Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist

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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 70, 07.02.1983
       
       Wochenschau
       

KULTURNOTIZEN

Von "tiefer Erregung" wurde nach eigenen Worten Kurt Biedenkopf (CDU) befallen, weil "das Deutsche Fernsehen eine Sendung über die Rede des US-Vizepräsidenten in Berlin zu einem Zeitpunkt ab- gebrochen habe, als Bundeskanzler Kohl das Rednerpult betreten habe". Dies wäre fast ein Grund gewesen, sich mit dem Deutschen Fernsehen zu solidarisieren, weil es wenigstens bei diesem Anlaß auf eine der leidigen Wiederholungen verzichtet hat. Doch die konsequente Weigerung beider Kanäle, den Tod von Louis de Funes durch Filme des Verblichenen am Wochenende zu honorieren, scheint den Verdacht des Biedenkopf zu bestätigen: "Wir werden nicht richtig informiert; wir werden manipuliert." (dpa vom 1.2.) Mit seinem unfehlbaren Gespür für die Wahl richtiger Reiseziele zur rechten Zeit bummelt Papst Johannes Paul II. demnächst zu den Schlachtern nach Mittelamerika. Die Besuchsvorbereitungen der gastgebenden Herren laufen auf Hochtouren. Costa Ricas regieren- der Christdemokrat Monge verhängte eine Amnestie für "200 zu kür- zeren Haftstrafen Verurteilte" (KNA v. 30.1.). Um dem Papst bei seiner Visite saubere Gefängnisse offerieren zu können, wählte Haitis "Baby Doc" Duvalier, einer AP-Meldung von vorletzer Woche zufolge, einen anderen Weg: Nach Aussagen amerikanischer Entwick- lungshelfer sollen an die 2.000 Häftlinge umgebracht worden sein, um seiner Heiligkeit den Anblick ihrer ausgemergelten Körper zu ersparen. Offenbar hat der Führer der Christenheit nie das Pro- blem, sich durch die Gastgeber seiner Pilgerfahrten zu kompromit- tieren: Er huldigt mit ihm dem gemeinsamen G e i s t e, in des- sen Namen die w e l t l i c h e n Potentaten ihre Taten begehen und der Stellvertreter des h i m m l i s c h e n Herrn für die Opfer betet und zu ihrer Vermeidung mahnt. So wird der Weg von des Herren Hirten in Port-au-Prince mit Leichen gepflastert und seinen Rand in San Jose säumen jubelnde Taschendiebe. Der Friede sei mit Dir, o Woityla! zurück