Quelle: Archiv MG - GESCHICHTE BIS-1914 - Vor Weltkrieg 1. Immer dasselbe?
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 12, 16.05.1984
KLEINIGKEITEN AUS DEM HISTORISCHEN FEINDBILD
Die erfolgreiche Durchsetzung von wenig mehr als einer Handvoll
Demokratien zur 'Tendenz der Zeit' verwandelt, und schon er-
scheint die Existenz anderer Staatsformen als die Ausnahme von
der Regel, die Gleichsetzung von rot und braun als selbstver-
ständlich unterstellt.
"Im 19. Jahrhundert setzt die Tendenz zur Demokratie ein; Politik
ist ohne Demokratie nicht mehr machbar - mit Ausnahme der drei
Diktaturen Italien, Deutschland und der Sowjetunion, was aber die
Tendenz nicht beeinträchtigen konnte."
... wurden doch zwei davon bereits von der 'Historischen Tendenz'
weggeputzt; nur eine davon ist also noch übrig. Aber keine Aufre-
gung! Die Geschichte, diesmal in Form der NATO, arbeitet bereits
mit aller Kraft an diesem Anachronismus. Im Sinne der Geschichte
kann man also nur hoffen, daß sie dies erfolgreich tut.
*
Daß dieser Anachronismus von Anfang an eine historische Ungerech-
tigkeit war, zeigt seine Entstehung. Ganz der 'Tendenz der Zeit'
entsprechend war nämlich die Russische Revolution eigentlich eine
demokratische, die nur durch die zwielichtigen Machenschaften der
Bolschewiki usurpiert wurde.
"Die Februarrevolution und die Oktoberrevolution waren eine Mas-
sen- und eine Minderheitenrevolution; bei der eigentlichen Revo-
lution war Lenin gar nicht dabei, sondern er kam hinzu, als die
Revolution bereits gemacht war."
Wie scheinheilig! Wäre Wladimir rechtzeitig vor Ort gewesen und
hätte mit den gegnerischen Massen seine kommunistische Revolution
gemacht, könnte er sich wohl der Sympathie von Frau NIEHUSS si-
cher sein?
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