Quelle: Archiv MG - KULTUR LITERATUR - Von Bestsellern
zurück
Roger Willemsen: Kopf oder Adler. Ermittlungen gegen Deutschland.
Berlin 1990.
IDEOLOGIEKRITIK MIT OHNMACHTSERKLÄRUNG
Nur wenigen fällt im intellektuellen Streit um den Zeitgeist, den
die Nation heute braucht, die grundlegende Einigkeit so gut wie
aller Fraktionen darin auf, daß das deutschnationale Geistesleben
so etwas wie b e l a s t e n d e E l e m e n t e kennt, die
als Mitgift der Vereinigung erkannt und schleunigst entfernt wer-
den müssen. Noch wenigeren ist klar, daß diese Einigkeit die
klare Folge eines Grundkonsenses über die höchsten nationalen Gü-
ter ist, der theoretisch bodenlos und praktisch niederträchtig
ist. Roger Willemsen gehört zu den wenigen.
Der Befund: Die deutsche Ideologie ist theoretisch bodenlos...
--------------------------------------------------------------
Gegen die öffentliche Debatte um nationale Identität wendet Wil-
lemsen ein:
"'Nationale Identität' ist eine Sache, die sich bei den meisten
Menschen als spontane intellektuelle Zentralverriegelung aus-
wirkt. Man weiß nicht, was sie ist, aber wunderschön soll sie
sein und notwendig, und jeder soll sie haben." (11)
Er sieht, daß sich der Gedanke, die bloße Zugehörigkeit zu einem
Staat oder Kollektiv sei selbstverständlich und natürlich und
auch noch erfreulicherweise von einer dazu passenden persönlichen
Eigenschaft begleitet, mit Vernunft nicht verträgt. Ihm kommt es
als intellektuelle Bornierung vor, daß im K o l l e k t i v
alle Bezugspunkte liegen sollen, die dem I n d i v i d u u m
seine "Identität" verpassen. Da liegt er durchaus nicht falsch.
"Am genauesten weiß natürlich der Präsident, daß man erst Deut-
scher ist und dann Mensch. Weizsäcker vertritt eine Vorstellung
vom Deutschsein mit klaren und unklaren Perspektiven; die klaren:
'Ich bin ein Deutscher wie ein Franzose ein Franzose ist oder ein
Russe ein Russe.' So weit so klar. Jetzt wird es anspruchsvoller,
denn dieses Deutschsein ist außerdem noch eine Aufgabe: Weizsäc-
ker fordert auf, natürlich national zu empfinden, denn ein feh-
lendes Nationalgefühl sei 'ungesund'. Die Verbindung zwischen
deutschem Nationalgefühl und Begriffen wie 'gesund', 'natürlich'
und 'ungesund', also dem Wortfeld der Psychopathologie bereitet
dem Mann keine Schwierigkeiten." (12)
Ihm fällt auf, daß man auch schon am Präsidenten der Deutschen
bemerken kann, wie wenig die Versenkung des Nationalismus ins -
gesunde - Gefühlsleben einem auf Einsicht erpichten Denken nach-
vollziehbar ist. Auch schöngeistige Genüsse wollen sich bei Wil-
lemsen nicht einstellen, wenn er den Oberdeutschen von seiner Ge-
sundheit reden hört, und auch da liegt er richtig.
"Franz Xaver Kroetz, der nun wirklich genug hätte, worüber er
sich schämen könnte, spezialisiert sich auf 'die heiße Scham,
Deutscher zu sein', denn 'Wir werden in der Welt nicht mehr
ernstgenommen.' Wolf Biermann schämt sich sportlich: 'Ich will es
nicht wahrhaben, daß ich das blöde As von Boris Becker will.'"
(13)
Er täuscht sich auch darin nicht, daß die Aushängeschilder der
modernen deutschen Kultur in dieser Frage keinen Deut besser sind
als die anderen.
...und praktisch niederträchtig
-------------------------------
Gegen die Verwendung eines Worts, dessen bloßes Aussprechen den
Beweis darstellen soll, daß die Demokratie die beste aller mög-
lichen Welten ist, wendet Willemsen ein:
"...(Johannes) Rau: 'Freiheit, das bedeutet, einen Arbeitsplatz
zu haben.' Das ist jetzt für die gesagt, die jeden Morgen in Fa-
brik und Büro rennen mit den Worten: 'Heute nehme ich mir mal
wieder die Freiheit!' Wenn diese Werktätigen aber dann die Masse
der Arbeitslosen schon in die Zwei-Uhr-Vorstellung von
'Deutschland ohne Lendenschurz' laufen sehen, dann kommt ihnen
mit Sicherheit z u l e t z t der Gedanke: 'Sind die aber heute
mal wieder unfrei!' Das Vertrackte ist eben, daß vielmehr der Ar-
beitsplatz und alles, was mit ihm zusammenhänt, zum Inbegriff der
Unfreiheit geworden ist, wobei man o h n e ihn wiederum von der
Freiheit einer 'menschenwürdigen' Lebensführung ausgeschlossen
bleibt. ... Vielleicht gibt es nun Bürger, die sich die Freiheit
... immer anders vorgestellt haben. Die könnten jetzt erkennen,
daß sie die Freiheit nicht haben, und zwar schon aus dem einfa-
chen Grunde, weil sie in ihrem Namen zu viele Hypotheken auf-
nehmen mußten. Die Freiheit des Westens erkaufen sie mit Waffen-
systemen, die Freiheit der Wahl mit Parteien, die sie nicht mal
unfrei wollen würden, die Freiheit der Meinungen mit Meinungen,
für die man keine braucht, die Demonstrationsfreiheit mit der An-
drohung körperlicher Vernichtung und natürlich alle Freiheiten
überhaupt mit ihrer Arbeit. Genau genommen, stellen sie viel-
leicht fest, bringt der Staat die Freiheit als ein Placebo unter
die Bürger: Sie werden sich schon frei fühlen."
Gegen alle Freiheitslobhudler hält er fest, daß man "Freiheit"
hierzulande nur als Attribut b e s t e h e n d e r Institutio-
nen verstehen soll; und daß, wer das ausnahmsweise, sozusagen zur
Probe mal s a c h l i c h ernst nimmt, die größten Absurditäten
erntet.
Gegen die "realistische" Seite der Freiheitslobhudelei, die nicht
müde wird zu betonen, daß die Freiheit auch ihren "Preis" habe
und gar nicht umsonst sei, wendet er ein, daß es sich in Wahrheit
umgekehrt verhält: Erst kommt das, was unter diesem "Preis" ge-
führt wird, nämlich die Staatsgewalt, die die Verhältnisse setzt,
und der Gehorsam der Bürger - und dann darf man sich alles als
Gelegenheit und Freiheit vorstellen.
Willemsen zitiert eine Welt von Ideologien, die er nicht nur per-
sönlich degoutant, sondern vor allem sachlich verkehrt und prak-
tisch zynisch findet. Er ü b t K r i t i k an der natio-
nalistischen Lobhudelei und sucht den Widersinn freier Liebeser-
klärungen an ein Kollektiv, das man sich gar nicht ausgesucht
hat, auch zu e r k l ä r e n.
Die Erklärung: Hier waltet Bemäntelung...
-----------------------------------------
Mit der Erklärung der Funktionsweise dieser Ideologien setzt Wil-
lemsen leider nicht an den inkriminierten Phänomenen selber an.
"Entweder ist nämlich mit der nationalen Identität eine Tautolo-
gie gemeint, also die Tatsache, daß meist der Geburtsort die
Frage der nationalen Zugehörigkeit festlegt, oder es soll mit
leidenschaftlichem Pomposo bemäntelt werden, wo es diese Identi-
tät wirklich gibt: nämlich in der jahrhundertealten, geradezu
einzigartig ungebrochenen Tradition von Daimler-Benz, Siemens
oder Krupp. In dieser Bedeutung aber ist das Nationale nichts an-
deres als ein Konkurrenz-, wenn nicht ein Kampfbegriff, der die
Kontinuität des ökonomischen Wettbewerbs beschreibt, als populäre
Fanfare aber angestimmt wird, wo es eigentlich um die sentimen-
tale Verpflichtung auf die Wirtschaftsmacht geht."
Das haut nicht hin. Natürlich ist die nationale Identität sach-
lich nicht mehr als die - in der Regel per Geburtsort entschie-
dene - Zugehörigkeit eines Menschen zu einem Staat. Aber Willem-
sen war doch schon dabei, sich das F i k t i v e an dem Gedan-
ken vorzuknöpfen, die nationale Identität sei m e h r als das,
sie liege beispielsweise in einer Schicksals- oder in einer Kul-
turgemeinschaft. In diesen fiktiven Attributen der nationalen
Identität muß doch wohl das Geheimnis ihrer Attraktivität liegen.
Und in ihnen muß sich auch die e i n g e b i l d e t e natio-
nale Identität mit dem Jasagen zum w i r k l i c h e n Staat in
seiner ganzen Schäbigkeit zusammenschließen.
Willemsen gibt auf die Analyse dieser fiktiven Attribute nicht
viel. Er setzt einfach dagegen, was er für die wahre, unge-
schminkte nationale Identität hält: Das Fortbestehen von Krupp,
Siemens usw.; und das Schiefe und Verlogene ist für ihn der Zu-
sammenschluß von rein menschlichen Gefühlsdingen und harten öko-
nomischen Wettbewerbsanforderungen, die "sentimentale Verpflich-
tung auf die Wirtschaftsmacht." Und das ist nun ganz und gar
nicht des Pudels Kern.
Diese Analyse paßt nämlich nicht zum gemachten Befund. Allseiti-
ges freudiges Jasagen verträgt sich nicht mit einem Bemühen um
Bemäntelung. Wer an seiner Nationalität hängt, so sehr daß er
seine nationale Identität in immer neuen oder auch alten
phantasievoll-bescheuerten Titeln beschwört, hat nicht die Not,
einen eigentlich prosaischen, brutal ökonomischen Charakter sei-
ner Nation übertünchen und sich zurechtlügen zu wollen. Er hängt
doch bloß an seinem Phantom, das andere ist ein anderes Thema für
ihn! W e n n Daimler Benz usw. für ihn dann mal Thema wird, dann
eher so, daß der Nationalist hier n o c h einen Grund sieht,
auf seine Nation stolz zu sein. Sentimental ist das schon, aber
es ist keine Verpflichtung. Es ist der Abklatsch der in der Na-
tion wirklich maßgeblichen Zwecke, die auf Eroberung des Welt-
markts und Willfährigmachung anderer Staaten aus sind; Teil eines
solchen tollen Gemeinwesens zu sein ist die sentimentale Befrie-
digung des Nationalisten.
Wie sollten sich auch Leute, die nicht Krupp oder Siemens heißen,
auf Krupp oder Siemens verpflichten lassen? Durch Täuschung? Wie
soll aber die Täuschung funktionieren? Wie soll der Jubel über
das deutsche Tennis-As eine Loyalität zur deutschen Wirt-
schaftsmacht enthalten können? Der Nationalismus, im Tennis oder
sonstwo, zielt tatsächlich auf etwas Abstrakteres als auf die
deutsche Ökonomie. Er zielt auf die Einheit der Nation selbst.
Verschleiert wird dabei gar nichts, bis auf das Eine: daß die
Einheit der Nation ein Werk der Gewalt und nicht der Zusammen-
schluß einer Fan-Gemeinde ist.
Willemsens Erklärungen über den Zusammenhang zwischen den - von
ihm korrekt als unterschieden festgehaltenen - kursierenden
brunzdummen nationalistischen Ideologien einerseits und der
echten staatsmaterialistischen Identität des Nationalismus
andererseits kriegen diesen Zusammenhang gerade nicht zu fassen.
"Aber das ist ja oft so: je entschiedener die Menschen von den
politischen Vorgängen ihres Landes abgeschnitten werden, desto
leichter fällt es ihnen, bei jeder staatlichen Initiative WIR zu
sagen."
W i e s o i s t d a s s o? Wieso fällt es ihnen leicht, sich
mit Verhältnissen zu identifizieren, die sie gerade nicht in der
Hand haben? Strenggenommen bietet Willemsen eine Doppelerklärung
für die Zugkraft des Nationalismus an, die in sich nicht aufgeht:
Einerseits liegt es an den Leuten - wenn sie schon sonst nichts
zu sagen haben, leisten sie sich wenigstens die kleine Freude,
sich i d e e l l als Mit-Macher einzugemeinden, und sagen WIR;
andererseits liegt es an dem engumgrenzten Kreis der wahren Ma-
cher und Nutznießer der Nation, die schönfärberische Ideologien
unter die Leute streuen, die von sich aus keine Gründe haben, na-
tionalistisch zu sein, weil sie nicht die realen Macher der Na-
tion sind. Wenn sie sich dann doch von der Nation magisch angezo-
gen fühlen, müssen Gründe am Werk sein, die jenseits aller
berechnenden Vernunft liegen: Täuschungsmechanismen.
Es kommt eben nichts Gescheites dabei heraus, wenn man, ausgehend
von der Erkenntnis, daß es für Nationalismus keinen vernünftigen
Grund gibt, dann die praktische Ärgerlichkeit nicht wahrhaben
will, daß die Leute sich mit unvernünftigen Gründen zufrieden ge-
ben. Da bleibt man einerseits bei der polemischen Konstatierung
dieser unvernünftigen Gründe stehen und sucht andererseits nach
einem jenseits aller freien Verstandesbetätigung liegenden mecha-
nistischen Grund für den Mist.
...und der Zeitgeist macht das Ganze immun gegen Kritik
-------------------------------------------------------
Auf der Suche nach einem solchen mechanistischen Grund kommt Wil-
lemsen am Ende seines Buchs auf den Z e i t g e i s t zu spre-
chen, der klären helfen soll, wieso die Leute sich dafür herge-
ben, ja praktisch und theoretisch engagieren, bloßes Rädchen in
und für Deutschland zu sein.
"Einerseits werden die Zeitgeist-Interessen im wesentlichen durch
den Begriff des Luxus zusammengehalten, das verlangt nach mehr
Lohn; andererseits, so das populäre Sklavenargument für mehr Lei-
stung, entspricht so ein blindwütiges Erwerbsstreben einfach der
'Natur des Menschen'." (198) "Die trostlose, eindimensionale Le-
bensplanung, auf die die Lohnabhängigen in ihrer Angst vor dem
ausbleibenden Aufstieg häufig verpflichtet werden..." (198)
Das ist total daneben. Willemsen spielt auf den ökonomischen
Zwang an, sich zwecks Leben auf einen Job einlassen zu müssen,
der einen so fordert, daß man nicht mehr arbeitet, um zu leben,
sondern lebt, um zu arbeiten; und sich diese Verdrehung ganz zu
eigen machen zu müssen, will man in die engere Wahl für einen
eventuellen Aufstieg kommen oder auch nur nicht zum nächstbesten
Entlassungskandidaten werden. Große Alternativen bleiben da
nicht. Willemsen zitiert diesen Zwang, aber so, als ob doch ent-
scheidende Alternativen übrigblieben: Die Lohnabhängigen werden
zwar "verpflichtet", aber bloß "häufig", und auch noch mit Bezug
auf ihre "Angst vor dem ausbleibenden Aufstieg" - als ob sie ein-
fach nur entscheiden müßten, daß ihnen der Aufstieg diesen Preis
nicht wert ist, um von der "trostlosen, eindimensionalen Lebens-
planung" befreit zu sein!
So gesehen, erscheint der tatsächliche ökonomische Zwang nur noch
wie eine irreführende Verlockung, und das massenhafte Sich-dem-
Fügen wie ein ideologischer Grundkonsens. Dann ist die Angewie-
senheit auf den Lohn die Ideologie, m e h r Lohn haben zu müs-
sen, und der Zwang zum Engagement der Glaube an die Ideologie,
der Mensch sei ein Arbeitstier. Dann ist das ganze Funktionieren
des modernen Staats, den Willemsen durchaus auch als Klassenstaat
mit einem eingerichteten Zwangsverhältnis von Machern einerseits
und Menschenmaterial andererseits kennzeichnet, letztlich doch
auf einer durchgesetzten Ideologie namens Zeitgeist gebaut.
Stimmen tut das überhaupt nicht, auch abgesehen von der falschen
Charakterisierung des Lohnverhältnisses, das angeblich noch ganz
andere Alternativen der Lebensplanung zuläßt. Denn wie sollen
Leute, die ihren Schaden von der Nation haben u n d zugleich
die freie Möglichkeit, sich das Leben anders einzurichten, durch
bloße Zeitgeist-Ideologien fortwährend zur Zustimmung des für sie
schädlichen Zustands gebracht werden können?
Die einzige Erklärungsmöglichkeit liegt dann nur noch darin, daß
die Leute e i n f a c h s o d o o f s i n d, so untertänig
und gedankenlos, daß sie bar jeder vernünftigen Überlegung zu ih-
rem Leben einfach machen und denken, was ihnen vorgemacht und
vorgesagt wird. Da kann man dann wirklich nichts mehr machen.
Der Schluß: Dann sind wir eben trostlose Durchblicker
Zu dieser erschwindelten unabänderlichen Notwendigkeit hat sich
Willemsen schließlich vorgearbeitet. Folgerichtig fragt er sich
zum Schluß, was für ein Platz denn i h m mitsamt den wenigen,
die es ähnlich sehen, in dieser Gesellschaft von Hornochsen, die
nichts dafür können, beschieden sei.
"Der Sinn jener komplizierten Selbstbestimmung, die einerseits
weiß, daß man sich bei unvoreingenommener Betrachtung mit der
Wirklichkeit nur nicht einverstanden erklären kann, daß man also
nur im Zustand der Kritik geistig überhaupt überlebt, daß diese
Kritik aber andererseits nichts fruchtet, kein Gegenüber und
keine Mittel besitzt, weil die Wirklichkeit inzwischen völlig re-
sistent gegen sie ist. Es lohnt sich also nicht, es sei denn, we-
nigstens jene, die sich mit Politik beschäftigen, merken noch,
wie sie sich mit ihnen beschäftigt." (200)
Das ganze Buch deutet zwar darauf, wie ideologisch, geheuchelt
und sachlich verkehrt die gängigen Meinungen zu Freiheit und Na-
tion sind. Es ist voll von Anspielungen darauf, daß es systema-
tisch Nutznießer gibt und solche, die den Schaden haben. Und es
läßt immer wieder durchblicken, daß der unbeirrte Wille letzte-
rer, trotzdem mitzumachen, theoretisch nur Fehler machen kann und
praktisch ein einziger Fehler ist. Dann aber die Ebene zu wech-
seln, die Sache nicht mehr als eine Frage von Willen und Bewußt-
sein anzusprechen, sondern Anleihen bei der Immunologie zu machen
und zu behaupten, die Leute seien "resistent" gegen Kritik, fegt
alle Analysen vom Tisch und zelebriert bloß eine gar nicht sehr
gescheite Schicksalstheorie über den schäbigen Lauf der Welt und
die trost- und machtlos dreinblickende Vernunft.
"Es lohnt sich also nicht" - eine etwas absurde Konklusion am
Schluß eines Buchs, das kritisieren will. Und tatsächlich stimmt
es auch nicht ganz. Denn für intellektuelle Schwelgerei im Ab-
grund zwischen eigenem Scharfsinn und massenhaftem Stumpfsinn hat
sich die Sache ja doch gelohnt. So findet der Intellektuelle
seine Ruh. Und so, nämlich wenn sich der Geist selbst als a
priori machtlos deduziert, schätzt auch der "Adler" den "Kopf"!
Aber, wie man in der siebten Willemsen-These nachlesen kann: "Es
kömmt nicht drauf an, in der Welt als Kritiker zu überleben, son-
dern sie zu verändern!"
zurück