Quelle: Archiv MG - KULTUR FILM - Von Wim Wenders u.a.


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KULTURNOTIZEN

Der Film über Deutschlands populärste Fixerin Christiane F. ist der erwartete Sensationserfolg geworden. Wir meinen mit Recht, weil er das "Problem" endlich auch einmal positiv anpackt. Den Witz des Films hat der "Spiegel" natürlich nicht begriffen: Sein Titelgeschichtenautor war von den "unendlich langen Beinen der Hauptdarstellerin" derart geblendet, daß er so natürlich nie zum Wesentlichen vordringen konnte. Dabei ist die Botschaft des Films ebensowenig verschlüsselt wie die des "Tatsachenromans": In bun- ten Bildern stellt der Streifen das "Drücken" als schlechte Ange- wohnheit eines Teils der jüngsten Jugend vor, zu dem sie irgend- wie und von irgendwem verführt werden. Die ständig wiederholten penetranten Großaufnahmen vom Schuß in die Vene und den Unappe- titlichkeiten des Lebens in der Szene sollen die alte Weisheit belegen, daß man "clean" angenehmer lebt und der Fixer eigentlich jeden nur erdenklichen Grund hätte aufzuhören. Wie leicht das geht, beweisen Christiane F. und der Schluß des Films: Kaum ge- sunde Landluft geatmet und unter der Fuchtel einer Familienange- hörigen, hat sich das Gör die Unart abgewöhnt. Den Friedenspreis des deutschen Buchhandels kassiert diesmal der exilierte Sowjetmensch Lew Kopelew, weil er deutsch kann, ein Dissident in Rußland gewesen ist und trotz seines altmodischen Vollbarts in allen seinen Äußerungen auf der Höhe der Zeit ist. Gestorben ist Wilhelmine Lübke kurz vor dem Erreichen ihres 96. Geburtstags (oder war's vielleicht der 103.? Sie soll ja ihr Al- ter mit Rücksicht auf den jüngeren Heinrich an ihrer Seite immer nach unten abgerundet haben.) Mehr fällt uns dazu auch nicht ein. Monika Holzner-Pflug ist ihrem Ehemann, einem Herrn Pflug, durch- gebrannt und zieht mit ihrer Goldmedaille zu einem 21jährigen Kollegen im Eisschnellauffach. Weiter nicht bemerkenswert, nur daß der neue Holzkopf an ihrer Seite Abiturient ist und damit den schlimmsten Vermutungen Auftrieb gibt, nicht nur das Abitur sei nicht mehr, was es einmal gewesen, sondern auch die Abiturienten. zurück