Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist
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Marxistische Schulzeitung Bremen, 10.12.1981
Wochenschau
KULTURNOTIZEN
An den Schriftsteller Heinrich Böll muß der Journalist Matthias
Walden DM 40.000,- Schmerzensgeld zahlen, weil er den Autor in
seinem "Persönlichkeitsrecht verletzt" hat. Wir meinen, das Ur-
teil ist gerecht, weil es ein Vergehen sühnt, das darin bestand,
ausgerechnet einer derart moralisch überzeugenden Parteigänger-
schaft für die freiheitlich-demokratische Grundordnung, wie sie
sich bei Böll bereits in die sorgenzerfurchten Gesichtszüge ein-
gegraben hat, die Ehre abzuschneiden. Eine Meinungsverschieden-
heit, die darin besteht, ob der Rechtsstaat Terroristen umlegen
soll oder ob er glaubwürdiger bleibt, wenn er sie nach allen Re-
geln seiner Prozeß- und Strafvollzugsordnung einsperrt -- eine
solche Kontroverse sollte sich doch noch in menschlich einwand-
freier Form austragen lassen.
Die US-Amerikaner sind schon ein komisches Völkchen: Da präsen-
tiert ihnen ihr Präsident einen Sicherheitsberater, der zur Si-
cherheit ihres Landes es am liebsten mit Atomraketensilos unter-
tunneln lassen möchte und die "Versaftung" von etlichen Teilen
der eigenen Bevölkerung als Preis für Freiheit und "globale Si-
cherheit" kaltschnäuzig und öffentlich einkalkuliert. Regt sie
das auf? Nein. Seinen Job verliert besagter Herr Allen höchstens
deshalb, weil er 1000 Dollar eingesteckt hat, womit nicht mal der
US-Steuerzahler geschädigt wurde, weil der Umschlag von einem ja-
panischen Journalisten kam. Über Leichen gehen und dabei
"menschlich sauber" bleiben, das hat schon Heinrich Himmler an
seiner SS gerühmt, weswegen Mr. Allen jetzt den Pershing-Präsi-
denten "in eine heikle Lage" gebracht haben soll.
Papst Woytila hat wieder zugeschlagen: Auf einer Massenaudienz
letzte Woche verkündete er seinen Beschluß, im Jenseits nicht nur
am Zölibat festzuhalten, sondern das Keuschheitsgebot auf die
ganze in die ewigen Jagdgründe eingehende Menschheit auszudehnen.
Wir haben die Auferstehung des Fleisches nach seinem Absterben
immer schon für einen mittleren Horrortrip gehalten, aber die Vi-
sion des Johannes Paul aus Rom übersteigt selbst unsere Vorstel-
lungskraft über die Kasteiungsraffinesse der Heiligen Mutter Kir-
che: "Psychosomatisch" intakt, mit "voll ausgebildeter Ge-
schlechtlichkeit" soll dereinst über den Wolken frohlockt werden
bei absolutem Lustverbot - und das bei "Abschaffung der Ehe", was
doch endlich dem freien Tummeln die Schranken öffnen dürfte. Dann
schon lieber in der Hölle...
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