Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist
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Zu machtlos, um über Krieg und Frieden entscheiden zu können -
Ehrgeizig genug, um Entscheidungshoheit zu fingieren -
Das gefällt den Sprengstoffexperten in Oslo:
NOBELPREIS FÜR EIN FRIEDENSMUSTER OHNE WERT
Ein Wagnis soll sie gewesen sein, die Preisverleihung an den
Staatschef von Costa Rica für seinen mittelamerikanischen Frie-
densplan. Gewagt, weil ohne Zustimmung der amerikanischen Welt-
macht, also auch ohne Erfolgsgarantie. Darin aber auch wieder be-
sonders großartig und mutig, weil ohne den Ruch des Kriegeri-
schen, der Reagans Nicaragua-Politik so wenig preiswürdig er-
scheinen läßt. Das Kompliment, es ginge um politische Ordnung
ohne Gewalt, um lauter Absagen an die häßlichen Seiten freiheit-
licher Weltordnungspolitik, also um Opposition gegen gewisse Um-
triebe der USA, ist offenbar leicht zu haben.
Dabei ist die diplomatische Offerte, die da symbolisch mit
300.000 DM ausgezeichnet wird, alles andere als eine Absage an
Reagans Friedensmaßstäbe. Was der Arias-Plan vorschlägt - Frie-
densgespräche zwischen den Regierungen und ihrer jeweiligen Gue-
rilla, ohne Waffen und unter Ausschaltung auswärtiger Einmischung
-, ist ja bekanntlich vor allem auf Nicaragua gemünzt und ver-
langt von den Sandinisten, die von Amerika aufgebaute, ausgerü-
stete und unterstützte Contra wie eine legitime Opposition, wie
eine anerkannte und anzuerkennende politische Kraft zu behandeln.
Ihre Todfeinde sollen sie an der Macht im Lande beteiligen - und
das unabhängig davon, daß die nichts unversucht gelassen haben,
die Sandinisten zu beseitigen, das Land wieder unter die Fittiche
der USA zu stellen und, wenn das schon nicht so einfach geht, an
Land und Leuten soviel Schaden wie möglich anzurichten.
Dabei setzt der Plan darauf, daß den Nicaraguanern angesichts der
amerikanischen Entschlossenheit und angesichts des Contra-Terrors
daran gelegen sein muß, sich ein bißchen mehr Frieden zu ver-
schaffen auch wenn sie damit den Feinden im eigenen Land Auftrieb
geben. Er ist aber keine wirkliche Alternative zu Reagans uner-
klärtem Stellvertreterkrieg, sondern ein diplomatischer Zusatz
dazu.
Und drittens ist es gar kein Geheimnis, daß diese diplomatischen
Offerten nichts anderes sind als eine Begleitmusik zu Reagans
Contra-Unterstützung und zu den Sprachregelungen, in die er die
Kapitulationsforderung verpackt: zur Forderung nach Zulassung der
Opposition, freien Wahlen (als hätte es die nicht gegeben),
freier proamerikanischer Pressehetze usw. usw.
Eine Begleitmusik, die ihre Wirkung allerdings dennoch nicht ver-
fehlt. Jedesmal, wenn sich die Sandinisten nämlich bereit erklä-
ren, auf diesen Plan einzugehen, stellen die USA neue Bedingungen
- daß die Contra keinesfalls entwaffnet werden dürfe; daß Nicara-
gua gefälligst 'freie Marktwirtschaft' einzuführen hätte -; und
jedesmal verhandelt Arias, ob die Sandinisten nicht darauf einge-
hen könnten, damit sein schöner Friedensplan nicht endgültig
scheitert. Derweil stehen im amerikanischen Kongreß gerade die
nächsten Hundertmillionen für die Contra zur Beschlußfassung an.
Auf dieses gelungene Zusammenspiel setzt das neutrale Nobelpreis-
gremium also nun ein letztes I-Tüpfelchen. Womöglich rechnet es
auch noch darauf, daß damit die Debatten im amerikanischen Kon-
greß beeinflußt werden könnten. Denn daß über Krieg und Frieden
nicht in Oslo und Costa Rica, sondern in Washington und den ande-
ren Regierungszentralen entschieden wird, das wissen die leidge-
prüften Juroren des Nobelpreiskomitees auch. Davon sind sie bei
ihrer Entscheidung ja ausgegangen.
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