Quelle: Archiv MG - EUROPA SPANIEN - Alles klar an der NATO-Südflanke


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       Spanien
       

EIN WECHSEL AUF DIE DEMOKRATIE

"Vota PSOE por el cambio!" (Wahlslogan der PSOE) "Die PSOE ist fest entschlossen, mit den Betrügereien beim Stier- kampf aufzuräumen." (Der sozialistische Senator Juan Antonio Are- valo am 7. November 1982 zu der spanischen Zeitung "El Pais") Seit 6 Jahren gibt es nun die spanische Demokratie, aber der Ruf nach ihr hat noch nicht aufgehört. Selbst im vergangenen Wahl- kampf legten die angetretenen Parteien von rechts bis links ein Bekenntnis zur Demokratie ab - als ob mitten in dem Akt, der sie doch vor allen anderen Herrschaftsformen auszeichnen und bestim- men soll, sie sich selbst widerlege. Der ganz normal abgelaufene Vorgang - die bisherige Regierung, gestellt von der UCD unter Ministerpräsident Calvo Sotelo tritt im Sommer '82 zurück, der König schreibt Neuwahlen aus, die So- zialisten der PSOE gehen mit einer absoluten Mehrheit aus der Wahl hervor - wird begleitet von einer Propaganda f ü r die De- mokratie, so als ob die demokratische Wahl nicht eine Regierung ermächtigt, sondern als sei die Wahl eine Ermächtigung der Demo- kratie. Solidarität der Demokraten -------------------------- Der 28. Oktober hinterläßt in Spanien merkwürdige Figuren: Der noch amtierende Ministerpräsident Calvo Sotelo wird arbeitslos, sobald Felipe Gonzalez das Amt übernommen hat. Nicht einmal das Amt des Oppositionsführers oder wenigstens ein Abgeordnetenmandat verbleiben ihm als Berufschance, da seine Partei mit der Wahl nicht nur die Mehrheit in den Cortes verloren hat, sondern jetzt nurmehr über 11 Sitze von 350 verfügt. Die Wahl erbrachte nicht die für eine Demokratie übliche Ablösung der Regierung durch die Opposition. Bereits vor der Wahl stand fest, daß sie eine Ent- scheidung zwischen PSOE und der AP (Volksallianz) Manuel Fragas werden und die UCD mit der Wahl so gut wie aus der politischen Landschaft verschwunden sein würde. Allerdings war die Entschei- dung der spanischen Wähler auch kein Votum g e g e n die Regie- rungs p o l i t i k der UCD, wurde diese doch in den vergangenen 1 1/2 Jahren von der PSOE mitgetragen und mit durchgesetzt: - Alle Abkommen zwischen Regierung und Gewerkschaften zur Nieder- haltung des Preises der Arbeitskraft, vom Moncloa-Pakt des ersten demokratischen Premier Suarez bis zum ANE (= Nationale Überein- kunft über die Arbeit), einem G e s e t z, das auf Jahre hinaus Lohnabschlüsse u n t e r die Inflationsrate vorschreibt und "dafür" den Gewerkschaften "Nachschläge" zugesteht für den Fall, daß die reale Inflation höher ist als die prognostizierte. Für diesen, bereits erstmals eingetretenen Fall, haben die spanischen Arbeiter bis jetzt noch nichts gekriegt. - Die Autonomiestatute für Katalonien und Euskadi samt der Zu- rücknahme fast aller in ihnen enthaltenen m a t e r i e l l e n Zugeständnisse an die autonomen Regierungen durch das 1981 zwi- schen UCD und PSOE ausgehandelte LOAPA (= Grundgesetz über die Harmonisierung des Autonomieprozesses). - Die "Anti-Terror"-Gesetze und die Einsetzung des "Einheitlichen Kommandos für den Kampf gegen den Terrorismus" (MULC), mit dem die spanische Demokratie alle Maßnahmen und Methoden des Faschis- mus im Kampf gegen ETA neu kodifizieren ließ, um gegen einen Feind vorgehen zu können, der die "Errungenschaften der Demokra- tie" dadurch m i ß b r a u c h t, daß er sich z.B. bei Wahlen als zweitstärkste politische Kraft im Baskenland samt den dazuge- hörigen Parlamentssitzen bestätigen ließ und seine Meinung über eine auflagenstarke Tageszeitung verbreitet. - Der Beitrittsantrag an die EG und der Eintritt in die NATO. Letzteren begleitete die PSOE mit ihrer Forderung nach einem Ple- biszit und der ungemein diplomatisch vorgetragenen "Opposition", f ü r die NATO zu sein, aber gegen den Eintritt "zum jetzigen Zeitpunkt". Die Oppositionsrolle der PSOE im Parlament bestand in den letzten 2 Jahren darin, einer UCD, die fortlaufend durch Austritte von Parlamentariern aus ihrer Fraktion geschwächt wurde, Mehrheiten zu verschaffen. So brachte Felipe auch einmal Gesetzesanträge aus der eigenen Fraktion dadurch zu Fall, daß er Abgeordnete zu der Fraktionsdisziplin verdonnerte, bei der Abstimmung zuhause zu bleiben. Diese Taktik, der amtierenden UCD-Regierung zu h e l f e n und eben auch dies als Beweis ihrer Schwäche und Inkompetenz auszu- schlachten, mußte nur noch um einen für viele Spanier plausiblen G r u n d ergänzt werden, der gleichzeitig gegen UCD und für PSOE angeführt werden konnte: Da in der S a c h e die Sozialisten den Zentrumsdemokraten kaum Differenzen aufmachen wollten, mußte es am Personal der Macht liegen, daß der gemeinsam befürwortete und getragene Weg der spa- nischen Demokratie wenig von alldem beseitigte bzw. verbesserte, woran man dem Faschismus die Schuld gab und sich vom demokrati- schen "transito" Abhilfe versprach. Was lag also näher, als der UCD gerade ihre historische "Leistung" zugutezuhalten und diese als Grund ihres jetzigen "Versagens vor der Geschichte" zu ent- decken: "Der Zug der Geschichte hat nur wenige Male in Spanien angehal- ten. Jetzt ist für unser Land die Chance der Freiheit gekommen, und diese Chance müssen wir wahrnehmen." (Felipe Gonzales) In der UCD hatten sich nach dem Tode Francos wesentliche Träger und Nutznießer des Franquismus zusammengefunden, die den Faschis- mus aus sich heraus, unter Wahrung seiner Legalität, "organisch" zu einer demokratischen Herrschaftsform transformieren wollten und dies - gestützt auf den König als dem legalen Erben Francos - auch m a c h t e n. Leute, die unter Franco als F a s c h i- s t e n Spanien regierten (wie Adolfo Suarez, Generalsekretär der "Nationalen Bewegung" Francos), traten jetzt als D e m o- k r a t e n auf und offerierten dem Volk - seine Z u s t i m- m u n g zur Herrschaft. Sonst nichts, aber das reichte anschei- nend für b e g e i s t e r t e Zustimmung beim Volk, das aus dem S t a a t s t e r r o r in den Jahren nach dem Bürgerkrieg den falschen Schluß gezogen hatte, die verweigerte p o l i- t i s c h e Freiheit sei der Grund für seine ö k o n o- m i s c h e Misere. Die große Popularität eines Senorito des Faschismus wie Suarez rührte von dessen Geschick her, die Massen in obigem Fehlschluß zu bestätigen und den f r i e d l i c h e n Übergang zur Demokratie als Garanten für den w i r t- s c h a f t l i c h e n E r f o l g des neuen Spanien anzu- preisen. Damit knüpfte er nahtlos an "Leistungen" Francos an, die diesem auch von seinen Gegnern gutgeschrieben werden: Das Land aus dem Zweiten Weltkrieg herausgehalten, den Bürgerkrieg beendet und die Industrie wieder aufgebaut zu haben. Solange mit Demokratie m a t e r i e l l e Erwartungen verbun- den werden, kommt natürlich bei deren Ausbleiben keine Desillu- sionierung über die D e m o k r a t i e heraus, sondern nur Kritik an D e m o k r a t e n auf: Die UCD soll sich "unfähig" erwiesen haben, den demokratischen Prozeß über das "Formelle" hinauszutreiben, weil in ihr immer noch das Personal des Faschis- mus das Sagen hat. Die ersten Wahlniederlagen der Regierungspar- tei (in Andalusien und Galizien) veranlaßten Suarez, eine Säube- rung der Spitzenfunktionen der Partei von den exponierten Alt- franquisten (den "Azules" = die Blauen) vorzuschlagen. Damit kün- digte er aber die Basis dieser Parteigründung auf, und die Er- folglosigkeit sollizitierte den "Zerfall" der UCD, was nichts an- deres war als der Ü b e r t r i t t von Azules zur Volksallianz Fragas bzw. der Anschluß von "Sozialdemokraten", wie dem Justiz- minister Ordnonez, an die PSOE. Die erstarkende Opposition in ihren beiden Varianten, PSOE und AP, konnte so ihre R e g i e r u n g s f ä h i g k e i t durch die Zustimmung zu den wesentlichen Entscheidungen des Staates un- ter Beweis stellen und gleichzeitig ihre größere G l a u b w ü r d i g k e i t durch die Kritik an ihren Folgen demonstrieren. So gab es keinen Widerspruch gegen den Beitritt zur EG --------------- Die Kosten wurden allerdings der UCD angelastet. Die Umstruktu- rierung der spanischen Ökonomie gemäß den Bedürfnissen des EG-Ka- pitals und zur Herstellung von partieller Konkurrenzfähigkeit mit diesem verstieß sowohl gegen Interessen der herrschenden Klasse, soweit sie das nationale spanische Kapital repräsentiert, das im Franquismus durch staatlichen Protektionismus und Subventionen rentabel (für seine Eigentümer und Manager) erhalten wurde, als auch gegen die Lebensgrundlage von Teilen der Bevölkerung; hier vor allem in der Landwirtschaft: Die Umstellung ganzer Produkti- onsspharen der Agrikultur auf neue Produkte, für die es in der EG einen Markt gibt, auf neue Produktionsmethoden, die weniger ar- beitsintensiv und dafür maschinisiert sind, setzte ein ganzes Heer von Landarbeitern außer Brot und vertrieb abhängige Pächter und Kleinbauern von ihrem Boden, der für's große Geschäft benö- tigt wurde, an dem sich der Standpunkt der Subsistenz einer Groß- familie blamierte. Eben auf die EG zugerichtet, bekam die spanische Ökonomie die Krisenwirkungen aus den EG-Staaten zu spüren; verschärfte Aufnah- mebedingungen, Einfuhrbeschränkungen, keine Fortschritte in den Beitrittsverhandlungen und ein Zurückströmen von Gastarbeitern, die jetzt nicht mehr ihre Devisen nach Hause schickten, sondern das Arbeitslosenheer in Spanien vergrößern. Der große Anteil staatlicher Betriebe und staatlichen Kapitals an privaten Unter- nehmen sollte den neuen Rentabilitätskriterien unterworfen wer- den, was gegen die zahlreichen Interessen von Leuten verstieß, die der UCD politisch verbunden waren und gleichzeitig ihr Pfründe aus solchen Unternehmungen bezogen, also darauf angewie- sen waren, daß hier nicht K o n k u r r e n z f ä h i g k e i t, sondern p o l i t i s c h e s Interesse an n a t i o n a l e r Wirtschaft zählte. So rekrutierten beide Oppositionsparteien aus den Betroffenen ih- ren wachsenden Anhang: Die PSOE bei land- bzw. arbeitslos gemach- ten Proleten und die AP beim vom Ruin bedrohten Mittelstand bzw. bei den Nutznießern der alten protektionistischen Franco-Ökono- mie. Dies die Wahrheit der UCD-Klage, sie habe das Notwendige, von allen Seiten Geforderte, getan und sei dabei zwischen ihren politischen Konkurrenten "zerrieben" worden. Im Wahlkampf ------------ wurden diese o b j e k t i v e n Bedingungen von Politik und Ökonomie in Spanien natürlich nicht diskutiert. Das Arbeitslosen- heer und die marode Wirtschaft wurden auch nicht unter der Frage- stellung thematisiert: "Bringt's die Demokratie?" Umgekehrt: "Was fehlt unserer Demokratie noch, damit sie es bringt?" Wahlkampf wurde gemacht mit der Gleichung: "Die Demokratie ist unsere Chance!" - und weil die meisten Bürger dieses "u n s e r e" nicht auf die der Politiker beziehen, sondern von einem "fortschrittlichen S p a n i e n" in auch hierzulande üblichem N a t i o n a l i s m u s die Lösung aller Probleme erhoffen, ist für sie der beste Demokrat der bessere Staatsmann. Felipe Gonzales: "Ich bin nicht nur Parteichef, sondern auch verantwortlich für die Demokratie." Nicht sozialdemokratische Politik auf Basis durchgesetzter demo- kratischer Verhältnisse war angeblich das Gebot der Stunde, son- dern die D u r c h s e t z u n g der Demokratie durch die So- zialisten. Bei der Konkurrenz um die Macht wetteiferten spanische Politiker um nichts anderes, als Staat und Demokrntie im Sinn zu haben. Die einen schworen dem 'Franquismus' ab, die anderen dem 'Sozialismus', und so machten sie die Propaganda für die Demokra- tie zu ihrem Hauptthema. Es wurden Hoffnungen auf Demokratie mo- bilisiert, ohne Illusionen aufkommen zu lassen, nicht Wahl v e r s p r e c h e n, sondern S t a a t s versprechen wurden gemacht. "Auch alle, die wir keine Sozialisten sind, müssen jetzt die so- zialistische Liste wählen, um Spanien eine starke und fort- schrittliche Regierung zu geben." Darüber, daß eine starke Regierung auf der einen Seite Opfer auf der anderen Seite bedeutet, ließ Gonzales keine Zweifel aufkom- men. In seinem Appell an die Einheit der Nation rief er "die Spanier auf, sich im Kampf gegen die Wirtschaftskrise soli- darisch zu zeigen, in diesem Kampf um den Wechsel zu einem moder- nen Spanien." Und wie gut Felipe das Geschäft der Politik beherrscht, bewies er auch gleich nach seinem Wahlsieg. Hielt er unter der UCD ein Re- ferendum über den NATO-Beitritt Spaniens für notwendig, bedeutet die NATO-Mitgliedschaft für ihn als Ministerpräsidenten, den Wähler nicht unnötig zu strapazieren. "Es wäre nicht vernünftig, jetzt gleich nach dem Wahlkampf, wel- cher die Bevölkerung und alle Politiker mehrere Wochen lang mobi- lisiert hat, und vor den Gemeindewahlen im nächsten März und April ein Referendum anzusetzen. Die Volksabstimmung wird zu ei- nem günstigen Zeitpunkt stattfinden." Gonzales hat verstanden, welches Mittel die Demokratie ist. In der Opposition erklärt man den NATO-Beitritt der Regierung zum Ausverkauf Spaniens, in der Regierung überlegt man, wie man das Volk zustimmen läßt: "Bei diesem Referendum kommt es wesentlich auf die Formulierung der Frage an, und zwischen Rausgehen und Drinbleiben gibt es ja noch mittlere Lösungen..." Die Transformation des Franquismus in die Demokratie ---------------------------------------------------- Den zweiten Wahlsieg errangen die Machthaber und Nutznießer des Ancien regime, zusammengeschlossen unter dem Franco-Minister Ma- nuel Fraga Iribarne in der AP. Mit 106 Parlamentssitzen gegenüber 9 in der vergangenen Wahl hat die Volksallianz neben zahlreichen Politikern der UCD auch die meisten ihrer Stimmen eingesammelt und einen Aufschwung genommen, der ihr die stille Bewunderung so mancher hiesiger Demokraten eingebracht hat. Daß die AP einen solchen ausweisbaren Rückhalt im Volk mobilisieren konnte, ist allerdings weder durch die massive Unterstützung des spanischen Unternehmerverbands noch durch die intrigante Schläue des Gali- ziers Fraga auch nur hinreichend zu erklären. Vielmehr war mit dem von den Sozialisten aufgemachten Wahl- kampfthema, es ginge um die Rettung der Demokratie vor dem Putsch durch das Militär, die faschistische Alternative auf den Plan ge- rufen, ihn zu verhindern, indem man einen solchen gewaltsamen Wechsel überflüssig macht. Als Nutznießer der von der PSOE initi- ierten Politisierung der Massen, sich die F o r m ihres Be- herrschtwerdens zum Anliegen zu machen, sicherte sich die AP nicht nur die Stimmen der Franco-Anhänger, die - noch immer in Amt und Würden - mit einem Sieg der Sozialisten ihre bisherigen Pfründe schwinden sahen, sondern ebenfalls ein Wählerpotential, das den Faschisten Blas Pinar nicht gewählt hätte, dem aber die faschistische Programmatik unter demokratischen Vorzeichen durch- aus eine Wahlalternative war. Das Angebot der AP an die Massen war die Zusicherung, sie - im Unterschied zu den Sozialisten - ordentlich zu regieren, durch die Wahrung der alten Werte und franquistischer Grundsätze unter Beibehaltung demokratischer Ver- kehrsformen. Ein Bekenntnis zur Demokratie legte Fraga für seine Volksallianz nicht nur während des Wahlkampfs ab. Ebenso stand bezüglich der NATO-Mitgliedschaft und des EG-Beitritts eine Fort- führung der bisherigen Politik außer Frage. Eine Rückkehr zum F a s c h i s m u s wurde der AP auch von Fe- lipe Gonzales und Santiago Carillo nicht unterstellt. Denn eins hatten Leute wie Fraga in den sechs Jahren der Volksherrschaft begriffen: daß die demokratische Beteiligung der Massen das Ge- schäft der Herrschaft nicht beeinträchtigt. So war die anfängli- che Empörung vieler Franquisten über die mit der Zulassung von Parteien verbundene Legalisierung der Kommunisten - ein ihrer Meinung nach verhängnisvoller Umgang mit Staatsfeinden - sehr bald auf Zustimmung und Genugtuung gestoßen, angesichts des - de- mokratisch vollzogenen - N i e d e r g a n g s d e r P C E. Wenn sich die Demokratie mit einem Erfolg brüsten kann, um den sich die Franco-Diktatur 40 Jahre lang vergeblich bemühte, rela- tivieren sich für einen Faschisten auch einige seiner Vorbehalte gegenüber dem Demokratisierungsprozeß, wenngleich er ihn in den Händen der Sozialisten noch immer "in seiner tragischen Auswir- kung für Spanien... mit der Invasion der Mauren vor über einem Jahrtausend" vergleichen mag. Als demokratischer Faschist, der seiner eigenen Aussage nach "zur Demokratie bekehrt wurde", hat Fraga seinen Gesinnungsgenossen die effektive Benutzung demokratischer Errungenschaften vorge- führt, indem er z.B. auch den unter Franco blutig als Separatis- mus bekämpften Regionalismus en Galizien für einen Wahlsieg sei- ner Partei nutzte. Der Sieg der Demokratie ----------------------- wird komplettiert durch die demokratische Eliminierung ihrer echten und vermeintlichen Gegner: - Die PCE Santiago Carillos konkurrierte mit der PSOE um die Rolle des glanbwürdigsten Demokraten. Die Aufgabe und der Aus- schluß aller klassenkämpferischen Positionen führte einerseits zu diversen Abspaltungen von "Pro-Sovieticos", "Marxistas-Lenini- stas" und zu einer "Entfremdung" der Partei von ihrem "Arbeiterfügel" in den Comissiones Obreras, andererseits vollzog sich an der PCE das Gesetz demokratischer P o l i t i k: Hier ist der erste der erfolgreichste, also wählten zwei Drittel bis- heriger PCE-Wähler gleich Felipe. - Die faschistischen Freunde der Putschisten um Blas Pinars "Fuerza Nueva" lösten sich nach den Wahlen "enttäuscht vom spani- schen Volk und unseren Freunden" selbst auf. Gegen sie hat Fraga überzeugend = erfolgreich bewiesen, daß man auch als Faschist i n der und mit d e r Demokratie sich durchsetzen kann. Wenn als Resultat der Wahlen die Ideale und Methoden, des Franquismus als alternative Herrschaftsgarnitur, mit guten Aussichten auf Zu- wachs beim nächsten Mal, bestätigt werden, dann blamiert sich der putschistische Faschismus als rechtsradikales Sektierertum. - ETA (militar) hat zwar in Euskadi unter Beweis stellen können, daß entgegen aller Zweckpropaganda vom "geschlagenen und isolier- ten Terrorismus" ihre politische Relevanz ungebrochen ist (über 200.000 Stimmen für "den bewaffneten Kampf", das sind 20.000 mehr als beim letzten Mal). Diese Opposition ist jedoch a n t i-demo- kratisch, weil anti-spanisch, also ein k o n k u r r i e- r e n d e r N a t i o n a l i s m u s, fällt so aus dem Spektrum des Streits um die spanische Demokratie heraus und sieht sich nach den Wahlen einer erstarkten, geschlossenen Front der spanischen und baskischen Demokraten ausgesetzt, die sich nur noch über die Modalitäten des Fertigmachens streitet. - Die Armee, deren Offiziere der Demokratie mit der Distanz von Leuten gegenüberstehen, denen es um den S t a a t, seine Ein- heit und Stärke geht, die i h r e Position in diesem Staat un- mittelbar bestimmt, und die sich deshalb ein eigenes, von Verfas- sung und Wählervotum unabhängiges Urteil darüber vorbehalten, wie S p a n i e n am besten gedient ist. O b j e k t i v gibt es an der neuen Mannschaft nichts auszusetzen, weder was ihre Erklä- rungen noch was ihre zu erwartenden Taten betrifft. Daß so man- cher Haudegen in hohen Offiziersrängen subjektiv den Machtantritt der Roten, gegen die er 40 Jahre lang zuerst Krieg geführt und dann "Terrorismusbekämpfung" praktiziert hat, für eine unerträg- liche Provokation hält, aktualisiert keineswegs die "Gefahr eines Militärputsches", mit der spanische Demokraten ihrem Volk gegen- über mittlerweile sehr funktional alles begründen, was sie m a c h e n und vor allem, was sie nicht machen. Solange Herr- schaft auch d e m o k r a t i s c h f u n k t i o n i e r t und durch die Einbeziehung der spanischen Armee ins w e s t l i c h e B ü n d n i s darauf jetzt von außen ver- stärkt Wert gelegt wird, muß jeder künftige Milans del Bosch da- mit rechnen, nicht nur vom König, sondern auch von seinen Waffen- brüdern in Stich gelassen und dem M i l i t ä r gericht über- antwortet zu werden. zurück