Quelle: Archiv MG - KULTUR KUNST/DICHTER - Kunst, Dichter, Intellektuelle


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 11, 18.05.1980
       

DER ARCHITEKTURSTUDENT: GENIE ODER ZEICHENKNECHT?

In ihrer Aktionswoche hat es die FS-Architektur geschafft, sämt- liche Blödheiten, die ein Architekturstudent so im Hirn hat, auf den aktuellen Stand zu bringen: "Neue Wohnformen": Nicht verzweifeln, heißt die Devise. Auch wenn noch jeder weiß, daß die "Wohnqualität" davon abhängt, wieviel man für das "Grundbedürfnis Wohnen" ausgeben kann braucht es doch nur ein wenig guten Willen - auch "Verantwortung" genannt - des Architekten, um hier und jetzt, ganz konkret "unsere inhumane Wohnwelt" zu versüßen. - 'Guter Architekt ist, wer's bleibt'. "Die Rolle des Architekten bei der Stadtsanierung" und "Projektstudium Hannover": So richtig schwelgen im Gefühl der "Benutzerfreundlichkeit" läßt es sich beim Auspinseln der sozia- len Bedingungen des Planens, so daß keinem mehr auffällt, daß der perfekte Sozialwohntrakt (was man nicht alles machen kann aus 72 qm für 4 oder mehr Personen) die Notwendigkeit solcher Elends- quartiere unterstellt: 'Guter Architekt ist der beste Sozialar- beiter.' "Das Berufsbild des Architekten" oder 'Der gute Architekt, der letzte Unterprivilegierte': Ach, der arme Zeichenknecht in den Büros, nicht einmal ordentliche Tarifverträge soll er haben. Nur komisch, daß noch keiner dieser Ausgestoßenen auf die Idee gekom- men ist, sich eine Stelle dort zu suchen, wo das Paradies der ta- rifvertraglichen Regelungen herrscht. Doch die Knechtschaft des Architekten beginnt schon viel früher - im Studium. Alle Beschwerden, die in der Veranstaltung "Wie ich mache Entwurf???" an die auwesenden Profs gerichtet wurden, be- schwörten den Niedergang der Münchner Architektur, wenn man nicht endlich die Individualität der Studenten sieh frei austoben läßt. Doch da waren sie bei ihren Ziehvätern, die z.T. von einem Über- schuß an Archtitektenhormonen nur so strotzen, gerade an die Richtigen gekommen. Mit den letzten angelesenen BAUHEFT-Ideolo- gien über Kreativität Erleuchtung, Durchbruch etc. ließen diese ihre Zöglinge ganz schön auflaufen. Professoren wissen halt immer noch am besten, was für die Kreativität ihrer Zöglinge gut ist. Der Vergleich des Entwerfens mit dem Erlernen der Sprache mußte ja allgemeine Begeisterung auslösen, denn schließlich leuchtet auch dem schönsten FS-Vertreter ein, daß sein erster Badezimme- rentwurf eigentlich dasselbe ist wie sein erstes "Mama"-Gekrähe: 'Der Student im Zeichensaal - sprachlos.' Wie dem auch sei. Es tat wohl, sich als der unverstandene, aber doch so gutwillige Zauberlehrling der Hexenküche der Mysterien der Architektur zu fühlen, und so ist es eigentlich unverständ- lich, daß auf dem armen Kurti immer so rumgehackt wurde, der den Begriff der Diskussion: die unterjochte Seele, als persönlichen Akt zum besten gab. "Feminine Architektur" oder 'Die Frau im Architekten': So ist es denn auch nicht verwunderlich, daß ein paar Weibsbilder draufkom- men, weil ihnen ja per XX-Chromosomensatz die Gefühlsdominas zu- steht, sich als die besten und unverstandensten Architekten auf- zuführen. zurück