Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist


       zurück

       Münchner Hochschulzeitung Nr. 18, 21.07.1982
       

KULTURNOTIZEN

Die Bundestags-Enquête-Kommission "Jugendprotest im demokrati- schen Staat" ist auf "ein überraschend positives Echo" gestoßen. ("Süddeutsche Zeitung" vom 15. Juli). Kein Wunder bescheinigte doch ihr Mitglied Gerhard Schröder (SPD und Ex-Juso-Chef) den jungen Leuten, die sich da an bestimmten staatlichen Maßnahmen reiben, "Protest sei nichts Negatives, sondern eine legitime und manchmal sogar notwendige Form der politischen Meinungsäußerung." So erklärt sich auch die Stellungnahme eines Kommilitonen namens Ludger Kühnhardt aus Bonn, "die große Menge der Mitläufer in un- serer Gesellschaft sei für die Demokratie weitaus gefährlicher als Gruppen von Steineschmeißern." Klar, mit diesen wird die Po- lizei fertig, jene hingegen drücken sich vom aktiven Einsatz für Staat & Kapital und warum sollte nicht ein "Protest" von der Kühnhardtschen Machart jede Menge Positives für den weiteren Fortschritt von Demokratie und Marktwirtschaft einbringen? Nach der Fußball-WM, es war ja nichts anderes zu erwarten ange- sichts eines derart grandios vergeigten Endspiels, hacken die Na- tionalspieler zum Gaudium der Nation aufeinander und gemeinsam auf dem Bundestrainer herum. Uli ("Estili") Stielicke wirft Rum- menigge die lahmen Knochen vor, und dieser, nicht faul, enthüllt in der "Bild-Zeitung", daß der Libero so frei war, 2 Tore des Feindes durchzulassen. Zum Glück sorgt jetzt die Europa-Cup-Aus- losung dafür, daß die Nationale (Fußball-)Front wieder steht: Das Losglück beschert gleich zwei "innerdeutsche" Begegnungen. Wenn wir schon gegen die Italiener rausfliegen, dann müßte es doch ge- gen die DDR-Sachsen hinhauen. Petra Kelly, die Heilige Bernadette der GRÜNEN, ist von dem SPD-MdE Fritz Gautier dergestalt angepinkelt worden, daß er ihren Diensteifer als Beamtin der EG-Kommission in Brüssel anzweifelte. Eine deutsche Frau läßt sowas nicht auf sich sitzen und verweist darauf, daß sie im Umgang mit dem Beamtenrecht keinesfalls so grün ist, wie sie aussieht. Frau Kelly ist seit "März in unbe- zahltem und von der EG genehmigtem persönlichen und Wahlkampfur- laub." (dpa vom 14. Juli). Die Wähler im bayerischen Regierungs- bezirk Schwaben können also im Herbst eine von der EG genehmigte Kandidatin in den Landtag entsenden, während Herr Gautier seine vom Steuerzahler aufgebrachten Europadiäten für derart dämliche Anfragen mißbraucht. zurück