Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA ALLGEMEIN - Amerika den Amerikanern

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       Der Veranstaltungskommentar
       

"INTERVENTIONSPOLITIK DER USA IN MITTELAMERIKA"

Eingeladen hatten: El Salvador-Gruppe Bochum, AStA und ESG und was stattfand, war wieder einmal alles andere als eine Anti-Impe- rialismus-Veranstaltung. Der ehemalige CIA-Agent Ph. Agee meinte 1 1/2 Stunden lang enthüllen zu müssen, daß der CIA in allen mit- telamerikanischen Staaten seine Finger drin hat, die Presse und die Regierungen beeinflußt. Er veranschaulichte also nur laufend, was die Leute sich ohnehin schon dachten, und statt auf die zu- grundeliegenden politischen Zwecke der Amis und des freien We- stens zu sprechen zu kommen, bestärkte er die Zuhörer nur darin, die Taten der Amis am Ideal der "Nichteinmischung" zu messen und sich deswegen über sie die verharmlosende schlechte Meinung zuzu- legen, die Gewalt des US-Imperialismus bestünde darin, andere Völker zu bevormunden. Ausführlich erzählte Agee von seinen Ent- larvungsbemühungen gegen die CIA-Aktivitäten, was die Anwesenden offensichtlich so spannend fanden, daß sie sich brennend dafür interessierten, w i e er das mache und ob er nicht Gefahr laufe, selber vom CIA behelligt zu werden. Die andere Seite der Veranstaltung war der Genuß der Verurteilung der Amis, die darin ihren Grund fand, daß gegen sie unterdrückte Völker Befreiungskriege führen. Deren Sieg galt allen schon des- wegen als ausgemachte Sache, weil sie im Recht sind. Daß die wirklichen Verhältnisse in diesen Ländern, die Politik der Sandi- nistas und der FDR/FLMN genausowenig wie die politischen Interes- sen des amerikanischen wie des europäischen Imperialismus und die Formen, wie sie ökonomisch, diplomatisch und militärisch geltend gemacht werden, nicht zur Debatte stand, war damit vom Ausgangs- punkt her klar. Die obligatorische Frage schließlich nach der Ge- fahr einer Bevormundung durch die Russen konnte zur allgemeinen Beruhigung dahingehend beantwortet werden: "In Nicaragua disku- tiert man zur Zeit sehr stark das Problem des Sozialimperialis- mus." Diejenigen, die sich also wegen ihres christlichen guten Gewis- sens Sorge um die 3. Welt machen wollten, wie auch diejenigen, die den Mut der Befreiungskämpfer als Beispiel emanzipatorischer Lebensmöglichkeit genießen wollten, wie schließlich auch diejeni- gen, die einfach hören wollten, daß die Solidaritäts-Gruppen so- lidarisch mit der Friedensbewegung sind, sie alle kamen voll auf ihre Kosten. Wer meinte (nachdem die schriftliche Ankündigung der Veranstaltung dazu einige Ansätze zeigte), die Solidaritätsgrup- pen mit der Dritten Welt würden nun endlich einmal die "zynische" (BSZ) Betrachtungsweise des "heldenhaften Befreiungskampfes" auf- geben und sich angesichts der Offenkundigkeit der politischen Ab- sichten des Imperialismus und der Planung und Durchsetzung seiner Opfer dazu entschließen, gegen diesen zu agitieren und für sich Konsequenzen ziehen, mußte sich getäuscht sehen. Da kann die US- Regierung noch so deutlich aussprechen: - daß sie die Länder Mittelamerikas ganz umstandslos darauf ver- pflichtet, sich der freiheitlichen Benutzung durch westliches, insbesondere amerikanisches, Kapital, unterzuordnen; - daß sie jeden Nationalismus, der sich ihr hinderlich in den Weg stent, als kommunistisch gelenkten Terror ausschalten, d.h. na- tionale Unabhängigkeit ausschließlich als Parteigängerschuft zur westlichen Weltordnung dulden will; - daß sie den letzten Verbündeten der SU in diesem Erdteil, Cuba, gegebenenfalls militärisch erledigen und es damit an der pax ar- nericana teilnehmen lassen will; - daß der Imperialismus hier also Flurbereinigungen vornehmen will, da halten die Solidaritätsmenschen ausgerechnet die Ideale dieses Programms der Weltherrschaft, Freiheit und nationale Entwicklung hoch. Und angesichts dessen, daß die BRD ihr Mitsprachebedürfnis, auch für diese Region ihr eigenes imperialistisches Interesse an- melden zu dürfen, inzwischen hinter der Bündnistreue zur Welt- macht Nr. 1 rangieren läßt, werfen sie Schmidt vor, er sei zu ängstlich und bedürfe eines größeren moralischen Rückhalts. Der Glaube an die nationale Unschuld scheint unerschütterlich zu sein. zurück