Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist
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DER FRIEDENSNOBELPREIS FÜR GORBATSCHOW
geht 100%ig in Ordnung.
Wo gibt es sowas denn sonst, daß der Führer einer Weltmacht sei-
nem erklärten Gegner freiwillig und ohne die kleinste Schießerei
ein vollständiges Weltkriegsergebnis schenkt? Nämlich überall ab-
zieht, wo seine Truppen der NATO nicht passen. Alle Verbündeten
preisgibt, die die NATO schon immer ihm hat abnehmen wollen. Alle
weltpolitischen Ziele streicht, die die Weltherrschaft des We-
stens stören könnten.
Wo gibt's das noch einmal, daß eine Siegermacht ihren Kriegsge-
winn die DDR ohne jede Gegenleistung an den Bonner Frontstaat
ausliefert. Daß sie für den Rückzug ihrer Truppen nichts weiter
verlangt und kriegt als ein Wohnungsbauprogramm.
Wo hat's das jemals gegeben, daß eine Weltmacht nicht bloß ihre
weltpolitischen Ansprüche aufgibt, sondern sogar ihre militäri-
schen Fähigkeiten demontiert, Ansprüche zu stellen und durch-
zusetzen. Die es für ein gutes Geschäft hält, 40 000 eigene Pan-
zer in Europa gegen 2000 gegnerische einzutauschen. Die die Ideo-
logien der Abrüstung so blutig ernst nimmt und so einseitig abrü-
stet, daß über ihre Sicherheitsinteressen in der NATO befunden
wird.
Und schließlich: Wo gibt's das noch einmal, daß der größte Staat
der Welt zielstrebig seine innere Ordnung durcheinanderbringt.
Daß die zuständige Regierung jede Menge Gesetzesverstöße legali-
siert und bewaffnete Banden mit ihrer Polizei und ihrem Militär
konkurrieren läßt. Daß eine kommunistische "Staatspartei" ihre
riesengroße Planwirtschaft zu einem Selbstbedienungsladen für Ka-
pitalisten aus aller Herren Länder erklärt. Daß der Präsident ei-
ner Union sozialistischer Republiken in seinem Land den Bürger-
krieg als politische Umgangsform einführt.
Kurz: Wenn dem Westen soviel Gutes widerfährt, ist ihm das schon
einen Nobelpreis wert.
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