Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist

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BREMER SOLIDARITÄTSPREIS FÜR WINNIE UND NELSON MANDELA:

* Demokratisch * Imperialistisch * Verlogen Der Bremer Senat hat mit ausdrücklicher Unterstützung des Auswär- tigen Amtes seinen Solidaritätspreis an die Mandelas verliehen. "Mit ihm soll der Einsatz von Personen oder Gruppen zur Überwin- dung der Ungerechtigkeit im Nord-Süd-Verhältnis und der Folgen von Kolonialismus und Rassismus gewürdigt werden." (SPD) Demokratisch ------------ ist diese Preisverleihung wegen der D r o h u n g, die damit verbunden ist: * Wer der Armut und staatlichen Drangsalierung schwarzer Lohn- sklaven in Südafrika wie Bürgermeister Wedemeier f e h l e n d e M e n s c h e n r e c h t e entnimmt, der will nicht ge- schundenen Kreaturen h e l f e n. Dazu taugen die Men- schenrechte auch gar nicht. Ein Vielparteiensystem, allgemeines Wahlrecht und die Menschen- würde vertragen sich blendend mit neuer Armut, 3 Millionen Ar- beitslosen und verprügelten AKW-Demonstranten im Menschen- rechtsparadies BRD. * Wer die Menschenrechte anmahnt wie die SPD, der will den Pro- test der Schwarzen f e s t l e g e n. Und zwar auf die Rechtsgrundsätze, mit denen die großen Demokratien bei der Benut- zung ihres Menschenmaterials so gut fahren. Volksversorgungsideen nach dem Muster Nicaraguas gehören nicht ans Kap. Auch die Op- position da unten hat für den Westen und seine Menschenrechte zu sein! * Davon wird kein Neger satt. Das soll er auch gar nicht. Wede- meier und Co. schätzen das Menschenrechtsideal aus ganz anderen Gründen. Die Apartheid nämlich ist eine "Quelle des Unfriedens" (Wedemeier im Weser-Kurier, 25.2.88), also eine Gefährdung der S t a b i l i t ä t. Dieser Standpunkt sorgt sich nicht um die Gesundheit der Neger, sondern um die des S t a a t e s, in dem sie benutzt werden. Imperialistisch --------------- ist das Interesse des Senats und der Bonner Außenpolitik an die- ser Region. Man sorgt sich nicht um die Stabilität einer Region am Kap, wenn man nicht der Nutznießer davon ist. * Die Bremer Häfen sind ein Umschlagplatz für Uranimporte aus der RSA. Der Bremer Arbeitsplatzspender Daimler-Benz macht auch mit schwarzen Lohnsklaven gute Geschäfte. * Der Bremer Senat weiß also, was er an seinem südafrikanischen Partner für Handel und Kapitalexport hat. Also werden über Bre- mens Häfen Hubschrauber von MBB und Geländewagen von Daimler an die Schlächter am Kap geliefert. Ohne militärische Gewalt sind ja die unbezahlbaren Dienste von den Schwarzen gar nicht zu haben, von denen die Bilanzen auch der Bremer Ex- und Importeure zehren. Und jeder weiß das. Verlogen -------- ist also gar kein Ausdruck für den Solidaritätspreis an die Man- delas. * Was sich als E h r u n g des schwarzen Widerstandes vorträgt, ist seine V e r p f l i c h t u n g auf das einzig vom Westen gebilligte Ziel namens Menschenrechte. * Ein Freibrief, im Namen des allgemeinen Wahlrechts den Buren- staat zu stürzen, ist damit noch lange nicht erteilt: "Von den Unterdrückten könne nicht verlangt werden, daß ihre Ant- wort auf erduldete Gewalt ausschließlich friedlich sein müsse." (Wedemeier laut Weser-Kurier) A u s s c h l i e ß l i c h nicht, aber im Prinzip verhängt der Bremer Spezialist für sozialen Frieden auch über die Schwarzen die gelobte Friedenspflicht. Die verständnisvolle Hinnahme klei- nerer Übertretungen ist dann nützlich: So unterscheidet man sich als Freund der Opposition von Botha und gefährdet doch nicht "un- sere" Interessen am Kap. * So funktioniert sie dann, die Doppelstrategie des Bremer Se- nats: Nelson und Winnie Mandela werden für ihren Kampf gegen die "Ungerechtigkeit" des Burenstaates geehrt, und der Burenstaat be- zieht im Gegenzug aus Bremer Waffenschmieden militärisches Gerät zur "Befriedung" des Widerstandes. So kann man sich auf den mit eigener Hilfe w i r k u n g s l o s gemachten Widerstand b e r u f e n, um dem Imperialismus von Bremen und Bonn einen menschenfreundlichen Anstrich zu geben: Die demokratische Gewalt und ihr Geschäft seien immer nur für die Menschen tätig, wenn sie sich an der Ausbeutung und Niederhaltung fremden Menschenmaterials bedienen. So geht Imperialismus - mit gutem Gewissen. Dem Bremer Senat sei Dank. zurück