Quelle: Archiv MG - KULTUR KUNST/DICHTER - Kunst, Dichter, Intellektuelle


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       Kroetz
       

HEIMAT, DEINE STERNE

Wenn der Schriftsteller Franz Xaver Kroetz seinen Austritt aus der DKP der Öffentlichkeit mit einer "Sensibilisierung im Ver- hältnis Mensch-Umwelt" erklärt, so heißt dies nicht, daß sich hier ein von tiefem feeling überwältigter Intellekt in ein allum- fassendes Verhältnis aufzulösen droht. Geschärfter Geist meldet sich vielmehr in Kroetzens Entscheidung für den rechten 'Zeitmarsch' an: Es ist nicht mehr 'in' für West- deutschlands Intellektuelle, den "Sang der Gesänge (für) den Marsch der roten Kolonne" erschallen zu lassen. Wirklich unsensi- bel von denen, die 'trotz Afghanistan' immer noch fürs falsche Deutschland Partei ergreifen, gerade "gegenwärtig (von ihren Kroetzen) besonders viel Verbundenheit zu verlangen". So wird die DKP damit überführt, daß sie dem kunstschaffenden Ex- Genossen doch wahrlich durch solch mangelnde "Differenzierung" in Sachen "realer Sozialismus" "schmerzliche Widersprüche beim Schreiben" bereitete. Solch ästhetisch fruchtbar gemachter Anti- kommunismus ist es dann auch wert, von der Presse anders bedacht zu werden als diejenigen, über die nach der Bundestagswahl unter der Rubrik "Stimmenverluste der DKP" ('= extreme Parteien haben bei u n s keine Chance') mit einer Zeile 'informiert' werden wird. Genüßlich auf die Koketterie des Autors mit sich als Poli- tikum anspielend (Kroetz über Kroetz: "Da aber der S c h r i f t s t e l l e r sehr oft mit den Ellen des Partei- mitgliedes gemessen worden ist und dieses Bild möglicherweise (!) auch in der Öffentlichkeit vorherrscht, bedarf es doch der Erklä- rung dieses von mir an sich als p e r s ö n l i c h betrachte- ten Schrittes") weiß die "Süddeutsche Zeitung" über den glücklo- sen politischen Ausgang des "Menschen Kroetz" zu berichten: "Jetzt arbeitet der Mensch Kroetz wieder an seinem lange geplan- ten Roman, und am 22. Mai wird in Recklinghausen sein Stück 'Der stramme Max' uraufgeführt." So schlägt durch alle Irrungen und Wirrungen der Heimatliebe die "Utopie eines eigenständigen n a t i o n a l e n - b a y e- r i s c h e n - Sozialismus" durch, dessen gesunde "Hiesigkeit" sich Bahro-mäßig vorzutragen weiß: "Ich bin alles in allem heute eher fortschrittsskeptisch, was sich schwer mit dem Bild des herkömmlichen marxistischen Fort- schrittsglaubens vereinbaren läßt." Der stramme Abgang des Franz Xaver hält einen Jörg Högemann vom Referat Öffentlichkeitsarbeit der südbayerischen DKP noch lange nicht davon ab, tief in den Kroetz zu kriechen und sich dort zu verankern: "Wir respektieren, wenn jemand eine andere Form des Verhältnisses zu uns sucht." Bei soviel Heuchelei darf bei der DKP die förmliche Verachtung für einen, auf den man so scharf ist, nicht fehlen; so fand Kol- lege "Sepp" Herburger: "Ich habe Theatralikern schon immer mißtraut. Ihre sehr öffentli- che und ebenso beklatschte oder geschätzte Kunst führt gern zu artnahem (!) Opportunismus..." *** Leute von gestern ----------------- Wahrscheinlich zur Finanzierung eines neuen Toupets, welches er zur Aufrechterhaltung gewisser Illusionen braucht, hielt Prof. Elmar Altvater am 6.6.80 vor dem MIC-Management Informationscen- ter im Münchner Hilton einen Vortrag des Inhalts: "Ist der Kapi- talismus eine Illusion?" (Manager-Magazin) *** Wohin geht die Frauenbewegung? ------------------------------ (In der "tageszeitung" vom 30. April gibt Frau Barbara Auskunft über den aktuellen Stand der Frauenbewegung: er befindet sich ir- gendwo im Mittelalter:) "Der lebensbejahende Charakter des Mittelalters, die Freude und die Lust am Leben und Ausdruck der noch unmittelbaren Naturver- bundenheit der Menschen." "Die Frauen tanzten, das Gesicht nach außen gerichtet, in einem Kreis um die Symbole des ewigen Naturkreislaufs: um einen Baum, ein Feuer oder eine andere Frau. Der Kreis selbst, der keinen An- fang und kein Ende hat, ist das Rad der Jahreszeiten und des gan- zen Lebens mit Geburt; Tod und Wiedergeburt." "Auf der Walpurgisnacht herrschte eine Atmosphäre der Ausgelas- senheit und Lebenslust, die wir heute verlernt haben." (a.a.O., S. 5) zurück