Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist
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Wochenschau
KULTURNOTIZEN
Bundeskanzler Helmut Schmidt war letzte Woche auf einer Tagung
der Evangelischen Akademie in Tutzing wieder einmal als Christ zu
Gange. Kern seiner "Reflexion der Grundwerte" war deren Erweite-
rung um den Wert "Frieden" (plus "Freiheit, Gerechtigkeit und So-
lidarität"). Worin seine, des deutschen Kanzlers, Friedfertigkeit
im Unterschied zu den westlichen Verbündeten, von denen er sich
herbe Schelte wegen Laschheit im Falle Polens gefallen lassen
mußte, besteht, definierte er als "Mäßigung der Sprache" bei al-
ler Härte in der Politik: "Angesichts der deutschen Verantwortung
für Treblinka und Ausschwitz falle es ihm deshalb schwer, die
polnischen Lager nun mit denselben Worten wie damals als Konzen-
trationslager zu bezeichnen, was aber nicht ihre Billigung be-
deute." (FAZ vom 28. Januar) Mit Recht reklamiert Schmidt für
seine Friedenssicherung den Anspruch Bonhoeffers lauf eine Theo-
logisierung der Politik nicht verzichten zu können". Sein Rezept
verbaler Mäßigung geht schließlich auf den Spruch des Jesuitenge-
nerals Aquaviva (1543-1615) zurück: Fortiter in re, suaviter in
modo. Vielleicht fällt dem Kanzler auch noch ein gemäßigtes Wort
für Krieg ein?
Nichtraucher und gläubige Christen erhalten nach einer AFP-Mel-
dung vom 27. Januar bei einer "schwedischen Versicherungsgesell-
schaft zehn bis fünfzehn Prozent Rabatt auf ihre Lebensversiche-
rung, weil das Risiko, daß sie frühzeitig sterben, nach der An-
sicht der Experten des Unternehmens geringer ist als bei anderen
Menschen." Daraus sollten vor allem
Arbeitslose Lehrer die Konsequenzen ziehen, das Rauchen aufhören
und "fest an Gott glauben, da ein solcher Glaube die Gefahr psy-
chischer Störungen mindere". So könnten sie in den Genuß einer
Prophezeiung des hessischen Kultusministers Krollmann kommen,
demzufolge "erst nach dem Jahr 2000 wegen der zu erwartenden ho-
hen Zahl von Pensionierungen mit besseren Chancen für Lehrer zu
rechnen ist. (ddp vom 25. Januar) Christliche Lebensführung und
Nikotinabstinenz dürften es den "Pädagogikstudenten, die unmit-
telbar vor dem Eintritt ins Arbeitsleben stehen", erleichtern,
die ihnen von Krollmann versprochenen "Abstriche bei traditionel-
len Status- und Einkommenserwartungen" physisch und psychisch zu
verkraften.
Franz Beckenbauers verzweifelte Versuche, doch noch in die Natio-
nalmannschaft zu kommen, werden langsam unerträglich. So ließ er
jetzt seinen Vereinsmanager Netzer gezielt ausstreuen, er habe
allen Ernstes vor, die 1 Million DM Erlös für sein für 1. Juni
fixiertes Abschiedsmatch im Hamburger Volksparkstadion den Behin-
derten zu stiften. Dadurch soll wohl Jupp Derwall moralisch unter
Druck gesetzt werden. Wir meinen dazu, daß das Jahr des Behinder-
ten vorbei und die DFB-Auswahl auch ohne Beckenbauer hoffen läßt,
daß sie die WM vergeigt.
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