Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist
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ALLE JAHRE WIEDER
preist sich der Imperialismus dafür, welch' bombige Kultur er hat
und dekoriert seine verdienstvollsten Idioten durch das norwegi-
sche Nobel-Kommitee in bekannt ausgewogener Manier. Als erstes
erhielt der berühmte Tscheche
Jaroslav Seifert
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den Literaturpreis, weil er zwar mehr im Stillen, aber desto
überzeugender bewiesen hat, daß auch und gerade im Osten Kultur
dadurch entsteht, daß "mit Frische, Sinnlichkeit und reicher Er-
findungsgabe" (Verleihungsbegründung) das hohe Lied westlicher
Ideale gesungen wird. "Er beherrscht alle Formen der Lyrik vom
Sonett bis zum Gassenhauer", vor allem den erzimperialistischen
Gassenhauer, "daß Freiheit und Lebensfreude zusammengehören."
Weil der Osten sich weigert, dieses westliche Dogma für genießbar
zu halten, ist dem Preisverleiher auch ganz klar, daß er "all das
preise, was nicht von politischen Dogmen gesteuert werde", so daß
er "auch international immer mehr Anerkennung findet, obwohl er
in der Sprache eines relativ kleinen Landes schreibt."
Was macht das schon, wo jeder Kulturarsch den Text beherrscht!
Der Preis für politische Kultur, Friedensnobelpreis genannt,
wurde dem christlichen Neger aus der RSA
Bischof Desmond Tutu
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verliehen, weil man für diesen Preis entweder im Ostblock die
friedensstiftenden Wirkungen des Nato-Programms vertreten muß
oder in Ländern, in denen die westlichen Demokratien regelmäßige
Blutbäder sponsern, die überaus bekömmlichen Segnungen der Demo-
kratie zu lobpreisen hat, die einem dort vorenthalten werden. Ab-
teilung eins war letztes Jahr dran, dieses Jahr Abteilung zwei in
Gestalt von Bischof Tutu. Der ständige Appell dieses christlich
gesalbten Negers ausgerechnet an, die "Familie der freien Natio-
nen" (so Tutu), die sich die Faschisten im südlichen Afrika als
die Garantiemacht imperialistischer Ordnung dort unten halten,
sie mögen doch auf die "politische Kultur" ihrer Kreatur bessernd
einwirken; der Nerv dieses Mannes, eine Woche nach dem x-ten Mas-
saker an Hunderten von Schwarzen warnend die "Alternative zwi-
schen friedlicher Lösung der Krise oder Blutbad" vorzutragen,
dies "weckt die Bewunderung der Welt" für "alle Einzelpersonen
und Gruppen mit ihrem Einsatz für Menschenwert, Verbrüderung und
Demokratie." (Verleihungsbegründung). Wer sich vom Imperialismus
niedermachen lassen muß, braucht sich um die dreckigsten Zynismen
nicht zu sorgen, er muß bloß Anwälte haben, die sich ihrer würdig
erweisen, indem sie "vor allem auf die Gewaltlosigkeit des Wider-
standes achten." (Begründung) Sonst gibt es keine Preise, sondern
bloß "Blutbäder", und einer der westlichen Obersponsoren der RSA,
Genscher, sähe sich außerstande, Glückwunschtelegramme zu schic-
ken.
Wertvollster Preis dieses Jahres war der Nobelpreis für Medizin,
weil er der
deutschen Wissenschaft
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in Gestalt ihres Gliedes Dr. Köhler verliehen wurde. Weswegen die
Wissenschaft gleich in die Schlagzeilen der Hauspostille des
deutschen Arbeitsmannes, der Bild-Zeitung, geriet, obwohl die den
sonst nix angeht. Der zuständige Minister für Wissenschaft mit
dem eigentümlichen Attribut deutsch, Riesenhuber, verkündete
dort, daß jahrelange aufopfernde Arbeit, der feste Glaube an die
eigene Leistung und der nahezu besessene Drang nach neuen Er-
kenntnissen" die "Bausteine des Erfolgs deutscher Forschung"
seien, demnach nationale Tugenden auch d i e Produktivkraft des
Geistes sind. Was diese Intelligenzbestie mit Fliege in solchen
Einsichten zwar gründlich dementiert, weswegen er sich aber auch
keine grauen Zellen zu wachsen lassen braucht, denn schließlich
ist er Minister, deutscher, und die Botschaft ist klar, gell?!
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