Quelle: Archiv MG - EUROPA SOZIALISTISCHE-INTERNATIONALE - Vom Sozial-Imperialismus

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       Argumente zu Nicaragua, November 1984
       

SOZIALISTISCHE INTERNATIONALE: WEIL GESCHOSSEN WIRD, HABEN SOZIALDEMOKRATEN GUT REDEN

Unterdessen haben sich Brandt, Wischnewski und die "Soziali- stische Internationale" (SI) von "vor Ort aus Brasilien und von Rundreisen durch Südamerika und die Karibik, als aufmerksame Opposition zu Wort gemeldet. Noch nachdrücklicher und liebevoller als vor ihnen die EG-Minister haben sie für die rechte Opposition in Nicaragua und ihren Terror allerhand politische Freiheiten angemahnt und auszuhandeln versucht - ein bemerkenswerten Bündnis! Interessant aber vor allem, was die Erfinder der Berufs- verbote und Oberterroristenbekämpfer in der sozialfriedlichen BRD in Nicaragua alles an Demokratie gewagt sehen wollten für ihre Schützlinge Cruz und Co: Extra-Termine für die Einschreibung zur Wahl; eine Verschiebung des Wahltermins, damit die Rechten noch genug Zeit fürs Terrormachen und Wahlkämpfen haben; anderthalb Stunden Fernsehen pro Woche; ... traumhafte Bedingungen für eine aufrührerische 5. Kolonne Washingtons mitten im Krieg. Nein, von der CIA gekauft sind die internationalen Sozialisten natürlich nicht. So mögen sie sich ein eher unblutiges Heimholen Nicaraguas ins Reich der Freiheit vorstellen. Denn daß das an- steht, daß Nicaragua so, wie es ist, für die USA untragbar ist, das wollen die erfahrenen Staatsmänner von der SI den Herren in Washington nicht bestreiten - am wenigsten ihr Häuptling Brandt ("Friedenswilly"), der seine anschließend geschlossene Duz- Freundschaft mit Fidel Castro auf dessen angebliche Entwicklung "vom Revolutionär zum Staatsmann" gründet, dem nichts mehr am Herzen läge als eine "Aussöhnung" mit dem US-Imperialismus... Doch wo die Endlösung des untragbaren "Sicherheitsrisikos" Nica- ragua politisch und militärisch ins Werk gesetzt wird, da sehen Sozialdemokraten die Stunde gekommen, sich als V e r m i t t l e r zu profilieren. Wo es nichts zu v e r m i t t e l n gibt - weil längst Krieg geführt wird, von Söldnertruppen mit dem US-Auftrag, den abweichenden Staat da hin- ten zu zerstören -, da preisen diese Internationalisten als friedliche Verhandlungslösung an, was der offizielle Zweck dieses Krieges ist: einen "demokratischen Pluralismus", der das Men- schenrecht auf amerikanischen Zugriff wieder garantiert. Daß es dafür mit Wahlen längst nicht mehr getan ist, weil sie diesen Zweck wohl doch verfehlen würden und deswegen von den Kreaturen Washingtons und Schützlingen der SI boykottiert werden, wissen natürlich auch Brandt und Kollegen. Deswegen eben verlan- gen sie nicht bloß Wahlen, sondern auch wieder den freiwilligen Verzicht darauf, bis das Aushungern und Terrorisieren nach Ein- schätzung der Rechten vielleicht doch die Bedingungen, für w i r k l i c h "freie Wahlen" geschaffen hat - denn auf der Einstellung von Sabotage. Überfällen und Handelsboykott bestehen sie gerade nicht. All das servieren die guten Menschen von der SI aber als A n g e b o t: So könnten d i e S a n d i n i- s t e n mehr und längeres Blutvergießen vermeiden. Oder wenn, schon das nicht, dann immerhin den amerikanischen Einmarsch. Wenigstens vielleicht... Denn wofür wollen diese "ehrlichen Makler" denn einstehen? Die T ä t e r und Urheber der ganzen "Kriegsgefahr" haben sie ja gar nicht besucht, geschweige denn auf irgendwelche "Kompromisse" festgelegt, für die sie haften könnten - ebenso wenig wie vorher ihre europäischen Minister und Regierungschefs. Nein, Sozialdemokraten besuchen die O p f e r und sonnen sich in der Lüge, diese könnten sich dank Brandtscher Vermittlungskunst doch noch die Chance verschaffen, die der zuständige Imperialismus ihnen gerade nicht läßt. So schmarotzen sie, erz-sozialdemokratisch eben, moralisch von dem Krieg und der Invasionsdrohung, denen die Sandinisten sich ausgeliefert sehen. Noch nachdrücklicher und noch zynischer als die Genscher-Mannschaft von San Jose profilieren sie sich als die guten Europäer, die mutig aus dem Schatten der USA treten. Ganz eigenständig melden sie das ehrenwerte, bescheidene Anliegen an, aus Nicaragua einen Brückenkopf der europäischen Sozialdemokratie in Mittelamerika zu machen. Ob ein europäisch beaufsichtigter Wintergarten in der Karibik den Nicaraguanern besser bekäme als der US-Stall? Besser als den Bewohnern der Vasallenstaaten, die die EG sich bereits geschaffen hat - in all den Gegenden Schwarz- afrikas z.B., aus denen, zur Zeit eine Hungerkatastrophe nach der anderen gemeldet wird? Für die Menschenfreunde der SI ist das keine Frage. Den Druck konterrevolutionären Terrors für alterna- tive Vorschriften an die Adresse Nicaraguas ausnutzen: Das ist ihr politisches Geschäft. Zumindest können sie dann als SPD-Oppo- sition in Bonn an die regierenden Christliberalen den harten Vor- wurf loswerden: Schwächlich kuschen sie vor Reagan - ein wahrhaft alternativ-demokratischer Kommentar zu der Tatsache, daß Europas NATO-Herren das karibische Kriegsgeschehen längst mit ihren öko- nomischen Waffen unterstützen und so deutsch und europäische Zu- ständigkeit wahren. P.S. Die sozialdemokratische Perfidie und ein alternativen Europa-Im- perialismus stoßen bei der F r i e d e n s b e w e g u n g of- fenbar auf Sympathie; Die Mehrheit ihrer Organisatoren hat sich mittlerweile auf Willy Brandt als Wunschkandidaten - für die Ab- schlußkundgebung der Mittelamerika-Demonstration am 3.11. geei- nigt. Wohl kaum, um seine Heuchelei nicht zum Zuge kommen zu las- sen. zurück