Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist

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PERSONALIEN

Heinz EIKELBECK, Bochumer Oberbürgermeister, bewies auf ein- drucksvolle Weise seine Verbundenheit mit den 400 Schlegel-Arbei- tern, auf deren Mitarbeit die DUB/Schultheiß AG in Zukunft ver- zichten will. Durch die öffentliche Verbrennung einer ihm für seine Verdienste für diesen Konzern verliehenen Urkunde trat er mit Entschiedenheit allen Gerüchten entgegen, die Stadt würde dem Wegrationalisieren der Arbeiter tatenlos zusehen: er versprach, sich fürderhin nicht mehr mit "Ritter des reinen Bieres" anreden zu lassen und statt DUB nur noch das weitaus anständigere Bochu- mer Fiege-Bier zu trinken, weil er sich sonst stets an die Schande erinnert fühle, daß ein "über 100 Jahre alter Betrieb, der wirtschaftlich grundsolide ist und stets mit Gewinn gearbei- tet hat", für immer seine Pforten schließen muß. Als konkrete Kampfmaßnahme gegen die bei Schlegel praktizierte "reine Profit- gier einiger Konzernherrn" empfahl Eikelbeck, dem Einfluß auswär- tigen Bankkapitals, insbesondere dem der bajuwarischen "Hypo- thekenbank", Einhalt zu gebieten, damit es heimisches Brauerei- kapital ist, was den Profit macht. * Claus PEYMANN, Intendant, beschäftigt die Theaterkritik im Lande: bleibt er auch in Bochum d e r Theaterfreak, wenn ihm das Ge- genüber, die baden-württembergische CDU abgeht? So ein Theater ziert nämlich den kritischen Kulturmenschen von heute. Denn dann sind die Aufführungen mehr als die in Szene gesetzte Antwort auf die ewige Deutschlehrer-Frage, was einem der Dichter eigentlich alles so zu sagen habe. Einfach die in den Stücken dargestellten Konflikte zwischen Kunst und Brot, Genie und Werk, Dichter und Obrigkeit, Freiheit, Notwendigkeit und/oder Sozialismus zu insze- nieren und das Bühnenbild entsprechend zu arrangieren - das wäre ein Rückfall: "Daß durch obrigkeitliche Ungnade Theaterspielen als solches zu einem Akt der Verteidigung freiheitlicher Grund- rechte erhoben schien - wird man dergleichen je wiedererleben?" (Spiegel) Na klar. Denn a) kann man Peymann die Auseinanderset- zung mit Filbinger nicht mehr nehmen und b) wird die Verteidigung der "freiheitlichen Grundrechte" heutzutage noch an jeder Bühne gern zum Thema gemacht, wodurch c) die Peymann-Inszenierungen zu einem besonders erregenden Theaterereignis werden. So erlebt man im Tasso (der die Bochumer Spielzeit eröffnete) den klassisch gewordenen Peymann und "Goethes klassischer Langweiler" zeigt seine brennende Aktualität - und alle haben es gemerkt: "Parallelen kann finden, auch wer sie gar nicht krampfhaft sucht. Tasso wurde vom Hof von Ferrara ausgespien..., Peymann und seine Stuttgarter Truppe wurden vom Hofe Filbingers ausgespien..." (Spiegel). * Hermann KORTE, langfristig denkender Soziologe, hört es ticken: die neueste "soziale Zeitbombe", die er der Öffentlichkeit prä- sentiert hat, sind die ausländischen Arbeitnehmer, die für die Integration der BRD" ein außerordentlich bedrohliches Problem darstellen. Dies vor allem deswegen, weil "seit 1973 keine poli- tische Entscheidung mehr gefallen" ist. Korte: "Ich sehe nicht, wie wir damit über die 80-er Jahre kommen sollen." Das Ergebnis seiner fünfjährigen von der Bundesrepublik geförderten Forschung verdient Beachtung: staatliche Entscheidungen sind vonnöten, die sich vor allem dadurch auszeichnen, "klar und eindeutig" zu sein. Dies, so hat Korte ermittelt, ist auch das ureigenste Interesse der Gastarbeiter selbst, für die noch jede gesetzliche Neurege- lung ihrer Abschiebung den Vorteil bedeutet, daß sie sich darüber "sicher" sein können. Korte im WDR: "So sind auch restriktive Entscheidungen, die klar gefällt werden, positiver als der der- zeitige ambivalente Zustand, weil er für alle Beteiligten nur Un- sicherheiten schafft." zurück