Quelle: Archiv MG - KULTUR SPORT - Verrückte im nationalen Dienst


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       Wochenschau
       

FUSSBALL IST UNSER LEBEN

Das Ergebnis der Mini-Fußball-WM in Montevideo, Uruguay, ist auf jeden Fall gerecht: Die Auswahl der BRD und Westberlins verlor gegen Argentinien mit 1:2 und ging mit einem begeisternden 1:4 gegen die sympathischen kaffeebraunen Jungs aus Brasilien unter. Das Abschneiden Hollands und Italiens: peinlich, peinlich, aber keineswegs überraschend. Vom Standpunkt des revolutionären Mar- xismus aus ist weniger der "Triumph des südamerikanischen Fuß- balls" bemerkenswert, als das überfällige Ende der Siegesserie Jupp Derwalls. Das reißt die Widersprüche im bürgerlichen Lager auf: Auf einmal wird allenthalben bemerkt, daß die Nationalmannschaft nie so gut war, wie die Ergebnisse vorgaukelten und die Journali- sten schrecken auch vor den schonungslosesten Entlarvungen nicht zurück: Da sollen doch glatt mindestens zwei junge Männer, denen der DFB mitten im Winter eine Flugreise nach Uruguay bezahlt hat, die Nacht in einem - als "Nachtlokal" nur mühsam umschriebenen - Puff zugebracht haben, obwohl sie hätten wissen müssen, daß die "Weltpresse ihnen nicht von den Fersen wich", während der Rest der Crew sich nach der Niederlage im ersten Spiel sinnlos besof- fen haben soll und den folgenden Kater mit dem saublöden Argument "klimatischer Anpassungsschwierigkeiten" entschuldigte. Derwall war sauer und will künftig nicht nur die Zügel enger straffen, sondern auch "personelle Konsequenzen" ziehen. Unverständlich je- doch, daß ausgerechnet Borchers die Fliege machen soll, der über- haupt nicht gespielt hat, während Dietz, der alte Bräugaul, jetzt bis 1982 im Strafraum rumholzen darf. Hier müssen wir uns über alle ideologischen Differenzen hinweg der Bildzeitung anschlie- ßen: "Wir empfehlen Franz Beckenbauer!" Wissenschaftlich gesehen hat Karl-Heinz Rummenigge bei seiner Rückkunft schonungslos den Fehler bürgerlicher Fußballkommentierung auf den Begriff ge- bracht: "Wir haben gespielt wie immer. Hätten wir gewonnen, hätte sich niemand aufgeregt, auch nicht über die kleine Feier nach dem Argentinienspiel" zurück