Quelle: Archiv MG - EUROPA SPANIEN - Alles klar an der NATO-Südflanke

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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 31, 09.02.1981
       
       Wochenschau
       

IN SPANIEN

hat sich seit dem Tode Francos eine Menge geändert: im Palacio del Pardo residiert statt dem Caudillo ein König, im Parlament sitzen gewählte Vertreter des Volkes, die Zeitungen schreiben nur noch freiwillig, was sie wollen, die nordöstlichen Provinzen hei- ßen wieder Euskadi, und die Polizei wird demnächst von lupenrei- nen Basken befehligt. Gewisse Kleinigkeiten, wie der Lohn der Ar- beiter, das Hungerdasein der Arbeitslosen und der Bauern des Südens haben sich nicht geändert, aber alles das sind jetzt a n e r k a n n t e Probleme, über die in Madrid diskutiert und in Brüssel mit der EG verhandelt wird. Dem letzte Woche zurückge- tretenen Premier Adolfo Suarez soll es gelungen rein, "den hoch- schwierigen Wandel einer Diktatur in eine Demokratie friedlich vollzogen zu haben." (Spiegel, Nr. 6/1981) Dabei war der Trick ganz einfach: Ein aufstrebender Senorito des Franquismus, Sekre- tär der fanatischen Bewegung, verspricht dem Militär, der Kirche, dem Kapital und dem Großgrundbesitz, daß sich an ihrer Stellung im Staat nichts ändern wird, dem Volk, daß das alles ab sofort nur noch mit seiner mehrheitlichen Zustimmung passiert und feiert so als Garant der Stabilität für die Träger des Ancien Regime und als Hoffnung des Antifaschismus der Massen einen überzeugenden Wahlsieg. So weit so gut, nur weil jetzt Demokratie herrscht, meiden sich andere zu Wort, die as nicht nur auch k ö n n e n, sondern sich als glaubhafte Alternative a n b i e t e n d ü r f e n. In des Volkes Gunst steigt unaufhaltsam der Sozi- aldemokrat Felipe Gonzales, der nicht unter Franco großgeworden, sondern von der westdeutschen SPD großgezogen worden ist und die "Barone" der Regierungspartei UCD nörgeln gegen den Partei- und Regierungschef, weil er "selbstherrlich" regiert, d.h. sie nicht genügend an der M a c h t beteiligt und dabei auch noch das Ri- siko erhöht, die nächsten Wahlen zu verlieren. Jetzt ist Don Adolfo zurückgetreten, und daß innerhalb und außerhalb Spaniens nur die eine Frage diskutiert wird, wer sein Nachfolger wird, zeigt, wie grundlos seine im Abgang geäußerte Befürchtung ist, "daß das demokratische System wieder nur ein Zwischenspiel in der Geschichte Spaniens bleibt." zurück