Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA ALLGEMEIN - Amerika den Amerikanern
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Wochenschau
KEINE SCHLAGZEILEN
war der demokratischen Presse die M i t t e l a m e r i k a -
R e i s e Präsident Reagans wert. Daß die US-Politik unter dem
republikanischen Chief Executive auf die Differenzierungen
Carterscher Hinterhofpflege - einmal Menschenrechts w a f f e,
dann Waffen l i e f e r u n g e n keinen Wert mehr legt, sondern
streng unterscheidet zwischen "Freunden unseres Landes" und
"Stützpunkten des Aggressors" Sowjetunion, weiß und akzeptiert
man. Dabei unvermeidliche Nivellierungen früher üblicher
Betrachtungsweisen werden als "Ungereimtheiten" der US-
Außenpolitik sachverständig besprochen: Ist es nicht
z w e c k m ä ß i g e r, die Friedensofferten der Sandinisten in
Nicaragua aufzunehmen und ihre Bereitschaft zur öffnung fürs US-
Kapital auszunützen? Schadet es nicht der G l a u b w ü r-
d i g k e i t der westlichen Führungsmacht, wenn Reagan in
Guatemala den ihn empfangenden Gorilla Rios Montt zum Champion
von Demokratie und Menschenrecht erklärt usw.? Selbst als Reagan
in B r a s i l i e n seinem "maliziös lächelnden" Gastgeber
Figueiredo versicherte, "er wünsche seinen amerikanischen Traum
mit dem Volk von Bolivien zu teilen", wurde dies von der
"Süddeutschen Zeitung" am 3. Dezember als "peinlicher Ver-
sprechen" eines termingehetzten Staatsmannes registriert und
nicht als die personifizierte A r r o g a n z d e r M a c h t,
die i h r e n lokalen Potentaten nicht einmal mehr die Ehre des
Auseinanderhaltens erweist. Reagans "erneuter Irrtum" (er kün-
digte als nächste Reisestation Bolivien an und fuhr nach Kolum-
bien) ist von seinem Standpunkt "verständlich": Es ist schließ-
lich für die USA ziemlich gleichgültig, welche n a t i o-
n a l e n Besonderheiten sich das Staatenmaterial des Impe-
rialismus leistet, solange seine i n t e r n a t i o n a l e
Zuverlässigkeit sichergestellt ist.
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