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KULTURNOTIZEN
"Driest gegen Bohm - wer macht das Rennen?"
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fragte "Bild" und benannte auch gleich den Zielstrich: "Welcher
an der K a s s e das Rennen macht, entscheidet sich nächste Wo-
che". So einfach darf und will es sich der gehobene Filmkritiker
nicht machen.
Zunächst einmal gibt es die Filme nur, weil Bohm/Driest unter
Übergewicht leiden: "Jeder der beiden wuchert mit den Pfunden,
die er hat". Dann haben sie aber auch ein Gewissen, das sie mit
dem Objektiv besänftigen - der eine hatte sich an einem Elch ver-
griffen, der andere an etwas Zarterem: "Beide Filmemacher haben
etwas wettzumachen - einen mißglückten Elch (der durch einen Film
wandelte) der eine, eine etwas im Zwielicht verschwommene Lundi-
Affäre der andere." Weiterhin lassen sie "auch tiefere, existen-
tielle Probleme erkennen", die sie zur Filmtat zwangen. Der eine
war früher in der Schule, der andere an der Universität; das
mußte aufgearbeitet werden: "Bohm erzählt, daß ihm während des
Drehens 'so alte Sartre-Geschichten' im Kopf herumgegangen seien,
das, was man als Schüler so gelesen hatte... Die Tat als die Tat
als die Tat - die aus Bindungen befreit und neue Verstrickungen
knüpft, das alles will auch Driest in dem Stoff gefunden haben.
Wenn er schildert, wie er sich aus den Fesseln des Jura-Studiums
'befreit' habe, mit ungeladener Pistole, maskiert..." Der eine
frisch entbunden, sogleich wieder verknüpfstrickt - der andere in
einer Störung verbrochen: "Irgendwo gibt es da auch tiefergrei-
fende Verstörungen mit dem Elternhaus, das den Bruch vom Krieg
zum Nachkrieg nicht geschafft hat..."
Zwei Existenzen also, geworfen ins Zelluloid, stoßen ins Nichts
vor - nicht ohne Schuld auf sich zu laden: "Kunst stößt da an die
Grenzen der Wirklichkeit. Eine Geschichte verselbständigt sich
und schluckt die Realität, auf der sie basiert. Und das ist ver-
hängnisvoll. Zum Glück ist Bohms eigene Verantwortung nicht ju-
stitiabel." Worin besteht die Schuld? Gut, Zugeständnisse an den
Kommerz müssen wohl sein - "Wie dem Kalkül der Vermarktung in
diesem Fall zu entrinnen wäre? Gar nicht." -, gar zu begrüßen;
nach langen kulturlosen Jahren mit lauter "verfilmten Simmeln"
müssen nämlich mehr verfummelte Simpel her: "Ein Film-Simmel
hätte diesem Land besser getan als ein verfilmter Simmel."
Absolut unerträglich ist aber:
a) Wer einen Standpunkt hat, der nimmt eine Standkamera und wac-
kelt nicht herum: "Schon im Vorspann droht er an, seine persönli-
che Interpretation zu liefern. Das würde einen eindeutigen Stand-
punkt voraussetzen. Aber Bohms Kameramann unterläuft diese Not-
wendigkeit mit seiner verwackelten Handkamera..."
b) Wenn der Himmel weint, haben Titten nichts im Bild zu suchen:
"Bohm braucht Regen zur emotionalen Steigerung, Driest mehr zur
Steigerung der Transparenz einer Bluse."
c ) Ein Filmschauspieler darf nicht einfach bloß schreien, wenn
geschmerzt - "Bohm kennt für die Darstellung des Schmerzes nur
kreischende Ausbrüche. Das mag im Leben so sein; im Kino ist es
zu wenig." -, sondern muß dabei den Kopf an die Wand hauen: "Bohm
zeigt, wie diese Frau nach dem Tod ihrer Tochter den Schmerz in
autistische Akte der Selbstzerstörung steigert - wieder und wie-
der schlägt sie mit dem Kopf gegen die Wand..."
Das haut rein "und nutzt die Emotionsfähigkeit des Zuschauers bis
zum Äußersten".
In der Frage, wer das Rennen macht, ist dennoch bislang ein Un-
entschieden zu vermelden - Die beiden Kinder, lebhaft und dunkel-
äugig stehen sich in nichts nach." (Zitate: Spiegel, Süddeutsche
Zeitung, Frankfurter Allgemeine)
Kulturdenkmäler
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sollen im Kriegsfall auf alle Fälle und gemäß der Haager Land-
kriegskonvention geschönt werden, damit die Überlebenden noch be-
wundern können, was für eine Kultur die Umgekommenen ihnen hin-
terlassen haben. Vorsorglich hat deshalb die Bundesregierung Auf-
trag erteilt, die relevanten Denkmäler der Republik "mit Plaket-
ten zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten" zu ver-
sehen. Dies mußte den Protest von "610 Kunsthistorikern, Denkmal-
pflegern, Architekten und Restauratoren" hervorrufen. Erstens aus
künstlerischen Gründen, wegen der "selektiven" Art des Vorgehens
und aus der gesamtkünstlerischen Erwägung heraus, daß "einzelne,
herausragende Werke mit ihrem baulichen und historischen Kontext
auch ihren Sinn verlieren würden". Neben diesem Verstoß gegen
"ihr Kulturverständnis" halten die Kunstwarte zweitens von ihrem
militärischen Verständnis her den Bautenschutz "ohnehin für fik-
tiv". Richtig daran ist, daß die Kultur, um auch den nächsten
Krieg unbeschadet zu überleben, keine Plaketten braucht. Immerhin
verdanken wir der Tatsache, daß sich alliierte Bombenflugzeuge an
die "schon im Zweiten Weltkrieg" gültigen "internationalen Abkom-
men" nicht gehalten haben, so eindrucksvolle Kulturdenkmäler, wie
die Ruine des Turms der Kaiser-Wilhelms-Gedächtniskirche in West-
berlin und für die "zahlreichen vernichteten Denkmäler" sind min-
destens ebensoviele Kriegerdenkmäler selbst in den entlegensten
Ortschaften entstanden.
"Risiko"?
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Eine Friedenspolitik mit immer mehr Raketen, eine Vaterlandsver-
teidigung unter Einsatz des ganzen Volkes ist eine Sache. Eine
Industrie, die auf den Spaß am Ballern und am spielerischen
Kriegführen setzt, ist eine andere Sache. Letzteres ist für
Freunde einer anständigen Jugend schon immer ein Hauptgegenstand
der Beschwerde gewesen. Das Krieg-Spielen gilt bürgerlichen Mora-
listen von Haus aus eher als Grund des Krieges als umgkehrt.
Wie gesagt, das ist eine Eigenart bürgerlicher Moral. Mit dem
Krieg verträgt sich diese Moral durchaus, weil er eine zu ernste
Sache ist, um bloß als Spiel behandelt zu werden. Daß diese Moral
sich auch mit der Spielzeugindustrie verträgt, beweist eine jüng-
ste richterliche Entscheidung in Sachen Spielzeug: "Überfall auf
Nachbarn ist erlaubt".
Das 'Risiko'-Spiel - ein mittlerer Schlager auf dem Markt - "in
Paris mit dem 'Oscar der Spiele' ausgezeichnet - in der BRD zwi-
schen 1972 und Oktober 1982 nach Angaben des Herstellers 65800
mal verkauft" - erteilte bisher an Würfelfreudige den Auftrag,
fremde Kontinente zu erobern oder feindliche Armeen zu vernich-
ten.
"Ziel des Spiels ist es laut Anleitung, 'Länder, insbesondere
Nachbarländer, zu überfallen, Kontinente und die Welt zu erobern
sowie die Gegner zu schlagen'. Sieger ist, wer zuerst die Welt-
herrschaft erringt."
Kein dummer Einfall, außer der unvermeidlichen Schwäche, daß es
im Gegensatz zur Realität dem Glück des Würfels überlassen war,
diesen Auftrag zu erfüllen. Die NATO plant da anders. Und NATO-
Ideologen und ihre Nachbeter denken da anders. 30 Jahre "NATO-
Frieden" müssen auch zur spielerischen moralischen Erziehung der
Jugend taugen:
"In der mündlichen Verhandlung sagte der Vertreter der Bundes-
prüfstelle, 'Risiko' sei dazu geeignet, Kinder und Jugendliche
sittlich zu gefährden, weil Krieg und Gewalt verharmlost würden
und die spielerische Nachvollziehung von diktatorischem Handeln
sich zwangsläufig gegen den Gedanken der Erziehung zum Frieden
richte sowie die Gefahr naheliege, daß durch das Spiel Angriffs-
kriege positiv bewertet würden."
Das Verwaltungsgericht Köln hat jetzt entschieden, daß dieses
Kriegsspiel moralisch unbedenklich ist. Dennoch hat sich die
Firma die Bedenken der Bundesprüfstelle zu eigen gemacht und läßt
ab sofort junge Deutsche (und andere unbewußte Freiheitsfans) nur
noch nach der richtigen Ideologie würfeln. Nicht mehr Einser und
Sechser, um Australien gegen die blaue Armee zu halten oder La-
teinamerika unter Verlust einiger Armeen zu erobern, sondern um
den hehren Zweck, "besetzte Länder zu befreien".
"Bomben auf Berlin"
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zeigte das ARD-Fernsehen am 12. Januar und bot dem Publikum
"erstmals Ausschnitte aus Wochenschauen, die Goebbels unter Ver-
schluß gehalten hat". Für heute sind sie aber anscheinend sehr
passend, weil sie die unerschütterliche Durchhaltemoral der Zi-
vilbevölkerung dokumentieren. "Leben zwischen Furcht und Hoff-
nung", so der Untertitel dieses "Dokumentarfilms", zeigte das
Aufkeimen "unverfälschten privaten Frohsinns" zwischen den An-
griffen, das unverdrossene Wiederaufbauen nach jeder neuen Zer-
störung und das Stattfinden einer Kultur in der Reichshauptstadt
bis wenige Wochen vor Kriegsende. Auch im Krieg geht das Leben
weiter, in gewisser Hinsicht sogar intensiver als im Frieden,
weil man fürs nackte Überleben schon dankbar ist. "Wir haben
nicht an Hitler gedacht" - wird eine Tagebuchautorin zitiert, die
ihre Gedanken beim Aufräumen niederschreibt. So mußte auch ein
heutiger Zuschauer nicht unbedingt an die NATO denken, um dieses
Stück moralischer Aufrüstung in Noch-Friedens-Zeiten richtig zu
würdigen.
Päpstlicher als der Papst
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selbst beantwortete Lech Walesa den "Fragebogen" in der
"Frankfurter Allgemeinen"-Wochenbeilage vom 6. Januar, mit dem
das gebildete Publikum "Geist und Witz" prominenter Zeitgenossen
am Sprühen bewundern darf, wenn sie den "heiteren und heiklen
Fragen" der FAZ-Feuilletonisten sich stellen zu dürfen die Ehre
haben. Hier ausschnittweise ein paar Antworten des polnischen
"Arbeiterführers" mit der Frage an unsere Leser, welche echt sind
und welche einfach dazu erfunden werden mußten:
"Wo möchten Sie leben? Im Vatikan.
Ihr Lieblingsmaler? Der Papst. Er entwirft eine neue Gestalt der
Welt; er malt ein Bild des echten Menschen.
Ihr Lieblingskomponist? Der Papst. Er komponiert eine wahrhaft
christliche Welt.
Ihre Lieblingsbeschäftigung? Audienz beim Papst.
Wer oder was hätten Sie sein mögen: Schweizer Gardist.
Ihre Lieblingsfarbe? Purpur.
Ihr Lieblingsschriftsteller? Der Papst.
Ihr Lieblingslyriker? Der Papst.
Ihre Helden in der Wirklichkeit? Der Papst.
Ihre Heldinnen in der Geschichte? Die Heilige Mutter, weil es
keine weiblichen Päpste gegeben hat.
Ihre Lieblingsnamen? Johannes, Paul.
Welche natürlichen Gaben möchten sie besitzen? Die Unfehlbarkeit.
Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten? Den
Kreuzzug Urbans II.
Ihr Motto? Ich will sein und alles so machen, daß mein Gewissen
rein ist."
Für die richtige Beantwortung unserer Frage gibt's ein kußechtes
Porträt des Papstes. Bei mehreren richtigen Einsendungen ent-
scheidet unter Ausschluß des Rechtswegs ein Konklave der MSZ-Re-
daktion.
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