Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist


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       Das Nobelpreiskomitee hat's auch nicht leicht bei seiner Aufgabe
       

DIE GRÖSSTE FRIEDENSTAT DES JAHRES

zu prämieren. Ein Politiker, ein Mann mit Macht und internationa- lem Einfluß, sollte der Preisträger eigentlich schon sein. Schließlich entscheidet so einer über Krieg, also auch darüber, ob er Frieden halten oder schließen will. Bloß: deshalb kann man sich bei so einem auch nie sicher sein, ob er die Preisverleiher nicht schlecht aussehen läßt. Kaum orientiert man sich als Jury an den friedensstiftenden Umtrieben der westlichen Führungsmacht, schon blamiert man sich. Wie damals beim US-Außenminister Kissin- ger, der für die diplomatische Kunst ausgezeichnet wurde, erst Vietnam "in die Steinzeit" zu bombardieren und dann Friedensver- handlungen aufzunehmen; kaum geehrt, ging das Bombardementerst so richtig los. So einen brauchbaren Friedensschluß wie den zwischen Ägypten und Israel, der Ägypten nach zwei Weltkriegen endgültig wieder ins westliche Lager zurückbrachte, gibt es auch nicht je- des Jahr. Und unser Willy Brandt, der als Chef der sozialisti- schen Internationale mit dafür sorgt, daß statt der Militärs in der "Dritten Welt" auch gewählte Zivilisten für Ordnung sorgen, westliche Unternehmerfreiheit garantieren, den Hunger verwalten und Widerstand ausmerzen, hat den Sprengstoffpreis ja leider schon. Man kann andererseits natürlich immer wieder mal einen so aner- kannt guten und friedensförderlichen Menschen wie Mutter Teresa ehren, die die Elendsgestalten in der vom Westen betreuten "Dritten Welt" mit Gebeten bis zum Tode pflegt. Ein Kritiker herrschender Gewalt darf der Geehrte allerdings nicht sein, es sei denn einer im Osten; so einer wie der christgläubige, marien- verehrende Streikführer Walesa, der Polen ein bißchen reifer für westliches Hineinregieren gemacht hat. Umgekehrt kann man aber auch nicht jedes Jahr einen russischen Dissidenten auszeichnen - dafür hat man ja noch den Literaturnobelpreis! Dieses Jahr wäre ja die Chefin auf den Philippinen, Corazon Aquino, keine schlechte Lösung gewesen... Aber wegen der Konkur- renz im Lande, wer eigentlich alles für den Westen am Besten ga- rantiert und als Führungsmannschaft davon profitieren darf, weiß man leider nicht, ob sich die Frau überhaupt hält. Also hat man sich für den Präsidenten von Costa Rica und seinen Friedensplan für Mittelamerika entschieden. Erstens ist der Mann ein garantierter Parteigänger des Westens und Verbündeter der USA. Zweitens führen die mit den Contras einen blutigen Krieg gegen Nicaragua. Drittens tritt Arias mit seinem Plan als Kritiker von Reagans Methoden auf, Nicaragua wie- der ins richtige Lager zu befördern. Und zwar als ein höchst kon- struktiver Kritiker. Er verlangt nämlich gar nicht einfach, die Contras sollten gefälligst verschwinden. Nein, bis vor kurzem ha- ben sie sogar ganz offiziell auch von seinem Land aus operiert. Und er teilt schon gar nicht das Anliegen der Sandinisten, dem Volk die Segnungen zu ersparen, die dem Land als Kaffeeplantage amerikanischer Konzerne und als strategischer Hinterhof der USA mit einheimischen Oberaufsehern und US-Militärhilfe blühen. Viel- mehr schlägt Arias den Sandinisten vor, sie könnten sich Frieden verschaffen, wenn sie die US-Söldnerschaft, die gegen das Land wütet, als eine legitime politische Kraft anerkennen, mit ihr über Waffenstillstand verhandeln und ihr freie politische Betäti- gung im Land zusichern. Und zwar unabhängig davon, daß Reagan eine solche Lösung gar nicht will und unverblümt die Abdankung der Sandinisten verlangt. Viertens appelliert Arias mit seinem Plan an die Weltmacht Nr. 1, sich seinem Friedensvorschlag doch freundlichst anzuschließen. In den USA selber findet nämlich eine innenpolitische Debatte statt, ob sich das Geld für die Contras eigentlich lohnt oder ob es zum Krieg nicht auch bessere Alterna- tiven gibt, die Sandinisten zu bekehren. So können die Preisverleiher aus Oslo mit ihrer Entscheidung wahrhaftig ein kleines bißchen moralischen Druck ausüben auf die Entscheidungen des Weltpolizisten - oder zumindest so tun. Das hilft zwar keinem Nicaraguaner - aber darum geht es ja auch gar nicht. Sie haben die Lüge geehrt, Diplomatie sei das Gegenteil von Krieg und diene der Beendigung von Gewalt. Damit stehen sie gut da vor dem Papst, dem deutschen Bundestag, der "Bild"-Zeitung und dem "Spiegel"; sowie der deutschen Arbeiterklasse, die schon immer in Mittelamerika Frieden schaffen wollten. zurück