Quelle: Archiv MG - KULTUR SPORT - Verrückte im nationalen Dienst
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 16, 19.06.1984
SONTHEIMER spricht auf dem Bundestag des Deutschen Sportbundes
"NACHDENKLICHE UNTER SICH"
"Es gibt Dinge auf der Welt, die nahe beieinander liegen."
(Günther Netzer)
Mit der mutigen These, "daß der Sport auf jeden Fall eine Zukunft
haben wird, so oder so", hatte SONTHEIMER zweifellos Wesentliches
gesagt, aber längst noch nicht alles. Bewährter Festredenetradi-
tion eingedenk rechtfertigte er seine Einladung, indem er bereits
im Titel seines Vortrags - unter Verwendung der antiken Figur des
toto pro pars - Prinzipielleres über den Sport ankündigte.
"Fair miteinander leben"
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hieß seine Laudatio, deren philosophischem Anspruch SONTHEIMER in
jeder Phase gewachsen war. Nehmen wir gleich die erste Klippe:
Wenn Sport "fair miteinander leben" ist, ist dann nicht das Mit-
einander-Leben, wenn es fair ist, recht eigentlich Sport, oder
doch dem Sport geschuldet? Bedacht "warnte" der Redner hier vor
dem verbreiteten Fehler, "den Sport als ein Allheilmittel der Ge-
sellschaft zu überfordern", ohne sich jedoch - und hier zeigt
sieh die klare Linie des Vortrags - andererseits das
"uneingeschränkte Bekenntnis zu den Werten des Sports, die es als
ein großes Kulturgut zu erhalten gelte", abhandeln zu lassen.
In einem umsichtig konstruierten argumentativen Dreischritt ver-
mochte der Gelehrte diese seine These noch einmal zu erhärten -
"Der Sport sollte sich nicht verführen lassen, im Sport so etwas
wie den Inbegriff aller positiven und sozialen Betätigungen zu
erblicken" "Dagegen würde ich sagen, der Sport ist wichtig . ...
und er wird ... immer wichtiger."
"Aber er ist beileibe nicht alles" -,
bevor er sich der Erläuterung seines Schlüsselbegriffs "Fairneß"
widmete.
Ein spannungsreicher Aufbau, sicher doch hätte man sich in diesem
zweiten Teil etwas weniger Bescheidenheit gewünscht; "es handele
sich (bei Fairneß) um keinen definierbaren Wert an sich", meinte
SONTHEIMER gerade an der Stelle, wo er ein in der jüngeren deut-
schen Vergangenheit gang und gäbes Lob des Sports für seine
Dienste in punkto Menschtumbildung positiv in Erinnerung brachte:
"Zur Fairneß gehört", nach der Definition SONTHEIMERS
"Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Selbstzucht".
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Man sieht, die Schlußapotheose war wohl vorbereitet - bei soviel
Konstruktivität im Sport bis hierher. Mit dem gebotenen Willen
zur Idiotie reussierte der Sporttheoretiker auch hier:
1. "Fairneß ist auch da, wo sie verletzt wird, die moralische
Grundlage sportlichen Handelns."
2. "Zur Fairneß gehört" auch "der Gedanke der Noblesse, ja, wenn
man so will, der Liebe."
Abpfiff!
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