Quelle: Archiv MG - KULTUR SPORT - Verrückte im nationalen Dienst


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       Wochenschau
       

"DEUTSCHLAND, DEUTSCHLAND ÜBER ALLES"

gröhlten die Fans in der Dortmunder Westfalenhalle mit, als nach dem 4:3 der BRD/Westberlin-Auswahl gegen die Eishockeymannschaft der DDR die Nationalhymne gespielt wurde. 10500 westdeutsche Men- schen "vergriffen sich" keineswegs "peinlicherweise im Text", wie die "Süddeutsche Zeitung" vom 25. April kommentierte: Sie sangen, was die Stunde geschlagen hat, und lösten auf ihre Weise die "deutsche Frage". Beim Eishockey besteht sie darin, daß das Auf- treten einer DDR-N a t i o n a l mannschaft erstens ohnehin ein Skandal ist, der zweitens zur Provokation wird, wenn sie sich un- seren Jungs beim Erreichen der Finalrunde in den Weg stellt. Ob- wohl angeblich "zwei deutsche Teams" gegeneinander gespielt haben sollen, kam kein Zweifel auf, wem die "Deutschland, Deutschland"- Anfeuerungschöre galten: Die DDR fertigmachen - das ist Deutsch- land! Die Burschen auf dem Eis wußten, daß sie diesmal das S p i e l e n gar nicht erst probieren mußten; so k ä m p f t e n sie, mit Erfolg, was man den DDR-Spielern hin- terher ansehen konnte. Das Transparent eines Witzbolds auf den Rängen "Hallo Erich, schön daß wenigstens die raus dürfen!" - paßte nahtlos zum Versuch anderer Sportfreunde, die Trennscheibe hinter der DDR-Spielerbank einzuschlagen: B e l i e b t hätte sich das Aufgebot aus Ostberlin und Weißwasser bei uns nur machen können, wenn es samt Trainer vor Spielbeginn seinen Entschluß er- klärt hätte, im "freien Teil Deutschlands" zu bleiben. Das Ostberliner "Deutsche Sportecho" wunderte sich hinterher: Die DDR-Mannschaft hätte doch "in keiner Weise mit i h r e m V e r h a l t e n auf und außerhalb d e s E i s e s Anlaß ge- geben, daß sie als Schweine, Mörder beschimpft wird." Als ob es darum ginge beim Sport, und nicht nur beim sogenannten innerdeut- schen: Da ist die beste Eishockeymannschaft die unbeliebteste Na- tionalmannschaft in der Publikumsgunst (Sowjetunion), die CSSR wird einmal fanatisch angefeuert (gegen die Russen) und ein an- dermal höhnisch ausgezählt (gegen die BRD), die Italiener steigen verdient ab, weil sie mit etlichen eingemeindeten Kanadiern so foul holzen, wie das nur den unsrigen mit ihren Roy-Roedgers zu- steht - und überhaupt ist jetzt die Bundesrepublik a u c h im Eishockey wieder wer. Das ist das einzige Resultat dieser WM, auf das es wirklich ankommt! zurück