Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist

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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 50, 01.02.1982
       
       Wochenschau
       

KULTURNOTIZEN

Peter Weiss ----------- hat für seinen Schinken "Ästhetik des Widerstandes" den Bremer Literaturpreis 1982 erhalten. K u n s t als Widerstand ist preiswürdig für den liberalen Bre- mer Stadtstaat. Zuständig: der Senator für Wissenschaft und Kunst und sein Prof. Emmerich, der bei Weise "Schönheit als Signatur des widerständig-authentisch-lebenden Menschen" genießt und mit dem Hinweis, drüben werde so etwas nicht einmal gedruckt, gleich die Adresse seiner Laudatio benennt. W i d e r s t a n d gegen Truppenvereidigungen in, Panzertras- sen bei Bremen und andere Maßnahmen des liberalen Stadtstaats wird abgeräumt. Keine Kunst, kein Preis. Zuständig: der Senator für Inneres und seine Büttel. Nichtraucher und gläubige Christen erhalten nach einer AFP-Mel- dung vom 27. Januar bei einer "schwedischen Versicherungsgesell- schaft zehn bis fünfzehn Prozent Rabatt auf ihre Lebensversiche- rung, weil das Risiko, daß sie frühzeitig sterben, nach der An- sicht der Experten des Unternehmens geringer ist als bei anderen Menschen." Daraus sollten vor allem Arbeitslose Lehrer die Konsequenzen ziehen, das Rauchen aufhören und "fest an Gott glauben, da ein solcher Glaube die Gefahr psy- chischer Störungen mindere". So könnten sie in den Genuß einer Prophezeiung des hessischen Kultusministers Krollmann kommen, demzufolge "erst nach dem Jahr 2000 wegen der zu erwartenden ho- hen Zahl von Pensionierungen mit besseren Chancen für Lehrer zu rechnen ist. (ddp vom 25. Januar) Christliche Lebensführung und Nikotinabstinenz dürften es den "Pädagogikstudenten, die unmit- telbar vor dem Eintritt ins Arbeitsleben stehen", erleichtern, die ihnen von Krollmann versprochenen "Abstriche bei tradi- tionellen Status- und Einkommenserwartungen" physisch und psychisch zu verkraften. Franz Beckenbauers verzweifelte Versuche, doch noch in die Natio- nalmannschaft zu kommen, werden langsam unerträglich. So ließ er jetzt seinen Vereinsmanager Netzer gezielt ausstreuen, er habe allen Ernstes vor, die DM 1 Million Erlös für sein für 1. Juni fixiertes Abschiedsmatch im Hamburger Volksparkstadion den Behin- derten zu stiften. Dadurch soll wohl Jupp Derwall moralisch unter Druck gesetzt werden. Wir meinen dazu, daß das Jahr des Behinder- ten vorbei und die DFB-Auswahl auch ohne Beckenbauer hoffen läßt, daß sie die WM vergeigt. zurück