Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 60, 18.10.1982
       
       Wochenschau
       

DEN FRIEDENSNOBELPREIS

kann man sich in der heutigen Zeit offenbar auf zwei verschiedene Arten verdienen: 1. Man fängt als zuständiger Politiker einen Krieg an, den man nach zufriedenstellendem Verlauf per Friedensschluß mit dem be- siegten Feind wieder beendet (= Methode Menachim Begin, Regie- rungschef von Israel, erfolgreich angewendet 1978). Dann steht man auch ohne Nobelpreis jeden Tag in der Zeitung. 2. Man macht sich aufrichtig und ehrlich verdient um die Glaub- würdigkeit des menschenfreundlichen Heiligenscheins, den die re- guläre Friedens- und Kriegspolitik sich dankend umhängt, und wirbt in UNO usw. - Gremien unermüdlich für Abrüstung (= Methode Alva Myrdal / Garcia Robles, honoriert 1982). Dann kennt einen zwar niemand und man kommt überhaupt erst wegen der Verleihung des Nobelpreises in die Zeitung, aber so funktioniert halt die Friedenspolitik heute. Eine dritte Variante hat sich das Nobelpreis-Komitee für heuer noch einmal verkniffen: die westliche Großoffensive gegen den Hauptfeind (pardon, natürlich Höhepunkt der Friedensliebe) mit einem Friedenspreis an Lech Walesa zu zieren. Das macht aber gar nichts aus. Schließlich hat die ganze westliche Öffentlichkeit ihre Enttäuschung darüber geäußert, daß es nicht Lech Walesa war, und so ist der Effekt so ziemlich derselbe. Und man hat den Wa- lesa noch in petto für nächstes Jahr, wo schließlich wieder ein Friedensnobelpreisträger gefunden werden muß. zurück