Quelle: Archiv MG - EUROPA SOZIALISTISCHE-INTERNATIONALE - Vom Sozial-Imperialismus

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       Letzte Meldung aus Peru
       

400 LEICHEN FÜR DIE "SOZIALISTISCHE INTERNATIONALE"

"Bei der Niederschlagung von Revolten in zwei Gefängnissen der peruanischen Hauptstadt Lima sind über 400 inhaftierte linksge- richtete Guerilleros von Soldaten getötet worden." (FAZ, 21.6.) "Als die Gefängnis-Revolte begann, landete Willy Brandt (72) in Lima. Er leitet dort den Kongreß der Sozialistischen Internatio- nale." (Bild, 21.6.) "Ein Sprecher der Regierung erklärte, die vermutlich zur maoisti- schen Untergrundorganisation 'Leuchtender Pfad' gehörenden Gefan- genen wollten mit ihrem Aufstand in drei Gefängnissen 'das inter- nationale Ansehen Perus' vor dem Beginn des Kongresses der SI schmälern." (Süddeutsche Zeitung, 20.6.) Das Ansehen eines Staates, und wenn es "bloß" Peru ist, läßt sich nämlich nicht dadurch beeinträchtigen, daß die Armee in ihrem "Kampf gegen den Terrorismus" Gefangene einsperrt, ohne durch die Einleitung eines Gerichtsverfahrens zu riskieren, daß der eine oder andere jemals wieder freikommt: "Von den insgesamt rund 100 unter Terrorismus-Vorwurf einsitzen- den Häftlingen sind 96% Untersuchungshäftlinge, von denen sich zwei Drittel bereits über zwei Jahre ohne Urteil in Haft befin- den." (taz, 21.6.) Und die haben noch Glück gehabt, daß sie nicht schon bei der Ge- fangennahme umgelegt worden sind. Das Ansehen eines Staates wird g e s c h w ä c h t, wenn die Dauerinsassen von 3 Gefängnissen einen Aufstand h i n k r i e- g e n. Deswegen wird es logischerweise auch w i e d e r h e r- g e s t e l l t, wenn die Armee mit schweren Waffen und Spreng- stoff zuschlägt und die Aufrührer unter den Trümmern des Gefängnisses begräbt. Es wird schon so sein, daß die Anstifter der Häftlingsrevolte auf die Zusammenkunft der "Sozialistischen Internationale", die dies- mal ihrem peruanischen Zögling, dem Sozialdemokraten Garcia, in Lima die Ehre gibt, g e s e t z t haben. Sie haben sich wohl erhofft, Regierung und Armee würden sich durch die weltweite Pu- blicity während des SI-Kongresses davon abhalten lassen, die Ge- fangenenrevolte blutig niederzuschlagen. Damit haben sie sich aber nicht nur in i h r e r sozialdemokratischen Herrschaft verrechnet, sondern vor allem in Willy Brandts Sozialimperiali- sten. Noch in der Nacht nach dem Massaker hatte das "heute jour- nal" die Ex-Juso-Vorsitzende Heide Wieczorek-Zeul an der Strippe, die dem bundesdeutschen Fernsehpublikum von den "Erfolgen" der Garcia-Administration im Kampf gegen den Sendero Luminoso berich- tete - damit auch dem letzten klarwird, daß die Ermordung von 400 politischen Gefangenen der jüngste Sieg der peruanischen (Sozial-)Demokratie im Kampf gegen den "Terrorismus" ist. Die internationale Sozialdemokratie stärkt natürlich, i h r e m G e s c h ö p f den Rücken und erteilt den umgebrachten Aufrüh- rern auch noch eine moralische Abfuhr: "Erschüttert" segnet sie die "harten Notwendigkeiten" der "Ordnungsstiftung" in einem süd- amerikanischen Bruderland ab. "Seit Jahren schon stehen in Peru 18 Provinzen in der Andenregion unter Militärherrschaft, die Massaker, die dort verübt werden, sind kaum aufzuklären." (taz, 21.6.) Schlächterei mit sozialdemokratischem "Leider" - ein schöner Bei- trag zum Ansehen Perus, der Sozialistischen Internationale und der westlichen Staatenfamilie überhaupt. zurück