Quelle: Archiv MG - KULTUR SPORT - Verrückte im nationalen Dienst
zurück
Bremer Hochschulzeitung Nr. 57, 28.06.1982
Wochenschau
1 : 0 FÜR DIE NATION
Bei der Fußball-WM in Spanien wird täglich Fußball gespielt -
aber darauf kommt es nur zweitens an. Erstens spielen nämlich
nicht einfach 2 x 11 Leute Fußball, sondern Nationen. Und deswe-
gen spielen sie auch nicht einfach, sondern kämpfen um einen na-
tionalen Rechtsanspruch.
Es macht also nichts, wenn die deutsche Nationalmannschaft er-
bärmlich Fußball spielt. Hauptsache, sie gewinnt, sammelt die nö-
tigen Punkte, und wahrt so das deutsche Recht auf den Titel. Oder
doch nicht?
Jetzt haben die Deutschen gegen die Österreicher so offenkundig
absichtlich schlecht gespielt, daß zwar der nötige Sieg herausge-
sprungen ist - und der Schein, es ginge um einen Sieg in einem
Fußballspiel, ganz verschwindet. Und nun ist es auch wieder nicht
recht.
Was wollt ihr denn jetzt eigentlich, deutsche Sportsfreunde? Den
nationalen Erfolg - und noch dazu den Schein, er wäre ganz ge-
recht durch die "eigenen" Fußballer erkämpft, weil diese die bes-
seren wären?
Guter Fußball als Gütesiegel der Nation? Glaubt doch zur Abwechs-
lung mal, daß eure Nation kein bißchen besser ist als der Fuß-
ball, den die Nationalmannschaft gegen Österreich gezeigt hat!
zurück