen.
Versprochen wird eine Bilanz dessen, was 3 Jahre "sandinistische
Befreiung" in Nicaragua gebracht haben, und eine klare Einschät-
zung der Aussichten der salvadorianischen "Revolution".
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