Quelle: Archiv MG - EUROPA NORDIRLAND - Mit Bomben und Gebeten...
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Terror, der wohltut
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"Als ich am Sonntagabend erfuhr, daß die drei IRA-Terroristen in
Gibraltar erschossen worden sind, empfand ich ein Gefühl tiefster
Befriedigung. Irische Republikaner haben jahrelang so viele
schlimme Verbrechen begangen, daß die Eliminierung der drei akti-
ven Bombenleger, bevor sie in den engen Straßen am Gibraltarfel-
sen ein weiteres Mal zuschlagen konnten, ein brillanter und wohl-
tuender Akt wahrer Menschlichkeit war. Instinktiv wußte man, daß
die Terroristen die gerechte Strafe ereilt hat. Ein Terrorist ist
ein Terrorist... Als skrupellose Agenten eines unerklärten Bür-
gerkriegs verdienen sie keine Ausnahme von Regeln, die sie selbst
gesetzt haben, besonders nicht von der Regel, die die Exekution
ohne Verhandlung rechtfertigt."
Die Einleitung dieser von Herzen kommenden Verherrlichung gerech-
ter, weil staatlicher Gewalt verrät ja schon, daß der humanisti-
sche Kommentater des liberalen Guardian noch ein Gewissen mit den
Opfern bekommt:
"Sie waren schlimme Verbrecher (wicked people), aber es hat sich
herausgestellt, daß sie unbewaffnet waren. Sie waren professio-
nelle Killer, die gerade nicht im Begriff waren, jemand zu töten
und - wie sich ebenfalls herausgestellt hat - gar nicht im Besitz
entsprechender Mittel dafür. Ist es zu rechtfertigen, daß solche
Leute umstellt und ohne Fragen erschossen werden?"
Zweifellos! Siehe oben! Es sei denn, der Nutzen für die Staatsrä-
son, der dem Menschenfreund so wohlige Gefühle bereitet hat, ist
in Frage gestellt, so daß sie von diesem Akt wahrer Menschlich-
keit am Ende gar keinen Nutzen hat, sondern der unrechten Gewalt
weiteren Boden bereitet und der rechten schadet:
"Könnte nicht die Erschießung unbewaffneter, wenn auch verbreche-
rischer Menschen, diese zu Märtyrern machen, mit allen damit ver-
bundenen Folgen?"
Am Ende könnte darunter dann gar die schöne Rechtfertigung staat-
licher Härte beim Jagen von Staatsfeinden leiden:
"Bewahrt die unterschiedslose Hinrichtung durch Vertreter des
Staates eine angemessene Distanz zwischen den Methoden der Terro-
risten und den Methoden derer, die sie bekämpfen" (The Guardian
Weekly, 20.3.1988)
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