Quelle: Archiv MG - EUROPA ITALIEN - Die Krise als Staatsideologie
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Wochenschau
DIE KP ITALIENS
hat Kritik aus Moskau an ihrer Stellungnahme zu den polnischen
Ereignissen hart zurückgewiesen: Politbüromitglied Pajetta wies
die jubelnden belegierten auf dem Parteitag der Region Lazio dar-
auf hin, daß "Moskau nicht der Vatikan" sei. Deshalb wohl teilt
die PCI die Linie des Papa Woytila und gibt gleich noch einen
drauf vom Standpunkt des italienischen Kommunismus: "Es wäre
Selbstmord", meinte Parteichef Berlinguer in Mailand, "sich in
der internationalen Politik, etwa gegenüber Polen, der sowjeti-
schen Haltung anzuschließen". Um politisch zu überleben, setzen
Italiens Kommunisten also darauf, sich nicht nur in die westliche
Kampagne "Bestraft die Sowjetunion" einzureihen, sondern sie ver-
suchen sich - zumindest ideologisch - an die Spitze zu stellen.
Einen Handelsboykott können sie nicht beschließen, Mittel-
streckenraketen haben sie keine, so bleiben "Sanktionen" auf
einem Felde übrig, die der KPdSU nicht gleichgültig sein können,
weil sie ihren Resten von Einfluß im Weltfortschrittslager
gelten: "Wir werden unsere Position gegenüber Moskau verteidigen,
wir werden unseren Freunden von den Befreiungsbewegungen zu
zeigen wissen, auf welcher Seite wir stehen." Wo die "Freunde von
den Befreiungsbewegungen" zur Zeit alles unternehmen, um
klarzustellen, auf welcher Seite sie n i c h t stehen, werden
sie sich schon mit der PCI auf der richtigen Seite treffen. Noch
einmal Berlinguer: "Unsere Kritik gegenüber der SU mindert jedoch
nicht im geringsten die Kritik am Kapitalismus." Das Dilemma der
PCI in Italien liegt nun darin, daß man ihr die erste immer noch
nicht honoriert, obwohl sie die zweite längst aufgegeben hat.
(Zitate aus "FAZ" vom 26. Januar)
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