Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist

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ERFREULICHES ZUM WEIHNACHTSFEST

Viele sagen, im Jahre 1983 sei alles nur noch schlimmer geworden. Das Weihnachtsfest falle in eine bedrohliche Zeit. Hoffnung für Besserung könne kaum aufkommen. Gerade deshalb sollte man die kleinen Lichter in der dunkler werdenden Finsternis nicht überse- hen. Es gibt sie, besonders jetzt, zum Weihnachtsfest. Einen alten Schmöker, das E v a n g e l i a r H e i n r i c h s d e s L ö w e n, der schon im finstersten Mittelalter ab und zu zu einem guten Buch griff, hat sich die Bundesrepublik Deutsch- land zu Weihnachten geschenkt. Kleine Geschenke erfreuen die Her- zen. Mit der für einen Staat lächerlichen Summe von 32,5 Millio- nen Mark wurde das seltene Buch erstanden. Und Niedersachsens Mi- nisterpräsident Ernst Albrecht hat alle Neider der Freude des Staats über sein Geschenk richtig zurechtgewiesen: "Der Preis ist zwar höher als erwartet, aber die Menschen haben nicht nur materielle Bedürfnisse, sondern auch ideelle. Wenn wir immer warten wollen, bis die materiellen Bedürfnisse befriedigt sind, könnten wir nie Geld für kulturelle Zwecke ausgeben." Wo kämen wir da hin, wenn alle erst alles bekämen, was sie brau- chen. Dann stünden wir ja nackt und arm, also ohne Ideelles da. Weihnachten würd's nie geben und der Staat säß' vor seinem leeren Gabentisch, weil er sich nicht einmal sein Grundgesetz in Ta- schenbuchform leisten könnte. * C a s p a r W e i n b e r g e r, der amerikanische Verteidi- gungsminister, hat just vor dem Friedensfest allen Menschen, die vor einem Atomkrieg Angst haben, Trost gespendet. Er hält "einen auf Europa begrenzten Atomkrieg für ausgeschlossen". Wie beruhi- gend in dieser atomar bedrohten Zeit zu wissen, daß wir nicht al- leingelassen sind in Europa. Die Verstrahlung verschafft uns das Gefühl, daß auch andere Menschen, Amerikaner und Russen, das gleiche Erlebnis haben und alle miteinander mitfühlen. Caspar, wir danken Dir für Deinen Hang zur Mitmenschlichkeit. * Der O b e r k o m m a n d i e r e n d e d e r N A T O - S t r e i t k r ä f t e in Europa, General Rogers, war so freigebig in dieser stillen Zeit, auf einen Schlag alle Atom- kriegsgegner zu beruhigen und dabei zugleich des Fests der Geburt Gottes zu gedenken, an dem man doch so gern gibt, ohne zu nehmen. Er bat die Europäer in der NATO, "die Ausgaben für konventionelle Waffen zu erhöhen, damit die Schwelle zum Atomkrieg erhöht" werde. Dafür müsse das Verhältnis der Verteidigungsausgaben zu den Sozialausgaben von bisher "1 zu 7 auf 1 zu 3" verändert wer- den. Hosianna! Freut Euch, Ihr Rentner, Arbeitslosen, Sozialhil- feempfänger und Behinderten! Ihr könnt etwas wegschenken für einen guten Zweck. Nichts Schöneres, als mit einer dünneren Suppe im Bauch zu wissen, daß Leos und Artillerie-Raketen erst einmal auf die gewohnte Tour für Tote sorgen, bis dann die Schwelle... * Auch im Geburtsland des Herrn Jesus, im Nahen Osten, sind Weih- nachten '83 die Bedingungen für den kleinen Gottessohn viel bes- ser als damals, als die Engel unermüdlich "Frieden auf Erden..." sangen. Heute bewachen gleich drei Friedenstruppen den Stall und die strategischen Umfelder. Flugzeugträger, Schlachtschiffe schießen sogar von See aus jeden falschen Stern ab, der sich über Bethlehem und Umgebung einzustellen wagt. Das kleine Jesulein hat's richtig gemütlich heutzutage, zumal Israel jeden falschen Prediger, jede unjüdische Geburt gleich mit dem "Frieden für Ga- liläa" umzingelt und dann vom Irrtum erlöst. Die Friedenstruppen von vor 2.000 Jahren, die Römer, was waren sie schon gegenüber dieser friedensstiftenden Gewaltmaschinerie, die heute da hinten den Stall der Freiheit bewacht? Die haben damals noch eine Volks- zählung gemacht. Das lösen Friedensbesatzer heute anders, die Christen der NATO. Die Juden sind voll dabei. Welch ein Beitrag zur Versöhnung zwischen verfeindeten Religionen! Das liebe Jesu- lein freut sich, daß Juden und Christen gemeinsam an seinem Strang ziehen. * A u f G r e n a d a werden die Truppen der Freiheit auch über den 24. Dezember 1983 hinaus bleiben. Das ist gut so für das Weihnachtsfest. Denn sonst könnten die Einwohner von Grenada kein gesegnetes Weihnachtsfest feiern. Sie müßten sonst doch immer fürchten, daß ihnen ein als Bauarbeiter getarnter Kubaner die Ba- nanen mit Gewalt vom Tisch klaut, anschließend die Tochter des Hauses vergewaltigt, um sie dann für die Eroberung Mittelamerikas zu keilen. - Grenada erlebt '83 sein freies Weihnachten. Keine Vergewaltigung mehr, es sei denn sie dient der Sicherung des "Hinterhofs". Da sage noch einer, amerikanische Soldaten wüßten die Feste nicht zu feiern, wie sie kommen. * Am 24. Dezember 1983, am Heiligabend, sind die Pershings einsatz- bereit und scharf gemacht, wie NATO-Stäbe erklären. Ein gut ge- wähltes Datum. Alle Christen, die die Geburt ihres Herrn feiern, können ruhig schlafen und unser lieber Nachbar im Osten auch, wenn er weiter friedlich koexistent seinen Schwanz einzieht. "Wir" haben das Fest des Friedens gut abgesichert. * So geht das Jahr 1983 doch besser in das neue Jahr über, als man- cher denkt. Alles in allem - 1983 war ein gutes Raketenjahr! Nur "kinderfreundlicher" müssen wir noch werden. Das wird sich doch wohl machen lassen! *** Weihnachten bei Kohls --------------------- Der Kanzler "schmückt in seinem Oggersheimer Haus selbst den Christbaum mit bunten Glaskugeln. Lametta, echten Bienenwachsker- zen. Die Söhne Walter (20) und Peter (18) feiern Heilig Abend mit den Eltern (Brave Jungs!)." (Bild) Und Hannelore knackt die Nüsse selber: zurück