Quelle: Archiv MG - KULTUR KUNST/DICHTER - Kunst, Dichter, Intellektuelle
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 95, 05.06.1984
KULTURNOTIZEN
Udo Lindenberg am 26. Mai über ARD direkt für die DDR live aufge-
zeichnet in Westberlin. Wirklich nicht bloß ein "Schlageraffe",
sondern noch dazu "echt locker" Kulturbotschafter des Ministeri-
ums für innerdeutsche Beziehungen der Bundesanstalt für politi-
sche Bildung und der Aktion Sühnezeichen. Da schmeißt sich ein
ausgewachsener Pfadfinder in die Rockeruniform und vollbringt mit
jedem Titel eine gute Tat: Die Mauer muß weg, damit auch die Ost-
zone endlich vom Panik-Orchester überzogen werden kann; der
"Raketenschrott" muß weg, damit der "kleine Udo" endlich wieder
einen Sinn in Krieg entdecken darf; die "Nazischweine" müssen
weg, damit die offizielle Hinaussäuberung der Türken Herrn Lin-
denberg nicht mehr an "früher" erinnert. Da ist jeder Song prall
voll Schlagzeug-Moral, "unheimlich ätzend" wird der Welt der Pelz
gewaschen, ohne sie naß zu machen: Ein biederer Punkspießer offe-
riert seinen Fans die "Schuldigen". Die Herren heißen Wahn- und
Unsinn. Und in Westberlin besitzen die Panikmusiker den nahezu
unglaublichen Mut, das halbe Programm hindurch auf den Osten ein-
zudreschen - wenn das keine "Provokation" ist! Dafür läßt "Lindi"
sich gerne mal "kastrieren": Seinen Nonnensong, wo ihm eine
"schändliche Beleidigung des Ordensstandes" unterlaufen sein
soll, hat ihm der Sender Freies Berlin rausgeschnitten, bevor die
"Götterdämmerung" garantiert "ungetürkt und unzensiert"
(Lindenberg) den Brüdern und Schwestern in Ost und West heimge-
strahlt werden durfte. Ein gesamtdeutscher Depp, den uns die FDJ
nun leider doch nicht abnimmt!
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