Quelle: Archiv MG - KULTUR FILM - Von Wim Wenders u.a.

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       Kulturelle Feindbildpflege
       

RAMBO

Der Film... ----------- ist ein Renner. Logo. Denn die Botschaft stimmt total. Für "uns". Rambo, einer von "uns", also gut, springt über Vietnam (Feindesland) mit dem Fallschirm ab, vermanscht dort "für das Va- terland, das ich mehr liebe als mein eigenes Leben", 5000 guttu- rale Laute ausstoßende Schlitzaugen mit einem roten Stern an der Mütze und ein paar echte Iwans, Untermenschen also, zu Hack- fleisch, trifft immer, die anderen nie, Ende. Von welchem Geist sich die Drehbuchschreiber inspirieren ließen und auf welche durchgesetzte öffentliche Meinung sie für ihren Kassenschlager geschielt haben, ist kein Geheimnis. Ronald Rea- gans Kreuzzugspolitik gegen den Osten; das als unverbrüchliches "Recht" angemeldete Interesse der Amis, für alles auf dem Globus "zuständig" zu sein, also in ihrem Sinne aufzuräumen; die selbst- herrliche Gleichung, daß w e s t l i c h e Gewalt = gerechte Gewalt - all das muß schon total gefressen sein, um daraus einen Film zu machen. Das begeisterte Einverständnis mit diesem ungemütlichen Herr- schaftsprogramm als eine Abenteuerfilm zu drehen, bringt aller- dings gleich ein paar unumgängliche künstlerische Freiheiten mit sich. In der Figur "Rambo" verkörpert sich der ebenso bezeich- nende wie lächerliche Wunsch ihrer Schöpfer, einen Menschen zu stilisieren, der überhaupt keine anderen Zwecke kennt, als über- all für das Recht seines Staates zu kämpfen: einen Menschen, der S o l d a t aus Berufung i s t. Rambo ist der Staatsbürger als Held, der s e i n e n Krieg gegen das Böse in der Welt führt - gegen den richtigen Feind seiner Nation zwar, aber auch jenseits von allen politischen Berechnungen, nach denen seine Führer ihre Gemetzel in Wirklichkeit kalkulieren. Der Film-General lobt ihn dafür mit den treffenden Worten: "Er ist die fehlerfreie Kampfmaschine mit nur einem Gedanken: den Krieg zu gewinnen", was Rambo selbst so sieht. "Verstand ist die beste Waffe!" Kurzum: Rambo ist der p e r f e k t e F r e i h e i t s- h e l d; sein Verstand ist wie ein Maschinengewehr: balla-balla- balla. Das alles ist hierzulande ziemlich vertraut (und darum kommt der Film gut an): Totale Unterordung im Dienste der Ehre der Nation - eine Selbstvertändlichkeit; Geringschätzung des eigenen Lebens (das der Gegner sowieso) - für das Vaterland allemal; und die entsprechenden großkotzigen Sprüche dazu (Rambo: "Um den Krieg zu gewinnen, muß man selbst zum Krieg werden") - Hugh. Die Feier solcher Kämpfernaturen beherrschen zivilisierte Stammtischbrüder bei Boris wie beim Barras. Und doch ist Rambo besser. Alle diese bekannten Untertanentugenden sind in ihm als der höchste Ausdruck von P e r s ö n l i c h k e i t, von F r e i h e i t des Men- schen schlechthin versammelt. Rambo, der stolze Einzelkämpfer. Der ("Die Hölle ist mein Leben") b e d i n g u n g s l o s den Auftrag seines Staates erfüllt. Der selbst dann noch, wenn zöger- liche (weil kalkulierende) Bürokratennaturen aus dem Hauptquar- tier (natürlich in Schlips und Kragen) einen Schlamm- und Front- kämpfer wie Rambo längst abgeschrieben haben, den Auftrag zu s e i n e r Sache erklärt, welcher ein aufrechter Urwald- desperado schon der gefangenen Kameraden wegen moralisch verpflichtet ist. Nein, der Soldat ist nicht einfach eine "entbehrliche Nummer", der für seine Nation schlachtet und den Kopf hinhält - Rambo überhöht das Soldatendasein mit seinem unbeugsamen Heldenmut vielmehr in die "Unentbehrlichkeit" eines solchen Affen wie ihm, der vor lauter Muskeln, Doofheit und Verantwortung kaum laufen kann. Erst dadurch wird Rambo zur "Kultfigur". Auszusetzen hat dieser Typ an seinen Befehlshabern logischerweise nur eines: "Das Vaterland liebt uns" (die Soldaten) "nicht so wie wir es lieben." (Schlußwort) was einerseits geflunkert, andererseits Künstlerpech ist. ...und seine öffentlichen Kritiker ---------------------------------- Da wird also ein Machwerk auf die Leinwand geschmissen und hat - wen wundert's ? - Erfolg, das seine ganze künstlerische Freiheit in die absolute Linientreue zu den obersten Werten des Abendlan- des legt, die bekanntlich jedes Opfer rechtfertigen, und was pas- siert? Einigen geschmäcklerischen Meinungsmachern (den Betreuern des demokratischen Verstandes also), ist Rambo z u b r u t a l. Wo sie ansonsten für jede Schlächterei der freien Welt tausend- undeinen gute Gründe kennen wollen - "Sachzwänge" und "Schwierigkeiten" genannt -, welche die Anwendung von Gewalt mal wieder "unumgänglich" machen, leisten sie sich bei diesem Kultur- schinken die wohlfeile Distanzierung, hier würde "Gewalt um ihrer selbst willen verherrlicht"... S i n n v o l l muß sie schon sein, gell? Das Feindbild des Films gilt den demokratischen Kulturwarten der Nation darum als z u p r i m i t i v und dessen Handlung als "unrealistisch". Wenn ein Guter mit Pfeil und Bogen auf einen Schlag tausend Schlimmlinge alle macht, während deren Bomberge- schwader stets einen halben Meter daneben treffen, dann beliebt man das für Kitsch zu halten. Nur: wie hätten wir es denn gerne? Ein etwa niveauvolleres Feindbild und eine glaubwürdigere Story, etwa so wie im richtigen Krieg?! So wäscht die professionelle deutsche Kulturmeute Rambo den Pelz, ohne dessen Botschaft naß zu machen. P.S. Der nächste Film mit Rambo ist schon angekündigt. Da spielt er einen Polizisten. zurück