Quelle: Archiv MG - KULTUR ALLGEMEIN - Vom Zeitgeist
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DER ALTE FRITZ...
..IM NEUEN ROCK
Der Große Fritz für den kleinen Mann
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Was den Alten selbst betrifft, so hat er sich seinen Beinamen,
"der Große", redlich verdient. Die Geschichte verleiht diesen Ti-
tel nur erfolgreichen Schlächtern und Leuteschindern im großen
Stil. Und er hat lange genug gelebt und regiert, um mit
"Werbungen" - eigenes und fremdes Volk zum Soldaten"handwerk"
pressen - und "Erwerbungen" - in den Karten meist hellblau -
reichlich dafür zu sorgen. Und darum war er auch bei jeder spä-
tern Schlächterei im Geiste mit dabei: 1864, 1866, 1871, 1914,
1939. Daß er 1942 bei Stalingrad die deutsche Sache mitvermasseln
half, wurde ihm zeitweilig als Beihilfe zum Mißbrauch seiner
selbst angekreidet. Ausgerechnet er, der absolute deutsche Sie-
gertyp, der aus den verfahrensten Situationen Erfolge machte,
Siege aus Niederlagen, er war für d i e undeutschen Verlierer-
typen auf Postkarten und Filmleinwand unterwegs gewesen, in sei-
nem guten blauen Rock.
So hatte man zeitweise ein wenig Schuld am groß-deutschen Mißer-
folg auch auf ihn abgeladen. Und die Leistung dieser Vergangen-
heitsbewältigung ist immerhin gewesen, daß nunmehr nichts Deut-
sches an der "Katastrophe" hängengeblieben ist, so daß unsere Ah-
nenreihe wieder komplett ist:
"Vor 200 Jahren, am 17. August 1786, starb 'Der Alte Fritz, das
vielleicht größte Genie, das jemals in Deutschland regierte."
(Bunte Illustrierte)
Was hat der Mann alles geleistet! Klein angefangen und ganz groß
rausgekommen:
"Er machte das kleine Preußen zur Großmacht..."
Aus dem Nichts ein Königreich geschaffen, vor dem ganz Europa
sich fürchten mußte. Und das Ganze auch noch mit einem absolut
untauglichen Volk:
"Friedrich verachtete seine Soldaten. Um sie in den Griff zu be-
kommen, mußte er ein begnadeter Feldherr werden. Und er wurde
es."
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Nicht lange gefackelt, son-
dern ran an die großen Aufgaben, die doch auch jeder im Kleinen
hat. Und was hat er doch alles nebenbei erledigt:
"Er war Krieger und Künstler, Philosoph und Zotenreißer, Anpacker
und Müßiggänger."
Und das, obwohl er ein fauler Sack wie jedermann war. Und wie hat
er das geschafft? Durch die richtige Einstellung natürlich:
"Er begreift, daß dieser furchtbare Vater nicht vor dem Äußersten
zurückschreckt, um seinen Willen, seine königliche Autorität
durchzusetzen. Dagegen helfen weder Hochmut noch Auflehnung.
Friedrich beschließt, sich dem Vater zu unterwerfen. Er begreift
- und das wird für sein späteres Leben wichtig sein -, daß man
einem stärkeren Gegner nicht entgegentreten soll, daß man auswei-
chen muß, daß man den stärkeren Gegner ins Leere laufen lassen
muß - bis dieser sich ermüdet. Alles andere ist sinnlos, kostet
nur Opfer."
Wirklich ein fixer Bursche dieser Friedrich, zum König geboren
wie er aus den Leersätzen, die die Historiker aus seinen künfti-
gen Schlachten gezogen haben, Erfahrungen macht, aus denen er für
seine Jugend lernt, wo die meisten nicht mal für ihre Zukunft
draus lernen. Raffiniert auch die Taktik, sich der königlichen
Autorität zu bemächtigen: einfach warten, bis sie stirbt. Wirk-
lich ein Königsweg. Und was braucht's dafür? Eine ganz einfache
Tätigkeit des Geistes: Begreifen, daß Widerstand nur Opfer
bringt, während für die Unterwerfung ein Platz in der Geschichte
winkt. Mit demselben raffinierten Trick hat wohl der Alte "den
Deutschen eine blutige Revolution wie die in Frankreich ersparen"
können. Feste Krieg führen, da kommt man rum im Land, und das
Blut der richtigen Leute fließt für die richtige Sache. Zudem
läßt sich der Krieg auch als Beitrag zur Volksbildung verstehen:
"Je übler eine Lage ist, in die ein Mensch gerät, desto größer
wird seine Lernfähigkeit und Kraft."
Also nichts wie hinein ins Schlamassel. Das muß sich doch auch in
Friedenszeiten machen lassen!
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